Himmelsarznei

Die mittelalterliche Welt der Medizin

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Einmal begonnen, lässt das Schicksal von Jakoba nicht mehr los. Gemeinsam mit der zarten Adeligen durchlebt der Leser auf mehr als 600 Seiten ein Wechselbad der Gefühle.

Er taucht ein in das gerade beginnende 14. Jahrhundert mit seinen Höhen und dunkelsten Tiefen. Er wird Zeuge von unendlichem Leid und Gewalt, aber auch Teil wunderbarer Begegnungen.

Die Journalistin Sabine Weiß nimmt in ihrem historischen Roman „Die Arznei der Könige“ die wahre Geschichte der Ärztin Jakoba Félice de Almania zum Ausgangspunkt, um von Medizin im Mittelalter, Selbstbehauptung, Templerverfolgung und einer unmöglichen Liebe zu erzählen. Es ist ihre Version vom Schicksal der jungen Frau, die zudem mannigfaches Wissen über die therapeutischen Möglichkeiten ihrer Zeit bereithält.

„Für mich ist es faszinierend, an Jakobas Seite in die Geschichte der Medizin einzutauchen“, schreibt die Germanistin über die Frau, deren Prozessakten bis heute in den Pariser Chroniken dokumentiert sind. „Bei ihren Behandlungen stützte sich Jakoba vor allem auf Heiltränke. Der sagenumwobenste (…) ist der Theriak, auch ‘Arznei der Könige‘ oder ‘Himmelsarznei‘ genannt.“

Der Glaube an seine allumfassende Heilkraft, weiß die Autorin, sei viele Jahrhunderte unumstritten gewesen. Bei Galen, auf dessen Schrift „De Antidots“ sie sich in ihrem Roman häufig beziehe, werde Arzneimitteln wie Theriak der Vorzug vor chirurgischen Eingriffen oder diätischen Maßnahmen gegeben. Während der Pestepidemien galt die „Arznei der Könige“ gar als „wichtigstes Vorbeugungs- und Heilmittel gegen die Seuche“ und wurde, so berichtet Sabine Weiß, bis ins 19. Jahrhundert noch in den offiziellen Pharmaregistern geführt.

Jakobas Theriak, deren Herstellung sie im fernen Venedig erlernte, bestand aus unzähligen, teils exotischen Zutaten. Dazu gehörten Pastillen aus Meerzwiebeln, dazu gesellten sich „schwarzer Pfeffer, weißer Pfeffer, Mohnsaft, getrocknete Rosen, kretischer Knoblauch-Gamander, (…) Theriak-Pastillen (…), auch Schlangenfleisch-Trochisi genannt (…), (eine) aromatische dicke Salbe (…) (aus) Katzenkraut, Haselwurz, Majoran, Asphalatus, Binse, wohlriechendes Kalmus (…), Myrrhe, Blätter vom Malabathrum, indische Narde, gelber Safran, Cassia, Amomum (…), ein ingwerartiges Gewächs aus dem Himalaya-Gebirge“ und vieles mehr.

Über die Jahre, so sagt man, sei die Zutatenliste auf bis zu 300 Inhaltsstoffe angewachsen. Die Beschaffung und Herstellung war kompliziert und nahm mehrere Wochen in Anspruch. Er war kostbar und für die meisten Menschen dieser Zeit unerschwinglich. Das Gros musste sich anders behelfen – etwa mit Knoblauch, der auch als „Bauern-Theriak“ bezeichnet wurde.

Die tiefgläubige Jakoba hilft mit ihrem Wissen und ihrer Medizin, wo sie nur kann. Sie sieht ihre Patienten als Wesen im Einklang mit Gott und der Natur – und setzt oftmals da an, wo die Ärzte ihrer Zeit längst aufgegeben haben.

www.sabineweiss.com

Sabine Weiß:
Die Arznei der Könige,
Bastei Lübbe AG, Köln 2018,
ISBN: 978-3-404-17646-5,
Preis: 11 Euro, www.luebbe.de

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