Was kann Schröpfen?

Die Physiotherapeutinnen Renée und Laura Sielemann erklären eine ausleitende Therapie

0

„Schröpftherapien fanden vermutlich bereits vor 5.300 Jahren statt“, sagen Renée und
Laura Sielemann. „Durch die aufgesetzten Gläser soll bei Kranken das gestörte Gleichgewicht der Körperflüssigkeiten wiederhergestellt werden.“ Schröpfen gilt als eines der ältesten Therapieverfahren mit Apparaten. Foto: ©depositphotos.com/@SimpleFoto

„Blutiges und unblutiges Schröpfen ist ein fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin und stellt eine der wichtigsten Reiztherapien dar“, sagt die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V.¹ Darüber hinaus sei Schröpfen bereits im Altertum, im alten Ägypten, im Griechenland der Antike und in verschiedenen traditionellen Medizinsystemen Afrikas und Südamerikas angewandt worden. Auch die moderne Wissenschaft befasst sich wieder mit dieser ausleitenden Therapie. Zuletzt konnte eine gemeinsame Studie des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Duisburg Essen und der Carstens-Stiftung erstmals die klinische Wirksamkeit des Schröpfens belegen.² Im konkreten Fall ging es um die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens beim Karpaltunnel-Syndrom.

Doch was ist Schröpfen eigentlich? „Kleine Gläser auf der Haut sollen mittels Unterdruck Verspannungen lösen und Schmerzen lindern“, erklären die Physiotherapeutinnen Renée und Laura Sielemann. Die glockenartigen Gläser würden mit Hilfe von Unterdruck, welcher durch Erhitzen oder Absaugen der Luft entsteht, auf die betroffenen Hautstellen gebracht. „So wird die Durchblutung angeregt und muskuläre Verhärtungen werden gelöst“, so die Therapeutinnen mit eigener Praxis in Oberdürrbach. Die Schröpfkopfmassage erziele – gegenüber der klassischen Massage, bei der mit Hilfe von Öl die betroffenen Stellen bearbeitet würden – eine stärkere durchblutungsfördernde Wirkung.

Die Anwendungsbereiche für das Schröpfen sind vielfältig. Laut den beiden Expertinnen komme seine schmerzlindernde und durchblutungsfördernde Wirkung vor allem bei Muskelverspannungen zum Einsatz. Aber auch bei Erkältungen mit Husten, Menstruationsproblemen und Rückenschmerzen könne Schröpfen helfen. Sie sagen aber auch: „Schröpfen ist kein Allheilmittel und wird oft zur Ergänzung von anderen Therapien eingesetzt.“ So aktiviere zum Beispiel das Schröpfen am Rücken Reflexzonen, „die in enger Beziehung zu inneren Organen stehen und auf diese einwirken“. Genauer gesagt werde das Bindegewebe über den äußeren Reiz des Schröpfglases verstärkt durchblutet und damit das korrespondierende Organ stimuliert. Im Fachjargon werde das als „Head‘sche Zone“ bezeichnet. Das meint Hautzonen, die mittels Nerven eine Verbindung zu bestimmten Organen haben.

Es gäbe jedoch auch Kontraindikationen beim Schröpfen: Es dürfe etwa nicht angewendet werden bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente oder bei Patienten mit Wundheilungsstörungen. Wird eine Schröpfbehandlung nicht sachgerecht ausgeführt, kann es zudem zu Symptomverschlechterungen kommen, so die erfahrenen Therapeutinnen Renée und Laura Sielemann.

Quellen: ¹https://www.daegfa.de/Patient,ePortal/Akupunktur.Schroepfen.aspx,
²https://www.carstens-stiftung.de/artikel/schroepfen-klinische-wirksamkeit-erstmals-
belegt.html

Teile.