Schablonen verbieten sich

Gendermedizin berücksichtigt Unterschiede zwischen Mann und Frau

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Frauen leben in vielerlei Hinsicht in einer etwas anderen Welt als Männer. Das betrifft das Emotionale. Die Kommunikation. Vor allem aber auch die Gesundheit. „Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten, die bei Frauen und Männern unterschiedliche Symptome zeigen“, sagt Prof. Dr. Marie Christine Dabauvalle vom Projekt „Gendermedizn“ der Uni Würzburg. Aber auch die Häufigkeit bestimmter Krankheiten, Risikofaktoren sowie Therapien seien sehr oft unterschiedlich. Wegen der andersartigen Symptome werden Krankheiten leicht verwechselt.

Das bekannteste Beispiel hierfür sei der Herzinfarkt. „Äußerst typische Symptome sind hier starke Schmerzen, überwiegend im Brustbereich, die in den linken Arm ausstrahlen“, erläutert die Wissenschaftlerin aus dem Biozentrum. Bei Frauen seien die Anzeichen oft weniger eindeutig: „Sie äußern sich bisweilen in Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Atemnot oder Schmerzen, die in den Nacken oder Kiefer ausstrahlen.“ Aus diesem Grund würden häufig die Fehldiagnosen „Magen-“ oder „Rückenbeschwerden“ gestellt. Zeigen Mädchen Essstörungen, ist es unwahrscheinlich, dass sofort der Verdacht „Autismus“ aufkommt. „Doch bei vielen Mädchen äußert sich der Autismus in Anorexie, Zwangsneurosen oder ADHS“, so Professor Dabauvalle. Meist würden die drei letztgenannten Störungen als alleinige Diagnose gestellt. Laut Dabauvalle werden Mädchen mit Autismus generell erst spät oder gar nicht diagnostiziert.

Auch bei Burn-out zeigten Männer meist typische Anzeichen wie Gereiztheit, Schlafstörungen, permanente Müdigkeit, mangelndes Interesse, Versagensgefühle oder Konzentrationsstörungen. Bei Frauen wirkt sich ein Zuviel an Anspannung oft körperlich aus: „Sie leiden unter Nacken- und Rückenproblemen, Kopfschmerzen, Erkältungen, Herz-Kreislaufstörungen und Magen-Darm-Beschwerden.“ Die Konsequenzen des Burn-outs seien ebenso geschlechterspezifisch: „Bei Frauen ist häufiger Depression die Folge, Männer dagegen greifen eher zu Alkohol und können eine Suchtproblematik entwickeln.“

Nach Schablonen zu behandeln, verbietet sich, bestätigt auch Silke Trost, die als Leiterin der Offenen Behindertenarbeit der Würzburger Diakonie behinderte Frauen berät und begleitet. „Gerade beim Schmerzempfinden scheinen große Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu bestehen“, so die Sozialpädagogin. Dies betreffe zwar zunächst Frauen mit und ohne Behinderung gleichermaßen, „jedoch haben viele Frauen mit Körperbehinderung aufgrund ihres Handicaps häufiger Schmerzen als nicht-behinderte Menschen.“

Durch dauerndes Sitzen oder Liegen etwa würden Verspannungen auftreten. „Frauen mit Behinderung scheren daher noch mal stärker aus der Reihe aus. Oft wirkt in den Frauen auch etwas quälend weiter, was in der Vergangenheit passiert ist.“ Seien doch Frauen mit Handicap besonders häufig der Gefahr von Gewalt oder Ausgrenzung ausgesetzt, so Trost.

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