Schritte zu besserer Gesundheit

Wandern hat sich auf den Weg gemacht vom einst antiquierten Seniorenhobby zum altersübergreifenden Trendsport

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Foto: ©depositphotos.com/@Maridav

Wenn der gemeine Steinzeitmensch an Nahrung kommen wollte, so lief er oft viele Kilometer am Tag. Schon Abertausende von Jahren zählt Laufen zu den elementarsten Fähigkeiten des Menschen. Doch in einer Zeit voller Autos, Zügen oder E-Bikes ist daraus ein Hobby geworden, das sich häufig dem Vorurteil aussetzen muss, eintönig und ersetzbar zu sein. Der Deutsche Wanderverband (DWV) argumentiert fleißig dagegen und wirbt für die heilende Wirkung des Bewegens in der Natur.¹

Schon ein kurzer Blick auf die Hintergründe zeigt: Die Begeisterung des Verbandes kommt nicht von ungefähr und tatsächlich ist Wandern auf einem guten Weg, vom einst antiquierten Seniorenhobby zum altersübergreifenden Trendsport zu avancieren. Knapp 1,3 Millionen Mitglieder zählt der Deutsche Alpenverein (DAV), Tendenz steigend². Die Vorteile ihrer Verpflichtung für die Natur und den eigenen Körper liegen klar auf der Hand, auch für Dr. Henry Boesler, Sportmediziner mit Praxis in Bamberg: „Wandern koppelt die Stärkung des Immunsystems durch moderate sportliche Belastung mit innerer Einkehr“.

Kein Wunder, schließlich führt eine Wanderung zur Begegnung mit der Natur, für viele ein Ort der Ruhe und der Sinnfindung. So entfalte sich ein Wohlfühleffekt für Körper und Psyche. Dank dieser allumfassenden Wirkung auf den Menschen findet Wandern auch als Therapieform Verwendung, mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Als das Salzburger Universitätsklinikum für Psychiatrie 1 2012 im Rahmen einer Studie 17 Suizidpatienten innerhalb von neun Wochen zwei bis dreimal wöchentlich eine Wanderung in den Salzburger Alpen unternehmen ließ, nahmen die Depressionen und Angstzustände der Teilnehmer spürbar ab³. So gelang wie beiläufig eine Stärkung der Psyche.

Gleiches gelte für den gesamten Bewegungsapparat, Knochen, Muskeln und Bänder.⁴ Ein weiterer Vorteil: Der Materialaufwand ist vergleichsweise gering. Auch wenn das Angebot an Funktionskleidung, Schuhen, Stöcken und Rucksäcken riesig sei und der Kauf hochwertiger Produkte sich gerade bei längeren Touren lohnen könne, brauche es zum Wandern nicht viel, meint Dr. Boesler.

„Natürlich sollte man gutes, erprobtes Material wählen, dass keine Beschwerden wie etwa Blasenbildung verursacht, doch im Allgemeinen wird die Ausstattung überbewertet. Weniger ist oft mehr, letztlich zählt der Bewegungsgedanke.“ Kombiniert man die reine Fortbewegung mit leichten gymnastischen Übungen zwischendurch, gelangt man zum Konzept des „Gesundheitswanderns“, welches der DWV ausgerufen hat. Das Ergebnis einer ersten Untersuchung, durchgeführt vom Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung der Universität Halle-Wittenberg, liest sich gut.

Die Teilnehmer der 2012er-Studie verbesserten sich in Sachen Ausdauer, Bluthochdruck und Koordination. Auch die Herzfrequenzen verringerten sich durch die regelmäßige Bewegung dieser Art, mit der Folge eines niedrigeren Anstrengungsempfinden⁵. „Ja, Wandern ist gesund. Schon moderate Touren stärken Herz-Kreislauf-System sowie den Fett- und Zuckerstoffwechsel,“ so Uni Halle-Wittenberg.

Und man höre und staune: Wandern mache alt wie jung richtig Spaß!

Quellen: ¹www.gesundheitswanderfuehrer.de/text/45/de/was-ist-das-.html, ²www.alpenverein.de/der-dav/der-dav-in-zahlenfakten_aid_10232.html, ³www.wanderforschung.de/WF/gesundwandern/wandern-in-der-therapie.html, ⁴Morris JN, Hardman AE, “Walking to Health”; SportsMed, 23, 1997, ⁵Deutscher Wanderverband: Pressemitteilung 10. Ergebnisse Studie Gesundheitswandern. Kassel, 25.04.2012.

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