Frühwarnsysteme nutzen

Allgemeinmediziner Dr. Dirk Wiedbrauck über Wärmebilder des Körpers, die auf Krankheiten hinweisen können

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Jedes Thermogramm ist reproduzierbar und so individuell wie ein Fingerabdruck. Foto: Frau Hinterkopf ©Regena GmbH & Co. KG

Bereits antike Ärzte nutzten Temperaturunterschiede der Körperregionen, um Krankheiten zu erkennen. Damals erfühlten sie diese mit der Hand. Mediziner heute können auf technische Unterstützung in Form der sogenannten Computer-Regulationsthermographie (CRT) zurückgreifen. Dr. Dirk Wiedbrauck vom Regena Gesundheits-Resort & Spa in Bad Brückenau nutzt diese Methode seit 35 Jahren.

„Ärzte haben sich schon immer für die Temperatur des Menschen interessiert und nach diagnostischen Möglichkeiten gesucht“, erklärt der Experte für Naturheilverfahren seinen ganzheitlichen Blick. „Es gibt eine nachgewiesene Verbindung zwischen Organen und Haut. Es zeigen sich bei unterschiedlichen Krankheiten unterschiedliche Temperaturen auf der Hautoberfläche.“ Ein solches Wärmebild, so der Arzt, bilde die Tätigkeit des autonomen Nervensystems ab und sei nicht willentlich beeinflussbar.

Das Regulationsverhalten des Körpers werde an 119 neuralgischen Punkten direkt auf der Haut gemessen und sichtbar gemacht. Das Augenmerk gelte unter anderem der Gehirndurchblutung, den zuführenden, großen Gefäßen und den Zähnen als „Störfeld“, die „nachweislich Verbindungen zu bestimmten Organen haben“ und im CRT darstellbar seien. Die Messzeit mit einem hochempfindlichen Thermofühler beträgt eine halbe Stunde. Gemessen wird zweimal zehn Minuten mit einer ebenso langen Akklimatisationszeit dazwischen. Zuerst vom Kopf bis zum Hals, dann der Rest des Körpers und schließlich noch einmal neu als „Belastungstest“.

Die Idee hinter dem CRT sei ganz klar: „Prävention! Und Frühwarnsysteme des Körpers nutzbar machen“, so Dr. Wiedbrauck. „Wir stellen keine Diagnose, sondern erhalten lediglich Hinweise auf Störfelder im Körper.“ Mittlerweile wisse man, dass bereits Unterschiede von einem Zehntel Grad eine Rolle spielten. „Der Mensch ist eine geniale Selbstreparaturmaschine“, sagt der Arzt. Wenn etwas nicht funktioniere, werde sofort selbstständig versucht zu reparieren. Sei dieser Regulationsmechanismus erschöpft, treten Krankheitssymptome auf.

„Das CRT kann bereits im symptomfreien Stadium Schwachstellen im Körper erkennen“, erläutert Wiedbrauck den Vorteil des Verfahrens, das Selbstzahler-Leistung ist. „Dadurch wird das therapeutische Zeitfenster größer.“ Ein Beispiel: Sei das Regulationsverhalten an der Bauchspeicheldrüse gestört, könne das, je nach Bild, eher eine Verdauungsstörung sein, weil nicht genügend Verdauungsenzyme gebildet würden. Es könne aber auch ein frühes Zeichen von Diabetes Typ 2 sein. Doch wie geht man mit solchen Eindrücken um? Erst einmal nicht medikamentös, so Dr. Wiedbrauck. Ein Ansatzpunkt sei zum Beispiel die Veränderung des Lebensstils und damit auch der Weg zu „mehr Selbstfürsorge“.

Idealerweise werde ein CRT etwa nach einem halben Jahr wiederholt, um, je nach Beschwerdebild,
Verläufe sehen und Therapien individualisieren zu können. „Mit dem CRT erstellen wir ein Risikoprofil – nicht mehr, aber auch nicht weniger!“

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