Lebensverlängernde Maßnahmen

Geriater Dr. Michael Schwab über Knochenschwund und Knochenaufbau

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„Jeder Schritt, den wir tun, ist eine Investition in die Zukunft. Knochengesundheit kann Stürze und Brüche verhindern und so das Leben verlängern. Frakturen
im Alter erhöhen die Sterblichkeit, sagt Geriater Dr. Michael Schwab.Foto: ©Susanna Khoury

„Der Knochen merkt, ob er gebraucht wird“, sagt Altersmediziner Dr. Michael Schwab (60). „Etwa alle zehn Jahre werden Knochen im Körper neu gebaut, nicht an allen Stellen, aber an solchen, die stark belastet sind. Knochen sind ständigen Transformationsprozessen ausgesetzt. In der Pubertät gibt es eine explosive Aufbauphase, wer hier vergisst zu unterstützen, hat schon den ersten Nachteil erworben“, so der Chefarzt des Würzburger Geriatriezentrums im Bürgerspital.

Vor allem Mädchen mit Untergewicht seien später die Leidtragenden. Das Gleiche gelte für die Modellierungsphase der Knochen (15 bis 25 Jahre). „Wer hier Untergewicht aufweist, oder sich kaum bewegt, erniedrigt die maximale Knochenmasse.“ Aber auch wer in Phase eins und zwei alles richtig
gemacht habe, dürfe in Phase drei (30 bis 50 Jahre), der Erhaltungsphase, nicht schludern. Hier gelte es durch knochengesunde Ernährung und knochenförderliche Bewegung den Ist-Zustand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, so der Internist. Zudem plädiere er für 15 bis 30 Minuten Sonnenbad am Tag für die Vitamin-D-Produktion im Körper.

Trotz all des Wissens rund um den Knochenschwund hat sich Osteoporose zu einer Volkskrankheit ausgewachsen. Rund 7,8 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen – zum größten Teil Frauen nach der Menopause. Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, bei der mit der Zeit immer mehr Knochengewebe abgebaut wird, sodass die Knochen leichter brechen. Richtig gefährlich wird es, wenn zur Osteoporose die Stürze im Alter dazukommen.

Laut des Robert-Koch-Instituts steige der Anteil der Sturzunfälle am gesamten Unfallgeschehen (9,7 Millionen Unfälle etwa 2014) ab dem 70. Lebensjahr bei Frauen um 60 Prozent und bei Männern um
50 Prozent.¹ Will heißen, es ereignen sich rund drei Millionen Stürze bei Menschen über 60 Jahren in Deutschland pro Jahr, mehr als fünf Prozent davon mit Knochenbrüchen, ergänzt Michael Schwab.

Bei Osteoporose verliert die tragende Struktur des Knochens zunehmend an Substanz. Diesen Prozess gelte es aufzuhalten respektive so lange wie möglich hinauszuzögern, mahnt Dr. Schwab. Dennoch leide laut des Dachverbands der Deutschsprachigen Osteologischen Gesellschaft jede dritte Frau nach den Wechseljahren (Östrogenmangel) und jeder fünfte ältere Mann unter Knochenschwund.² Die Osteoporose macht eigentlich erst einmal keine Beschwerden.

Alarmzeichen können dann Wirbelkörpereinbrüche sein, die sich als Rückenschmerzen, Abnahme der Körpergröße oder Rundrückenbildung bemerkbar machten, so Schwab. Auch Spontanbrüche (ohne ersichtlichen Auslöser) bei Frauen mittleren Alters sollten aufhorchen lassen, betont der erfahrene Geriater. Risikofaktoren außer der Tatsache, Frau zu sein und über 50, sind übermäßiger Alkohol- und Nikotinknosum, fehlende Bewegung, Untergewicht, ungesunde Ernährung (vor allem Mangel an Kalzium und Vitamin D) oder auch genetische Anlagen.

Osteoporose ist eine Gesamtknochenerkrankung, bei der die Knochenqualität nicht mehr die Festigkeit aufweist, die Knochen haben sollten“, betont der Chefarzt. Die Festigkeit könne man bei einer Knochendichtemessung ermitteln. Was man nicht messen könne, sei die Elastizität und die Qualität der Knochen. Bei 2,5 Prozentpunkten Abweichung der Dichte vom typischen Mittelwert der jeweiligen Altersgruppe, spreche man dennoch von Osteoporose!

„Die Osteoporose-Therapie fußt auf fünf Säulen: knochengesunde Ernährung, Bewegung, Knochenbruchschutz durch Medikamentengabe, ärztliche Betreuung und fachspezifische Übungen mit oder ohne Geräte durch Physiotherapeuten,“ erklärt Dr. Schwab. Die Knochen gehören zum Bewegungsapparat. Gemeinsam mit den Muskeln bewegen sie uns durchs Leben. Indem wir auf unsere Knochen achtgeben, Stürze und Brüche vermeiden, verlängern wir unser Leben!

Quellen: ¹Robert Koch-Institut: Gesundheit in Deutschland aktuell 2010 (GEDA). Sturzunfälle in Deutschland. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. RKI, Berlin, ²Leitlinie “Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Posteoporose“ des Dachverbands der Deutschspachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaft e.V. (2017)

Am 23. Oktober2019 von 15 bis 16.30 Uhr referiert Dr. Schwab im Würzburger Bürgerspital ausführlich zu Osteoporose. Der Vortrag beinhaltet einen kostenlosen Risikotest und einen Praxisteil mit präventiven Maßnahmen für den Alltag. Die Erkenntnisse gründen auf langjähriger Erfahrung des Referenten im Rahmen seiner Tätigkeit für die Würzburger Osteoporoseschule. Anmeldung unter Telefon 0931.3503401, www.buergerspital.de

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