Kopfzangen und Beckenknochen

Die Medizinhistorischen Sammlungen der Würzburger Universität sollen erfasst und digital zugänglich gemacht werden

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Kopfzange von Adam Elias von Siebold, 1802, Medizinhistorische Sammlungen Würzburg. Foto: Karen Nolte

Zimperlich durften Patienten nicht sein bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Denn als die Narkose noch nicht erfunden war, wurden Patienten nicht selten bei vollem Bewusstsein operiert.

Der Leidensdruck musste entsprechend hoch sein oder aber das Leben des Patienten auf dem Spiel stehen, entschied er sich, entschieden sich Ärzte für eine Operation. Etwa wenn hühnereigroße Harnsteine – in früheren Zeiten verursacht durch viele Hülsenfrüchte und den häufigen Genuss von Alkohol – dramatische Schmerzen verursachten.

Wie Operationen dann aussahen, vermitteln die Medizinhistorischen Sammlungen der Universität Würzburg. Seit Herbst 2016 werden die Bestände systematisch erfasst, verantwortlich zeichnet Dr. Karen Nolte, Akademische Rätin am Institut für Geschichte der Medizin in Würzburg.

Zu den Sammlungen zählen unter anderem rund 800 chirurgische Instrumente vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert sowie geburtshilfliche Instrumente des 18. und 19. Jahrhunderts der Universitätsfrauenklinik Würzburg.

In der Würzburger Sammlung befinden sich zum Beispiel Instrumente zur chirurgischen Öffnung und anschließenden Fixierung des Schädels. „Immerhin zirka ein Drittel der Patienten überlebte wohl eine Öffnung des Schädels und wäre sonst gestorben“, sagt Nolte. Nicht unbedeutend in der Lehrsammlung sind sieben gut erhaltene Osteotome unterschiedlichen Typs, das sind Werkzeuge zum Durchtrennen von Knochen.

Entwickelt wurden sie von Bernhard Heine (1800 – 1846) in Würzburg. Statt mit Hammer und Meißel konnte nun – etwa bei der Öffnung der Schädeldecke – mit einer Scheibensäge gearbeitet werden, die Tiefe der Bohrung war einstellbar. Auch in der Geburtshilfe trieb ein verändertes Berufsbild die Entwicklung medizinischer Instrumente voran.

Ärzte wollten sich jetzt von Hebammen abgrenzen. Wesentlicher Abgrenzungsmoment: die Geburtszange, deren Entwicklung auf den Chirurgen Peter Chamberlen (1560 – 1631) zurückgeht. Dass die Zahl der Entbindungen mit Geburtszangen extrem hoch war, lag nicht zuletzt daran, dass das Ziehen während der Kontraktion geübt werden musste. 1805 eröffnete auch in Würzburg ein Entbindungsklinikum, das zugleich als Ausbildungsstätte für Hebammen und Medizinstudenten diente.

Die Sammlung der Universitätsfrauenklinik besteht laut Nolte zu großen Teilen aus Geburtszangen.
Und wie geht es mit den Sammlungen – über die Erfassung hinaus – weiter? Inzwischen wurde ein Förderantrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestellt.

Geplant sind laut Nolte eine Ausstellung sowie die Erstellung von Lehrkonzepten unter dem Motto „Insight. Signaturen des Blicks – Facetten des Sehens“.

Alle Sammlungen sollen auf einem Webportal vorgestellt und öffentlich sichtbar gemacht werden.

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