Gewebemodelle statt Mäuse

Dr. Jan Hansmanns Forschungen tragen zur Reduzierung von Tierversuchen bei

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Dr. Jan Hansmann vor einem Inkubator, in dem Gewebe gezüchtet wird. Foto: Pat Christ

Tierversuche stehen nicht nur deshalb in der Kritik, weil sie großes Tierleid verursachen. Seit Langem wird bezweifelt, dass die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Auch Dr. Jan Hansmann hat daran so seine Zweifel. Versuche mit Gewebezüchtungen sind nach seinen Worten meist deutlich aussagekräftiger als Versuche am Tiermodell. Am Würzburger Lehrstuhl für Tissue Engineering entwickelt der Ingenieur alternative In-Vitro-Testsysteme.

Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben

Allein zur Grundlagenforschung an Bayerns Universitäten werden derzeit noch pro Jahr um die 100.000 Tiere, vor allem Mäuse, herangezogen. Auch bei der Entwicklung und Prüfung von Arzneimitteln müssen Tierversuche durchgeführt werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Kosmetikindustrie hingegen darf ihre Produkte nicht mehr an Tieren testen. Heuer seit fünf Jahren gilt EU-weit ein generelles Verkaufsverbot für Cremes, Shampoos und Schminke, die zuvor an Tieren erprobt wurden.

Im Würzburger Labor wird Hautgewebe gezüchtet, mit dem piel getestet werden kann, wie Cremes wirken. „Das machen wir kontinuierlich“, sagt Dr. Hansmann. Am Lehrstuhl für Tissue Engineering geschieht jedoch noch mehr. Hier wird derzeit auch zum Thema „Keuchhustenbehandlung“ geforscht. „Für diese Krankheit gibt es kein Tiermodell“, so Hansmann. Seine Kollegin Maria Steinke untersucht deshalb an einem dreidimensionalen Gewebemodelle der menschlichen Atemwegsschleimhaut, wie der Keuchhustenerreger mit dem Gewebe interagiert.

Flussblindheit bekämpfen

In einem internationalen Kooperationsprojekt versucht das Tissue Engineering-Team außerdem, tierversuchsfrei mitzuhelfen, die sogenannte Flussblindheit in Afrika, Süd- und Mittelamerika zu bekämpfen. Die wird von Parasiten verursacht, die sich im Bindegewebe einlagern und Mikrofilarien erzeugen. „Noch gibt es kein optimales Medikament dagegen“, sagt der engagierte Tüftler.

Ziel der Würzburger Forschungen ist es, ein Arzneimittel zu entwickeln, das die Parasiten abtötet, bevor sich Filarien bilden. Das sollen die Menschen in den betroffenen Gebieten auch präventiv nehmen können. Eine Nachwuchsgruppe von Dr. Hansmann befasst sich schließlich damit, neue Elektroden für Herzschrittmacher zu entwickeln – natürlich wieder tierversuchsfrei. Die derzeit üblichen Drähte von Herzschrittmachern werden vom menschlichen Gewebe als Fremdkörper identifiziert und mit Narbengewebe eingeschlossen.

Hansmann ist dabei, dreidimensionale Karbonfaserelektroden zu entwickeln, die sich ins Gewebe integrieren. Allerdings: Bevor die neuen Elektroden erstmals einem Menschen eingepflanzt werden, müssen sie an Tieren getestet werden.

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