Die Grammatik der Gefühle

„Gefühle brauchen keine Gründe, haben aber Wirkungen“, sagen die Diplom-Pädagogen Dr. Udo Baer und Dr. Gabriele Frick-Baer

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„Bei Gefühlen gibt es kein richtig oder falsch“, betonen die erfahrenen Therapeuten Dr. Udo Baer und Dr. Gabriele Frick-Baer. Für unser Innerstes gäbe es keine objektivierbare Messlatte, Gefühle seien radikal subjektiv, so die Diplom-Pädagogen. Je intensiver wir versuchen Gefühlen mit dem Verstand beizukommen, desto heftiger entziehen sie sich dessen Koordinatensystems – das sei die Grammatik der Gefühle.

„Gefühle sind nicht messbar, nicht vergleichbar, nicht quantifizierbar. Gefühle sind von ihrem Wesen her maßlos!“ Diese Widersprüchlichkeit zwischen dem maßlosen Charakter der Emotionen in unserem Innern und den sozialen Normen und Erwartungen der Außenwelt stellt uns täglich auf die Probe, bisweilen auf eine Zerreißprobe. „Gefühle brauchen keine Gründe“, sagen die Autoren, „haben aber Wirkungen“ – schon wieder eine neue Herausforderung für unsere Ratio.

Ziel von Logik ist es, bestimmbare Ursachen mit eindeutigen Folgen zu verknüpfen. Das funktioniert hier nicht! Gefühle sind irrational. Sie ordnen sich demzufolge nicht der Logik des „Entweder-oder“ unter, sie lieben das „Sowohl-als-auch“. Und sie fordern das „Und“.

„In der emotionalen Grammatik schließen sich Gegensätze nicht aus, sondern bedingen sich oftmals“, so der Vorsitzende der Stiftung „Würde“, Dr. Baer. Liebe und Hass sind hier gute Beispiele. Wenn man dann noch bedenkt, dass Frauen hauptsächlich auf der emotionalen Ebene kommunizieren und Männer auf der faktischen, erahnt man so langsam, von wie vielen Dimensionen wir hier sprechen.

Kann man der Sache, sprich Gefühlen, Herr werden? Ist es überhaupt wünschenswert, Gefühle messen, zählen und wiegen zu können? Reicht es nicht aus zu fühlen ohne zu verstehen? „Es gibt kein Dürfen oder Nichtdürfen bei Gefühlen“, so Dr. Gabriele Frick-Baer.

Gefühle leben in ihrer eigenen Welt, sie sind autonom und autark, ob es den gesellschaftlichen Konventionen gefällt oder nicht. Sie sind verwirrend, paradox und sie befördern uns manchmal ganz nah an den Abgrund, von dem wir nicht wissen, ob das Seil, das über die Schlucht gespannt ist, trägt oder nicht.

Und da kommt eines der schwierigsten Gefühle ins Spiel: das Vertrauen … und um mit Martin Luther King zu schließen: „Vertrauen bedeutet den ersten Schritt zu tun, auch wenn du die Treppe noch nicht ganz sehen kannst!“

Feel free!

Quelle: Udo Baer/Gabriele Frick-Baer: Das große Buch der Gefühle, Beltz Verlag Weinheim und Basel 2015

Udo Baer/Gabriele Frick-Baer: Das große Buch der Gefühle, Beltz Verlag Weinheim und Basel 2015, ISBN 978-3-407-85846-7, Preis: 22,95, www.beltz.de

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