Gefahr im Alter

Gürtelrose ist oft langwierig und schmerzhaft, sagt die praktische Ärztin Dr. Manuela Rubenbauer aus Lohr am Main

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In Deutschland erkranken nach Untersuchungen des Robert Koch-Instituts jährlich mehr als 300.000 Personen an Herpes zoster. Von der äußerst schmerzhaften Gürtelrose sind am häufigsten ältere Menschen betroffen.

„Mit fortschreitendem Alter sind die Abwehrkräfte nicht mehr so schlagkräftig“, weiß Dr. Manuela Rubenbauer, praktische Ärztin in der Hausarztpraxis Vaisfeld/Rubenbauer in Lohr am Main. Doch auch junge Erwachsene können erkranken. „Als Risikofaktoren gelten unter anderem starker Stress, ein geschwächtes Immunsystem oder eine andere virale oder bakterielle Erkrankung“, sagt die Ärztin. Es handelt sich allgemein um Faktoren, die das Immunsystem schwächen.

„Deshalb haben Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr beispielsweise nach einer Transplantation, Menschen mit chronischen Krankheiten oder Patienten mit einem Tumor ein besonders hohes Risiko“, erklärt Dr. Rubenbauer. Auslöser der Gürtelrose und auch der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Familie der Herpesviren gehört.

„Nach überstandener Windpockeninfektion gibt es zwar eine lebenslange Immunität gegen Varizellen. Das heißt aber nicht, dass der Organismus virenfrei ist. Einigen der Krankheitserreger gelingt es, in Nervenknoten (Ganglien) inaktiv zu überleben“, sagt die Ärztin. Sind die Abwehrkräfte jedoch geschwächt, könne das Immunsystem die Viren nicht mehr in Schach halten. Eine Gürtelrose bricht aus.

„Die Viren vermehren sich, verlassen die Ganglien und breiten sich entlang einer Nervenbahn im Bereich des sogenannten Dermatoms, dem Hautareal, das zum Nerv gehört, bis zur Haut aus“, so Dr. Rubenbauer. Je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen seien, bilde sich der typische, schmerzhafte Ausschlag mit Bläschen der Gürtelrose in den entsprechenden Bereichen, meist an Rücken und Rumpf. Wenn der Ausschlag sich dann wie ein Gürtel vom Rücken her zum Bauch ziehe – von daher komme die Bezeichnung Gürtelrose. Zwar sind die Bläschen das bekannteste Symptom der Gürtelrose, doch gibt es noch weitere Anzeichen der Viruserkrankung, die nach und nach auftreten, wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Hautbrennen und Kribbeln in dem Bereich, in dem sich die Bläschen bilden werden, eine Überempfindlichkeit der Haut im betroffenen Bereich oder Nervenschmerzen.

Manchmal breiten sich die Viren auch in Gehirnnerven aus. Dann kann Gürtelrose am Kopf und auch im Gesicht entstehen, etwa entlang des Trigeminusnervs. Herpes zoster kann sich auch an den Ohren, um die Augen herum, der Stirn und hinab zur Nase ausbreiten. „Gürtelrose im Gesicht ist gefährlich.
Die Viren können die Hornhaut und das Innenohr schädigen, also im schlimmsten Fall zu Hörminderung oder Einschränkung des Sehvermögens führen. Auch das Risiko einer Gesichtslähmung besteht. Dank
guter Behandlungsmöglichkeiten der Gürtelrose sind diese Komplikationen jedoch äußerst selten“, weiß Dr. Rubenbauer. Sie rät, beim ersten Verdacht auf Gürtelrose sofort einen Arzt aufzusuchen, damit die nötige Behandlung rasch einsetzen kann.

„Der Verlauf der Krankheit kann langwierig und schmerzhaft sein“, erklärt die Medizinerin. Die Krankheit könne einige Wochen dauern, sich aber auch über Monate hinziehen. Behandelt wird die Gürtelrose mit Medikamenten, die die Virenvermehrung stoppen, und mit Schmerzmitteln. „Der Patient muss komplett schmerzfrei sein, da die Schmerzen sonst chronisch werden können“, sagt die Ärztin.

Bis zu 20 Prozent der Gürtelrosepatienten leiden unter dieser Folgeerkrankung. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter und besteht vor allem dann, wenn die Gürtelrose zu spät oder nicht ausreichend lange behandelt wurde.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass für alle Personen ab 60 Jahren
eine Schutzimpfung gegen Herpes zoster mit einem Totimpfstoff als Standardimpfung
angeraten ist. Menschen mit einer Grundkrankheit oder Immunschwäche empfiehlt die
Kommission die Impfung bereits ab einem Alter von 50 Jahren. Impfungen nimmt jeder
Arzt vor, die Kosten für den Impfstoff trägt die jeweilige Krankenkasse.

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