Nach den Regeln der Natur

Baubiologe Karl-Heinz Ursprung plädiert für natürliche Dämmstoffe

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„Natürliche Materialien sind nicht nur schwerer, sie haben meist auch den besseren
dynamischen Dämmwert,“ betont Karl-Heinz Ursprung. Wer auf Nummer sicher gehen
will, dem rät der Baubiologe zum Einkauf im Fachhandel. Foto: Nicole Oppelt

„Unter Wärmedämmung versteht man Maßnahmen und Materialien an der Oberfläche eines Gegenstandes, um dessen Wärmeaustausch mit der Umgebung zu reduzieren“, heißt es in der Umweltdatenbank¹. Typischerweise gehören hier auch Gebäude dazu. In der Umgangssprache werde in diesem Zusammenhang fälschlich oft von Isolierung gesprochen.

„Aber Dämmstoffe beim Hausbau regeln nicht nur den Wärmehaushalt, sondern beeinflussen auch das Raumklima“, ergänzt der Würzburger Baubiologe Karl-Heinz Ursprung diesen Gedanken. Stehende Luft sei „der beste Wärmedämmer“. Hierzu brauche es einen Dämmstoff, der Leerräume besitze. Von „dampfdicht eingepackten“ Häusern hält er wenig – vom Einsatz künstlicher Materialien wie günstiger Glaswolle oder Styropor, die unter hohem Energieeinsatz hergestellt und verarbeitet würden und für die Gesundheit bedenkliche Stoffe enthalten können, noch weniger.

Wer bei Neubau, Ausbau oder Renovierung auf eine gesunde Wohnumwelt Wert lege, komme nicht an natürlichen Dämmstoffen vorbei: „Wir müssenden Regeln der Natur folgen und uns mit dem umgeben, was unser Organismus kennt und gleichzeitig Natur und Ressourcen schont.“ Ursprung setzt auf organische Dämmstoffe wie Flachs, Hanf oder Kork. Sie können mit offenporigen „Folien“ verbaut werden und sind trotz Feuchtigkeitseintrag von gleichbleibender Dämmqualität. Flachs zum Beispiel sei eine weltweit verbreitete Kulturpflanze und „seit Jahrtausenden Grundstoff für Lebensmittel, Farben, Leinöl, Futter und Arzneimittel“.

„Dämmstoffe aus Flachs- und Hanffasern“, so der Baubiologe, „gehören zu den dämmungsfähigsten Erzeugnissen aus nachwachsenden Rohstoffen.“ Weitere Vorteile: Sie verursachten keine Hautreizungen, hätten feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften, staubten nicht und seien gut zu verarbeiten. Die reinen Naturfasern würden der Flachsdämmplatte eine hohe Elastizität verleihen. Solche Platten würden fugenfrei, ohne zu tackern, einfach zwischen die Sparren oder Holzständer geklemmt.

Hanf ist nach Ursprungs Ansicht ein „Alleskönner“. „Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Hanf als Rohstoff für Kleidung, Papier, Öl und Medizin.“ Eingesetzt werden könne Hanf für die Wand- oder Dachdämmung. Da keine Hautreizungen zu befürchten seien, sei auch er einfach zu verarbeiten.

Besonders interessant: „Auf den Einsatz von chemischen Zusätzen gegen Insektenbefall kann verzichtet werden, weil Hanf kein Eiweiß enthält und so auf natürliche Weise gegen Ungeziefer-Befall resistent ist“, weiß der Experte. Auch beim Anbau würden weder Pflanzen- noch Insektenschutzmittel eingesetzt und so auch die Ackerböden positiv beeinflusst. Kork wiederum, der sogar verputzbar ist, steht nicht nur wegen seiner guten Wärmespeicherfähigkeit bei dem Fachmann hoch im Kurs.

„Dämmkork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen und kann später als Granulat weiterverwertet werden“, erklärt er. Alle neun bis zehn Jahre würde die Korkeiche geschält und die Rinde zu einem Korkgranulat zermahlen. Das Granulat werde dann in Formen mit heißem Wasserdampf, unter Ausnutzung des in der Rinde enthaltenen Harzes zu Blöcken gebacken.

Quelle: ¹ https://www.umweltdatenbank.de/cms/lexikon/49-lexikon-w/1174-waermedaemmung.html

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