Wunsch: mehr Augenhöhe!

Beate Beyrich gehört als Selbsthilfekoordinatorin seit einem Jahr zum Team des Comprehensive Cancer Centers an der Uniklinik Würzburg

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Beate Beyrich setzt sich in der Würzburger Uniklinik für den Gedanken „Selbsthilfe“ ein. Foto: ©Pat Christ

Der Gedanke „Selbsthilfe“ greift um sich. Vor allem Gruppen, in denen sich von Krebs betroffene Menschen treffen, haben Zulauf. Über 30 onkologische Selbsthilfegruppen sind derzeit im Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken bekannt. Seit April 2018 haben diese Gruppen mit Beate Beyrich eine neue Ansprechpartnerin.

Die 65-Jährige, die selbst an Brustkrebs erkrankt war, sorgt für Vernetzung. Und sie kümmert sich um die Anliegen derjenigen, die sich in der Selbsthilfe engagieren. „Ganz groß ist der Wunsch nach mehr Augenhöhe“, sagt die Koordinatorin. Immer wieder hört sie Klagen aus der Selbst- hilfe, man werde von Ärzten und Therapeuten nicht ganz ernst genommen. Dabei wäre ein Miteinander so wichtig. Beyrich: „Ärzte haben Fach-, Patienten Erfahrungskompetenz.“

Beate Beyrich versucht, für Augenhöhe zwischen Behandlern und Selbsthilfe-Engagierten zu sorgen. Zum Beispiel durch Arzt-Patienten-Veranstaltungen. Dabei erfahren Patienten, wie Therapie-Entscheidungen getroffen werden. Ärzte wiederum hören, was Patienten jenseits von Schmerzen und Symptomen belastet. Eine Krebserkrankung, sagt Beyrich, kann sich beispielsweise massiv auf die Partnerschaft auswirken. Beate Beyrich ist inzwischen am Universitätsklinikum Würzburg bekannt, obwohl sie das neue Amt noch gar nicht lange ausübt.

Ihre offene Art macht ihr den Zugang zu Ärzten leicht. Leitern von Selbsthilfegruppen bietet sie sich als Vermittlerin an. Manchmal ist es zum Beispiel notwendig, dass ein Gruppensprecher ein Gespräch mit einem Chefarzt führt. Bis zum Chefarzt durchzudringen, das ist aber oft nicht so einfach. Beyrich nutzt ihre „heißen Drähte“ und hilft, einen gemeinsamen Termin zu finden. Zum neuen Job kam sie durch ihr eigenes Engagement in der Selbsthilfe.

Vor neun Jahren gründete Beyrich zusammen mit der ebenfalls von der Diagnose Brustkrebs betroffenen Würzburgerin Brigitte Keller die Gruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs“. Bis zu 25 Frauen kommen monatlich zusammen. Die Gruppe gilt als eine der aktivsten in Würzburgs Selbsthilfeszene. Sie schaffte es sogar, einen Krebs-Selbsthilfe-Tag an der Uniklinik zu organisieren. 2016 fand er unter dem Motto „Alles was der Seele gut tut“ erstmals statt.

Am 6. Juli 2019 wird er seine dritte Auflage erleben. Zum ersten mal wird der Tag von Beate Beyrich in ihrer Funktion als Selbsthilfekoordinatorin organisiert. Die Hauptreferentin steht schon fest: Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, wird zum Thema „Glaube“ sprechen. Beyrich: „Dabei geht es um den Glauben an sich.“ Der sei nämlich nach einer Krebsdiagnose erschüttert: „Und ist manchmal ganz weg.“ Der Tag selbst unter dem Motto „Alles was der Seele gut tut – Medizin trifft Seele“ wird diesmal nicht im Zentrun für Operative (ZOM), sondern bei den Oberzeller Franziskanerinnen stattfinden.

Als Selbsthilfekoordinatorin vermittelt Beyrich Krebskranken sowie deren Angehörigen auch Methoden, wie sie mit dem Leiden besser umgehen können. Unlängst bot sie eine „Kleine Auszeit“ mit Achtsamkeitsübungen und Kurzmeditationen an. Ab 2019 soll es „Heilsames Singen“ in der Uniklinik geben. Vera Kimmig von der bundesweiten Initiative „Singende Krankenhäuser“ erläuterte kürzlich in Würzburg, worauf Leiter von „Heilsamen Singgruppen“ achten müssen.

Spätestens 2020 soll eine Theatergruppe starten. Dafür hat die Koordinatorin bereits eine Theaterpädagogin an der Hand. Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sollen durch die Mittel des Theaters die Möglichkeit erhalten, ihre Krankheit zu verarbeiten.

Der nächste Krebs-Selbsthilfe-Tag„Medizin trifft Seele“ findet am 6. Juli bei den Oberzeller Franziskanerinnen im Kloster Oberzell statt. Referentinnen sind Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen und Dr. Claudia Löffler, Onkologin im Universitätsklinikum Würzburg. Für Essen, das der Seele gut tut, sorgt wie schon in den Jahren zuvor Sternekoch Bernhard Reiser, www.ukw.de.

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