Punktgenau behandeln

Heilpraktikerin Martina R. Wagner über Akupunktur

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Die erste Akupunktur-Behandlung in Europa soll
1810 stattgefunden haben. In den 1830er-Jahren wurde Akupunktur dann in Frankreich zu einer häufig angewendeten Therapieform, man könnte fast sagen zu einer Modetherapie. In Deutschland sind Akupunktur-Behandlungen seit 2007 bei
chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und
Kniegelenksarthrose Krankenkassenleistung. Bei
allen anderen Indikationen ist das „therapeutische Nadeln“ nach wie vor Selbstzahler-Leistung. Foto: ©Martina R. Wagner

„Akupunktur“ leitet sich aus den lateinischen Wörtern „acus“ (die Nadel) und „punctura“ (das Stechen) ab und ist ursprünglich eine Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der durch Nadelstiche in bestimmte Stellen des Körpers eine therapeutische Wirkung erzielt werden soll. In der TCM geht man davon aus, dass die Lebensenergie (das Qi) auf definierten Leitbahnen (Meridianen) im Körper zirkuliert und so steuernden Einfluss auf Organe und Körperfunktionen haben soll.

„Das Qi kann allerdings gestört werden“, weiß Heilpraktikerin Martina R. Wagner. „So kann Kälte als Störfaktor fungieren. Eine sogenannte Kälte-Krankheit ist etwa ein steifer Nacken, der durch Zugluft entstanden ist.“ Sowohl äußere als auch innere Einflüsse wie Kälte, Hitze, schlechte Ernährung oder emotionale Faktoren könnten das Qi beeinträchtigen, so die Therapeutin. Und da alle Meridiane miteinander verbunden seien, könne eine Störung in einem Meridian auch in den anderen Meridianen Blockaden nach sich ziehen. Und so geht man in der TCM davon aus, dass Beeinträchtigungen des Energieflusses Erkrankungen Vorschub leisten und Nadelstiche in bestimmte Akupunkturpunkte diese wieder beheben könnten.

Martina R. Wagner: „Für die Auswahl der Akupunkturpunkte werden Symptome zusammengetragen wie Gesichtsfarbe, milde oder scharfe Schweiße oder trockene respektive feuchte Haut. Zudem wird der Puls gefühlt, die Zunge und Körperausscheidungen zur Diagnostik herangezogen. Dann werden die Nadeln gesetzt, die 20 bis 30 Minuten an den speziell nach Symptomatik ausgewählten Punkten verbleiben.“ Auf diese Weise werde ein Energiemangel oder auch ein Energieüberschuss in den Meridianen wieder ausgeglichen, betont Wagner.

Die Akupunktur gilt als Regulationstherapie zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Bei fachkundiger Anwendung sei Akupunktur eine nebenwirkungsarme Behandlungsmethode, so die Heilpraktikerin. Bei bestimmten Krankheiten wie Knochenbrüchen, Sepsis, Epilepsie, Psychosen, akuten Blutungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen sei sie aber nicht die Therapie der Wahl. Auch Menschen, die dauerhaft Blutverdünner nehmen müssen oder eine Nadelphobie haben, sollten von Akupunktur Abstand nehmen.

Gute Erfolge erziele man in der Schmerztherapie, sagt Wagner, wobei die Therapieform nicht immer und nicht bei jedem helfe. „Beschwerdebilder, bei denen ich oft auf Akupunktur zurückgreife, sind. Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne. Bisweilen auch bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Schnupfen, Husten oder Asthma.“

Während akute Beschwerden in der Regel weniger Therapiesitzungen benötigten und man sogar täglich behandeln könne, so Wagner, sei bei chronischen Krankheiten eine Behandlungszeit von sechs bis 12 Wochen einzuplanen bei nur einer veranschlagten Sitzung pro Woche. Neben der Körperakupunktur gebe es noch die koreanische Handakupunktur, die Schädelakupunktur nach Yamamoto, Laserakupunktur, Akupressur, Ohrakupunktur und das Moxen, erzählt die Heilpraktikerin.

So sei das Erwärmen beispielsweise einer Nadel mittels Moxazigarre oder Moxakegel eine gute Möglichkeit, Akupunkturpunkte zusätzlich zu stimulieren. „Eine Moxazigarre ist eine Papierhülse, welche mit Beifuß-Kraut gefüllt ist. Der Kegel ist ein kleines Moxaknäuel, das auf die Nadel gesetzt und abgebrannt wird.“ Das angezündete Beifusskraut könne so eine heilungsfördernde Wärme entfalten.

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