Wo sind die Langerhans-Inseln?

Die Bauchspeicheldrüse: Prof. Dr. Wolfgang Scheppach klärt auf

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Prof. Dr. Scheppach: „Bauchschmerzen können viele Ursachen haben…ob es sich dabei um eine Pankreatitis handelt, kann man in der Regel leicht anhand der dafür typischen Blutwerte (Erhöhung der Lipase und Amylase im Blutserum) diagnostizieren!“
Foto: Krankenhaus Juliusspital Würzburg

Wäre ich jetzt bei „Wer wird Millionär?“ und Günther Jauch würde die Millionenfrage stellen: „Wo befinden sich die Langerhans-Inseln?“, würde ich zwar die Malediven ausschließen und auf „irgendwo im Körper“ tippen. Aber zur Absicherung würde ich den Publikumsjoker verbraten, mir einen Mediziner aussuchen, und auf dessen Antwort setzen.

Für alle, denen es genauso geht, und die sogar die Malediven noch in der engeren Wahl haben, hält Prof. Dr. Wolfgang Scheppach, seines Zeichens Gastroenterologe, die richtige Antwort bereit: „Die Langerhans-Inseln sind Zellen des endokrinen Teils der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Entdeckt im Jahr 1869 vom Mediziner Paul Langerhans, gehören sie zum Hormonsystem des Körpers. Sie produzieren Insulin und weitere Hormone (unter anderem Glucagon), die sie direkt ins Blut abgeben.“

Ein gesunder Erwachsener hat etwa eine Million Langerhans-Inseln, die dennoch nicht mehr als ein bis zwei Prozent der Pankreasmasse ausmachen. Neben der endokrinen Funktion, die hauptsächlich den Blutzucker reguliert, hat die Bauchspeicheldrüse auch eine exokrine Funktion: Sie gibt Bauchspeichel (Pankreassaft), der für die Verdauung zuständig ist, in den Darm ab.

Zum Team hier gehören verschiedene Enzyme wie Proteasen, die Eiweiße verdauen, Lipase, die Fette spaltet und α-Amylase für die Kohlenhydratverwertung. Lipase und Amylase seien auch die Marker im Blut, die bei wenigstens dreifacher Erhöhung in Verbindung mit Bauchschmerzen auf eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (akute Pankreatitis) hindeuteten, weiß der Ärztliche Direktor des Juliusspitals Dr. Scheppach.

Diese Blutuntersuchung erfolge vornehmlich bei Patienten, die über starke Oberbauchschmerzen klagten, die typischerweise gürtelförmig in die Flanken ausstrahlten, so der Internist.

Duodenum, Pankreas
depositphotos.com/©Alexilus

„Verlaufsformen der akuten Pankreatitis gibt es von ganz milde bis zu Auswüchsen mit tödlichem Ausgang“, betont Scheppach. Bei leichter Entzündung schwelle die Bauspeicheldrüse an und auch wieder ab, wenn man den Patienten ein paar Tage nur Tee trinken und ansonsten nüchtern lasse. Die nekrotisierende Verlaufsform, bei der sich das Pankreas selbst verdaue, könne schon anders ausgehen!

Trigger für eine akute Pankreatitis sind neben Alkoholkonsum vor allem Gallengangssteine, sagt der Mediziner.

Der Chefarzt der Gastroenterologie und Rheumatologie im Krankenhaus Juliusspital in Würzburg grenzt die akute (zirka 40 Fälle im Juliusspital im Jahr) ganz klar von der chronischen Pankreatitis ab (rund 20 Fälle im Juliusspital im Jahr). Letztere tritt statistisch meist (aber nicht nur) im Zusammenhang mit chronischem Alkoholkonsum auf.

Hier steht der Verlust der exokrinen Bauchspeicheldrüsenfunktion im Vordergrund, der zur Abmagerung infolge der reduzierten Verdauungsleistung, unspezifischen Beschwerden (Blähungen, Völlegefühl, Durchfall) oder chronischen Schmerzen führen kann. Für beide Verlaufsformen gäbe es auch genetische Prädispositionen.

Während eine chronische Pankreatitis mit erhöhtem Krebsrisiko einhergehe, führe eine akute Bauspeicheldrüsenentzündung nicht zu einem Tumor. Während Pankreatitis eine Erkrankung des exokrinen Teils ist, ist die häufigste Erkrankung des endokrinen Teils der Bauchspeicheldrüse die Zuckerkrankheit mit Verlust der Inselzellen (Diabetes mellitus Typ 1).

Und jetzt nichts wie los, anmelden… bei Günther Jauch!

Das Interview mit dem Gastroenterologen Prof. Dr. Wolfgang Scheppach führte Lebenslinie-Chefredakteurin Susanna Khoury.

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