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Neues Netzwerk für Diagnostik bei Schädel-Hirn-Traumata. Beteiligt ist auch Neurochirurg Professor Ernestus

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Professor Dr. Ralf-Ingo Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen
Klinik und Poliklinik sowie Stellvertretender
Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: Prof. Ernestus ©Annemarie Götz / Universitätsklinikum
Würzburg

Kontaktsportarten wie etwa Eishockey, Fußball oder American Football können rasch zu einer Gehirnerschütterung führen. Das Risiko dieser leichten Schädel-Hirn-Verletzungen wird jedoch nicht selten unterschätzt. In Deutschland wurden im Jahr 2016 einer Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zufolge rund 44.000 Gehirnerschütterungen behandelt¹.

Mediziner wie Professor Dr. Ralf-Ingo Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Stellvertretender Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Würzburg, gehen allerdings davon aus, dass zwischen 40 und 50 Prozent weitere Fälle übersehen werden. Bedenklich sei dies gerade im Hochleistungssport, denn das Risiko
von Spätfolgen steige mit zunehmender Zahl sogenannter Concussions, so der Professor.

In Würzburg wurde deshalb Ende letzten Jahres ein Netzwerk zur Diagnostik und Behandlung von Kopfverletzungen im Sport gegründet, das „Concussion Center Nordbayern-Würzburg“. Neben der Neurochirurgie waren an der Gründung auch die Fächer „Unfallchirurgie“ und „Neuropsychologie“ beteiligt. „Andere Disziplinen, zum Beispiel Neurologie, Neuroradiologie oder Augenheilkunde, können bei Bedarf hinzugezogen werden“, sagt Professor Ernestus.

Ein Ziel der Zusammenarbeit sei es, länger andauernde Verletzungsfolgen so früh wie möglich zu erfassen und entsprechend zu behandeln. Was aber ist das eigentlich – eine Gehirnerschütterung? Dabei handele es sich um einen komplexen pathophysiologischen Prozess, der durch eine direkte oder indirekte Einwirkung mechanischer Kräfte auf den Kopf und das Gehirn entstehe, erläutert der Neurochirurg. In Folge erleidet der Verletzte eine kurzzeitige, in der Regel weniger als 30 Minuten andauernde Bewusstseins- oder Orientierungsstörung.

Mediziner gehen heute davon aus, dass es schon bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma zu einer Störung der sogenannten axonalen Organisation kommen kann. Und die kann wiederum eine Schwellung und Degeneration von Nervenzellen und -fasern nach sich ziehen. Vor allem braucht es bei erlittener Gehirnerschütterung laut Professor Ernestus geistige und körperliche Ruhe. Der Neurochirurg empfiehlt zudem ausreichend Schlaf, Spaziergänge im Grünen sowie möglichst wenig Zeit am Computer oder Handy.

Meist trete dann eine Erholung innerhalb weniger Tage ein. Was indes genau falsch ist, doch allzu oft geschieht: Der Sportler spielt trotz Schädel-Hirn-Verletzung direkt weiter. Durch die Verletzung könne es zu Störungen der Aufmerksamkeit, des räumlichen Sehens und der Koordination kommen – und damit erhöhe sich die Gefahr eines weiteren Traumas mit unter Umständen wesentlich schwereren Folgen. „Dann kann es zu Stoffwechselstörungen mit Ablagerungen von Proteinen kommen, die sehr wahrscheinlich zur Entwicklung demenzieller Syndrome beitragen“, erklärt Ernestus. Hier erhoffen sich die Mitglieder des neuen Netzwerks durch eine systematische Erfassung und Auswertung entsprechender Befunde weiterführende Erkenntnisse.

Quelle: ¹www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2016/10/kopfverletzungen-unterschaetzte-gefahr-fuer-sportler.html

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