Wenn die Knochen zu brechen drohen

Mit einem gesunden Lebensstil lassen sich laut Prof. Dr. Franz Jakob die Risikofaktoren von Osteoporose minimieren

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Professor Dr. Franz Jakob empfiehlt Patienten, die ein Osteoporose-Risiko haben, durch Bewegung, gesunde Ernährung und Minimierung der Risikofaktoren, der Knochenkrankheit entgegenzuwirken. Foto: Michaela Schneider

Sechs bis sieben Millionen Frauen in Deutschland und etwa eine Million Männer leiden an Osteoporose. Viele Menschen wissen noch nicht einmal um ihr erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken.

Osteoporose macht den Knochen anfälliger für Brüche. Neben genetischen Ursachen und dem Alter spielt bei dieser Erkrankung auch die Lebensweise eine wichtige Rolle. Einer, der sich intensiv mit Osteoporose beschäftigt, ist Prof. Dr. Franz Jakob, Leiter des Orthopädischen Zentrums für Muskuloskelettale Forschung (OZMF) an der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus (KLH) Würzburg. Am KLH angesiedelt ist ein Osteologisches Schwerpunktzentrum.

Die Gruppe derer, die an Osteoporose in jungen Jahren erkranken, ist klein. Die Ursachen dafür werden derzeit in einer bundesweiten Studie untersucht, an der die Forscher im KLH beteiligt sind. Heikle Phase für Frauen ist laut Prof. Jakob vielmehr die Menopause, durch den Hormonverlust können in kurzer Zeit mehr als zehn Prozent der Knochendichte verloren gehen.

Männer erkranken im Schnitt zehn Jahre später. Ursachen sind hier eher der Lebensstil und Begleitkrankheiten. Der Mediziner nennt Genussgifte, allen voran Nikotin, Alkohol und Bewegungsmangel.

„Knochen sind extrem anpassungsfähig, bestes Beispiel ist ein Weltraumaufenthalt. Bei Astronauten geht in kurzer Zeit ein drastischer Anteil an Muskeln und Knochen verloren“, erklärt Jakob.

Wichtig sei es daher, die Schnellkraft zu trainieren – etwa durch Sportarten wie Aerobic oder Sprung-Ballspiele. 10.000 Schritte am Tag nennt er als „gute Daumen-Richtschnur“ zur Prävention von Muskelverlust und Erhalt der Beweglichkeit im Alter. Kommen im Alter andere Krankheiten hinzu, die die Bewegung einschränken, steigt entsprechend das Osteoporose-Risiko.

„Unter den Hochbetagten erleidet jede zweite Frau irgendwann einen Osteoporose-Bruch“, sagt der Mediziner. Entsprechend wichtig ist das Thema Sturzprävention – angefangen beim Schuhwerk über die Minimierung von Stolperfallen in der Wohnung bis hin zu Brille, Hörgerät und ausgewählter Kleidung.

Und: Die Ernährung sollte vitamin- und kalziumreich sein, Jakob empfiehlt neben einer ausgewogenen Menge an Milchprodukten vor allem kalziumreiches Mineralwasser. Zudem kann es laut dem Mediziner in Rücksprache mit dem Arzt in vielen Fällen sinnvoll sein, Vitamin-D-Präparate einzunehmen. Hintergrund: Wichtigste Vitamin-D-Quelle ist das Sonnenlicht, deshalb kommt es vor allem in der sonnenarmen Jahreszeit zu Mangelerscheinungen.

Reicht der gesunde Lebensstil nicht aus, gibt es laut Prof. Dr. Jakob eine Hand voll neuerer Medikamente, die den Abbau des Knochens stoppen oder auch eine aufbauende Behandlung ermöglichen. Doch sind diese Therapien nicht nur sehr teuer, sondern bislang nur über einen begrenzten Zeitraum möglich, weil die Langzeitwirkung noch nicht gänzlich erforscht ist.

Osteologen in der Nähe finden sich auf der Webseite des Dachverbands Osteologie einen Osteologen (www.dv-osteologie.de). Auch geriatrische Einrichtungen und selbst einige spezialisierte Fitnessstudios bieten gute Präventionsprogramme. Schwerere Fälle können sich auch an die Osteoporose-Sprechstunde im KLH wenden (www.koenig-ludwig-haus.de), die eng mit niedergelassenen Spezialärzten zusammenarbeitet.

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