Von Frau zu Frau

Aromaexpertin Anusati Thumm über die Kraft ätherischer Öle, wenn Hormone aus dem Takt geraten

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Anusati Thumm ist eine international tätige Seminarleiterin. Seit mehr als 30 Jahren gibt sie ihr Wissen über ätherische Öle weiter. Foto: A. Thumm ©Primavera Life GmbH

Das „Hormonorchester“ der Frau spielt mal laut und mal leise. Irgendwann versiegt es ganz. Vorher macht es aber nochmal so richtig Tumult – etwa in den Wechseljahren. Lebenslinie wollte von Aromaexpertin und Buchautorin Anusati Thumm wissen, welche ätherischen Öle sie im Klimakterium empfehlen würde, warum Muskatellersalbeiöl als „Frauenöl“ gehandelt wird oder welche ätherischen Öle noch hormonell ausgleichend wirken können.

Lebenslinie (LL): Was kann Aromatherapie für die Frau tun?
Anusati Thum (AT): „Ätherische Öle wirken über die Nase direkt auf unser limbisches System im Gehirn, in dem unter anderem der Hormonhaushalt durch den Hypothalamus und die Hypophyse reguliert wird. Natürliche Düfte können eine verstärkte Ausschüttung von Botenstoffen wie Serotonin, Endorphin, Enzephalin oder Noradrenalin hervorrufen. Die vermehrte Produktion dieser sogenannten Neurotransmitter kann in hormonell herausfordernden Phasen – entweder vor oder während der Menstruation oder im Klimakterium – hilfreich sein, da sie die Stimmung positiv beeinflussen. Der Hypothalamus ist – bildlich ausgedrückt – die oberste Hormonschaltzentrale und reguliert sowohl unser Geschlechtshormonsystem als auch unsere Anpassungsfähigkeit an Stress.“

LL: Warum können ätherische Öle ausgleichend auf den Hormonhaushalt wirken?
AT: „Ätherische Öle können den Hormonhaushalt ausgleichen, da sie eine direkte Wirkung auf den Hypothalamus haben. Der Hypothalamus reguliert wiederum die Hypophyse und das vegetative Nervensystem. Ätherische Öle sind also natürliche Unterstützung, um Stresslevel und Hormonhaushalt, ins Gleichgewicht zu bringen. Wichtig zu wissen ist, dass ätherische Öle keinen pflanzlichen Hormone wie etwa Phytoöstrogene enthalten, sondern lediglich indirekt über die Hypophyse ausgleichend auf unser Hormonsystem wirken.“

LL: Muskatellersalbeiöl wird oftmals als „Frauenöl“ gehandelt. Was ist das für eine Pflanze? Und in welchen Situationen ist Muskatellersalbei für Frauen gut?
AT: „Der Muskatellersalbei war eine der wichtigsten heiligen Pflanzen der Kelten, die mit dem leicht psychoaktiven Heilkraut die berauschende Wirkung von alkoholischen Getränken verstärkten. Im Mittelalter wurde der Muskatellersalbei auch ‚das klare Auge‘ genannt. Das ätherische Öl wird aufgrund seiner hormonausgleichenden, östrogenartigen und krampflösenden Wirkung in der Naturheilkunde als Mittel für vielfältige Frauenbeschwerden eingesetzt. Der krautige Duft wirkt angstlösend, hebt die Stimmung, schenkt Kraft und eignet sich gut zum Loslassen. Er ist zudem für seine aphrodisierende Wirkung bekannt und wird vielfach als euphorisierend und anregend beschrieben.“

LL: Welche Öle sind darüber hinaus noch „Frauenöle“ (hormonell ausgleichend) beispielsweise in der Pubertät, bei PMS oder starken Menstruationsbeschwerden?
AT: „Weitere hormonell ausgleichende Öle bei PMS und in der Pubertät sind etwa Rosengeranie, Ylang Ylang, Jasmin, Rose, Vetiver. Bei starken Menstruationskrämpfen eignet sich wiederum Muskatellersalbeiöl, da es gute krampflösende Eigenschaften mitbringt. Auch empfehlenswert im heißen Bad oder als Baucheinreibung sind Majoran, römische Kamille, Ylang Ylang. Dosierung für ein Vollbad: Fünf Tropfen Muskatellersalbei und fünf Tropfen Ylang-Ylang mit zwei Esslöffel Sahne oder Milch emulgieren, dann ins Badewasser geben. Dann 15 bis 20 Minuten genießen.

Das Interview mit Anusati Thumm, Aroma-Expertin und Buchautorin, führte Lebenslinie-Chefredakteurin Susanna Khoury

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