Kinder widerstandfähiger machen

In Würzburg hat sich das „Deutsche Zentrum für Präventionsforschung psychische Gesundheit“ (DZPP) gegründet

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Gründungsmitglieder des DZPP und Vertreter der Unileitung sowie der Fakultät für Humanwissenschaft bei der Präsentation des Neubaus (v.l.): Jürgen Deckert, Johannes Hewig, Sarah Kittel-Schneider, Paul Pauli, Alfred Forchel, Marcel Romanos und Uwe Klug. Foto: ©Kristian Lozina/Universität
Würzburg

Angsterkrankungen, Depression, ADHS, Selbstverletzung: Jedes fünfte Kind in Deutschland zeigt laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts Symptome psychischer Erkrankungen. Und die Zahl der Betroffenen im Jugendlichen- wie Erwachsenenalter steigt. Entsprechend wichtig sei es, schon im Frühstadium zu verhindern, dass sich psychische Erkrankungen überhaupt ausprägen, sagt Prof. Dr. Alfred Forchel, Präsident der Julius-Maximilians-Universität (JMU). Für eine bessere Prävention wurde deshalb in Würzburg das „Deutsche Zentrum für Präventionsforschung psychische Gesundheit“ (DZPP) gegründet – als „Scharnier zwischen Grundlagenforschungen und Versorgungsstrukturen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dem Würzburger Förderverein Menschenskinder war es bei der „Initiative Sternstunden“, einer Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, gelungen, für das Projekt eine Million Euro einzuwerben. Das war die Initialzündung für die Grundsteinlegung des Neubaus der Universität Würzburg am Hubland noch in diesem Jahr.

Und welche Ziele verfolgt das neue Zentrum? Grundlagenforschung soll laut DZPP-Leiter Prof. Dr. Marcel Romanos, Direktor der Würzburger Kinderund Jugendpsychiatrie sowie Vorsitzender von Menschenskinder e.V., zunächst einmal Erkenntnisse bringen, welche Mechanismen zu psychischen Erkrankungen führen. Das Wissen wolle man dann nutzen, um Präventionsprogramme zu entwickeln, um Kinder und Jugendliche widerstandsfähiger zu machen und, kurzum, dabei zu unterstützen, gesund zu bleiben. Die Vernetzung mit Kindergärten, Schulen, Fachärzten, Ämtern, Beratungsstellen und anderen Akteuren hat laut Professor Romanos bereits begonnen und soll in den kommenden Monaten weiter vorangetrieben werden. Schließlich wolle man die Programme in die Fläche bringen und damit „nicht Hunderttausende, sondern Millionen erreichen“.

Der Kinder- und Jugendpsychiater ergänzt, um die Bedeutung von Prävention hervorzuheben: „Wir erleben so oft Patienten, die wiederkommen. Oder auch Patienten, bei denen wir sagen: Welche Folgeerkrankungen hätte man ihnen ersparen können, hätte man früher interveniert.“ Prof. Dr. Paul Pauli, stellvertretender Leiter des DZPP und Inhaber des Lehrstuhls für Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni Würzburg ergänzt: Ziel sei es auch, Präventionsprogramme für bestimmte Risikogruppen zu entwickeln. So wisse man zum Beispiel inzwischen, dass Patienten mit Herzerkrankungen gehäuft zu Ängsten und in Folge Depressionen neigen.

Im entsprechenden Forschungsprojekt konnten die Würzburger Wissenschaftler belegen, dass sich dies mittels Prävention in vielen Fällen verhindern lässt. Das sei kostengünstiger, als nachträglich zu behandeln und gehe „durchaus mit wenig Personenkontakt übers Internet“, ergänzt Pauli. Zudem richtet er den Blick auf eine weitere Risikogruppe: „Inzwischen ist bekannt, dass Kinder psychisch erkrankter Erwachsener selbst ebenfalls anfälliger für entsprechende Erkrankungen sind.“ Ein Präventionsprogramm soll deshalb darauf abzielen, Kontakte zu betroffenen Familien schon kurz nach der Geburt des Kindes zu knüpfen. Auch wenn das Gebäude noch lange nicht steht, in die das DZPP später einziehen soll: Virtuell existiert es laut Professor Romanos bereits und erste Präventionsprogramme laufen an. „Du und deine Emotionen“ zum Beispiel, kurz DUDE.

Und darum geht es: Studien zeigen, dass bei bis zu 20 Prozent der Schulkinder selbstverletzende Verhaltensweisen und emotionale Störungen auftreten. Mithilfe von „DUDE“ sollen Kinder lernen, ihre Emotionen zu regulieren. Evaluiert wird es im Laufe des Jahres 2020 an 1.500 nordbayerischen Schülern im Alter von 12 bis 14 Jahren.

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