Schwindelfrei bleiben

Geriater Dr. Schwab weiß, warum ältere Menschen aus dem Gleichgewicht zu bringen sind

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„Man kann trainieren, schwindelfrei zu bleiben“, sagt Dr. Schwab. Er setzt dabei auf Asanas aus dem Yoga. Foto: Susanna Khoury

Schwindel (Vertigo) ist streng genommen keine Erkrankung, sondern ein Symptom einer Störung im Körper, die mannigfache Ursachen haben kann.

„Diese reichen von fehlerhaften Daten, geliefert von den Augen über altersbedingte Durchblutungsstörungen, die oftmals zu einer Unterversorgung der feinen Kapillaren im Gehirn führen, bis hin zu einem erkrankten oder ausgefallenen Gleichgewichtsorgan im Innenohr, das auch der „Übeltäter“ sein kann (vestibulärer Schwindel)“, zählt Geriater Dr. Michael Schwab nur einen Bruchteil der möglichen Ursachen von Schwindel auf.

Bei akutem Schwindel, den man sich selber nicht erklären kann, solle man unverzüglich zum Arzt oder in die Notaufnahme, ebenso bei Schwindel in Verbindung mit Doppelbildern, so der Chefarzt des Würzburger Geriatrie-Zentrums im Bürgerspitals. Bei chronischem Schwindel dessen Ursache man nicht kennt, sei beispielsweise die so genannte Schwindel-Ambulanz eine gute Adresse. Hier werde, so Schwab, erst einmal ausführlich mit den Patienten gesprochen.

90 Prozent der Schwindelursachen seien aus dem Gespräch ableitbar. Körperliche Untersuchungen, sowie Tests ergänzen dann die Diagnose etwa in der Schwindel-Ambulanz des Geriatrie-Zentrums, die an die Servicestelle „Sturzprävention“ angeschlossen ist. Denn, wem oft schwindelig ist, der neige auch dazu, zu stürzen, was im Alter oftmals eine Abwärtsspirale in Gang setze, betont Dr. Schwab.

Schwindel entstehe, wenn das Gehirn einen Widerspruch zwischen verschiedenen Informationen ausmacht und der Betroffene etwa Scheinbewegungen zwischen sich und der Umwelt wahrnimmt, so der Internist. Augen, Rezeptoren in den Muskeln und das zuständige Organ im Innenohr melden dem Gehirn divergierende Informationen und das Zentralorgan konstatiert dann, im wahrsten Sinne des Wortes, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Nicht pathologisch ist Schwindel, wenn man gerade Karussell fährt oder den ein oder anderen Schoppen zu viel getrunken hat und sich deswegen schwindelig fühlt. Mit dem Absteigen vom Karussell oder beim Alkohol spätestens am nächsten Morgen, hat sich das Symptom „Schwindel“ dann wieder erledigt. Manchmal würde chronischer Schwindel von alleine vergehen, wenn nicht komme man nur mit einer gründlichen Untersuchung auf die Ursachen, weiß Dr. Schwab.

„Während bei Kindern in der Pubertät Schwindelursachen meist leicht zu ermitteln sind, sieht es bei „fortgeschrittenen Jungen“ anders aus. Im Alter laufen oft mehrere Systeme nicht mehr hundertprozentig rund und dann beginnt mit der Suche nach der Schwindelursache das Fahnden nach der Nadel im Heuhaufen“, so Schwab.

Die in Kooperation mit vier Doktorarbeiten am Geriatrie-Zentrum entstandene Würzburger Gleichgewichtsstudie belegte, dass 30 Prozent der 50- bis 60-jährigen (1200 Probanden wurden befragt), Defizite beim Gleichgewicht aufwiesen.

„Das zeigt ganz klar auf“, so Michael Schwab, „dass man sich ab 50 entscheiden muss, nehme ich hin, dass mein Körper an Funktionen verliert oder investiere ich in „Körperpflege“?“ Der Slogan „Use ist or loose it!“ („Gebrauche es, oder verliere es!“) gilt hier genauso wie „use it and proove it!“ („Gebrauch es, und verbessere es!“), weiß der Altersmediziner aus langjähriger Erfahrung.

Schwindelfrei bleiben, könne man trainieren. Ebenso gäbe es Übungen zur Sturzprophylaxe. Techniken wie Yoga, Tai Chi oder Qigong seinen ebenfalls probate Mittel im Alter fit durch den Alltag zu kommen und diesen selbstständig zu meistern.

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