Popeye hat gelogen!

Apotheker Michael Dickmeis über Eisenmangel und dessen Folgen

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„Der Gang zum Arzt erfolgt bei Eisenmangel in der Regel spät. Obendrein wird im Blut selten nach dem Speichereisen (Serum-Ferritin) gesucht. „Hier würde man sehr schnell sehen, wann unsere körpereigenen Speicher leer laufen“, betont Dickmeis. Foto: Lebenslinie

„Eisen ist wichtig für unsere Energieversorgung“, sagt Apotheker Michael Dickmeis. Es ist der wichtigste Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), der auch den Sauerstoff in die Körperzellen transportiert.

Von einer Eisenmangelanämie spreche man, wenn der Hämoglobin-Wert unter dem Sollwert liege. Dieser sei je nach Lebensalter und Geschlecht verschieden. „Dann ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen“, so der Fachmann aus der Sonnen-Apotheke. Es gilt vorher anzusetzen, auf sich zu achten und in den Körper zu horchen.

Von Eisenmangel ist etwa jede fünfte erwachsene Frau betroffen. Bei Männern handelt es sich eher um eine Alterserscheinung. „Es ist ein häufiger Mangel, der zum Teil hausgemacht ist“, sagt Michael Dickmeis und nennt hier einseitige Ernährung wie eine Diät oder bestimmte Lebensformen wie Vegetarismus oder Veganismus. Andererseits können auch Stoffwechseleigenheiten eine Eisenaufnahmeschwäche verursachen.

Betroffen seien überdies Frauen mit starker Menstruationsblutung, die naturgemäß einen höheren Eisenverlust hätten, ebenso wie Schwangere und Kinder in den ersten Lebensjahren sowie in der Pubertät. Auch Menschen, die häufig Blut spenden, können einen Eisenmangel entwickeln, wenn dies nicht über die Ernährung kompensiert werde.

Eine weitere Risikogruppe seien Menschen, die Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), also Magenschutz, einnehmen. Diese führten nämlich dazu, dass der Magen nicht mehr sauer genug sei. Eisen kann so nicht mehr vollständig aufgeschlossen und aufgenommen werden.

Anfangs äußert sich ein Eisenmangel recht unspezifisch. Man fühlt sich müde, die körperliche und geistige Leistung ist ein wenig eingeschränkt. „An diesem Punkt greift der Körper seine eigenen Reserven an, um Hämoglobin zu bilden.“ Die Folge sind Erschöpfungszustände und häufige Infekte, bis hin zu Haarausfall oder Problemen mit den Nägeln, die die Betroffenen schließlich zum Arzt führen. „Zu diesem Zeitpunkt ist der Eisenmangel selbst im kleinen Blutbild auffällig“, so der Apotheker.

Ist der Hb-Wert leicht vermindert, wird zunächst versucht, das Problem über die Ernährung in den Griff zu bekommen. Um es vorweg zu nehmen und Popeye Lügen zu strafen: Spinat ist hier nicht die Lösung! Die Mär vom exorbitanten Eisenlieferanten ist mittlerweile aufgeklärt und das „verrutschte Komma“ in vielen Köpfen wieder an der richtigen Stelle. „Der klassische Eisenlieferant ist Fleisch, etwa Pute, Hähnchen, Schwein oder Rind“, so Dickmeis, der hier vor allem auf die diesbezüglich wertvollen Innereien verweist.

Bei stärkerer Minderung des Hb-Werts kommen schließlich Eisen-Präparate zum Einsatz von Brausetabletten über Tropfen bis hin zu Tabletten und Kapseln. „Das Problem ist, dass Eisen oft zu Magenbeschwerden, manchmal auch zu Geschmacksveränderungen führt“, so der Experte.

Er selbst empfiehlt sogenannte Duodenal-Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen. Hier liegt das Eisen nicht im Magen und verursacht so deutlich weniger Beschwerden. Der Nachteil: In dieser Form wird Eisen etwas schlechter aufgenommen, was aber durch eine höhere Dosierung kompensiert werden kann.

Ein Tipp des Fachmanns: „Erfahrungsgemäß kann eine Eisentherapie, bei der Eisen in Tabletten-, Tropfen- oder Kapselform zugeführt wird, durch das Schüßlersalz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) unterstützt werden“, sagt Dickmeis. Das Schüßlersalz sensibilisiere den Körper für die Eisenaufnahme und sorge für einen sicheren Transport an den Zielort.

Bei einer Eisenmangelanämie kommt auch das Thema Eiseninfusion ins Spiel. Auf diesem Weg wird der Eisenspiegel schnell nach oben gebracht. Andererseits können die negativen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock reichen.

„Heute werden sie deshalb nur noch da verabreicht, wo die orale Therapie keinen Erfolg bringt oder gar nichts anderes vertragen wird.“

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