Mein Freund, der Baum!

Birke, Fichte, Kiefer, Myrrhe, Rosskastanie oder Weide: Bäume spielen in der Klostermedizin schon lange eine wichtige Rolle

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Die Weide liefert eine Vorform der Salicylsäure, die als Wirkstoff in Schmerzmitteln wie Aspirin enthalten ist. Jedoch nur das chemische Produkt wirkt blutverdünnend. Die nachgewiesene naturheilkundliche Wirkung der Weide ist fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Foto: ©depositphotos.com/@ ViktoriaSapata

„Die Birke bezeichnet das Glück“, meinte Hildegard von Bingen und beschrieb diese in ihrem Kräuterbuch erstmals als Arzneipflanze. Einsetzen lässt sie sich als durchaus schmackhafter Tee bei Frühjahrskuren oder auch Harnwegsinfekten. Und vor Kurzem erst hat man entdeckt, dass sich aus dem Extrakt der Birkenrinde und aus Sonnenblumenöl eine wirksame Salbe gegen Brandwunden herstellen lässt.

Viele Bäume spielten in der Klostermedizin früh eine wichtige Rolle, nicht von ungefähr trugen Kräuterbücher im 16. Jahrhundert in der Regel den Zusatz „von Kräutern, Stauden und Bäumen“. Auch Hildegard von Bingen behandelt in ihrer in neun Abteilungen untergliederten „Physica“ im dritten Buch sehr ausführlich die „verholzenden Gewächse“.

Der 65-jährige Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, Geschäftsführer der Würzburger Forschergruppe Klostermedizin, gibt einen Überblick über einige Anwendungsmöglichkeiten. Die Fichte und Kiefernarten etwa wurden von jeher gern bei Husten oder Erkältungskrankheiten eingesetzt. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat nun aber auch gezeigt, dass die ätherischen Öle der Fichtennadeln – zumindest bei ­Ratten – gegen Altersdemenz wirken können. Untersuchungen am Menschen stehen aus.

Myrrhe und Weihrauch waren nicht nur in biblischer Zeit ein Geschenk für Könige, auch in der Klostermedizin sind beide Baumarten schon lange bedeutsam, vor allem, weil die Säure im Öl Entzündungen hemmen kann. So wurde Myrrhe früher gern zur Wundbehandlung eingesetzt oder als Kosmetikmittel zur Hautpflege. Im arabischen Raum erkannte man zudem eine positive Wirkung auf den Magen – und bis heute gilt Myrrhe als wichtiges Mittel beim Reizdarm. Der Weihrauch indessen ist hierzulande kein zugelassenes Arzneimittel – wohl auch, weil keine entsprechenden Studien vorliegen.

Medizinhistoriker Mayer vermutet einen „denkbaren Einsatz“ bei Asthma, Rheuma und Morbus Crohn. In anderen Kulturen wird Weihrauch – vor allem der äthiopische – zudem zur Mundhygiene, als Mittel gegen Entzündungen und zur Prävention gegen Erkältungskrankheiten gekaut. In den Samen der Rosskastanie befinden sich Seifenstoffe, sogenannte Saponine, und einer dieser Stoffe heißt Aescin. Dieser kann helfen, die Venen zu stabilisieren und wirkt – ähnlich dem ­Ginkgo – gegen eine Ödembildung. Aufgebrüht empfiehlt der Medizinhistoriker Rosskastanienblätter als „leckeren Tee gegen Erkältungen“.

Eigentlich ist die Rosskastanie hierzulande ein Ureinwohner, verschwand aber während der Eiszeit aus unseren Breitengraden und wurde erst im 16. Jahrhundert von Türken zurück nach Mitteleuropa gebracht. Den Ginkgo – eine uralte Baumart zwischen Nadel- und Laubbaum – brachten wiederum die Niederländer im 18. Jahrhundert aus Asien mit nach Europa.

Im Gespräch ist er inzwischen als vorbeugendes Mittel gegen Altersdemenz. „Um die Weide schließlich ranken sich viele Missverständnisse“, sagt Mayer. Acetylsalicylsäure, kurz ASS, gilt als wichtigster Wirkstoff gegen Schmerzen. Zwar trug die Weide zu dessen Entdeckung bei, allerdings beinhaltet sie nur eine Vorform der Salicylsäure. Das eigentliche Produkt entsteht erst während der Verarbeitung in der Leber.

In Schmerzmitteln wie Aspirin jedoch befindet sich fertige Salicylsäure, deshalb wirken Tabletten schneller als Tee aus Weidenholz. Und: Blutverdünnend wirkt nur das chemische Produkt.

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