Enkeltaugliche Landwirtschaft

„Ackergifte? Nein, Danke!“ – warum Bio-Händler Gerhard Bickel das Bündnis unterstützt

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Gerhard Bickels Philosophie, kommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu übergeben, kommt auch in Würzburg sehr gut an. Foto: ©Rudi Ott

Ende April 2018 hat der EU-Ausschuss den Einsatz von drei Insektiziden verboten¹. Zuvor hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) die Schädlichkeit der Neonicotinoiden (Insektengifte) wie etwa Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid für Wild- und Honigbienen bestätigt.

Das Ackergift Glyphosat hingegen darf für weitere fünf Jahre ausgebracht werden. Dafür stimmte die EU-Kommission am 27. November 2017. Tags darauf gründete sich das „Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft“. Seither engagieren sich darin Bio-Hersteller und Bio-Händler, damit zukünftige Generationen ökologischen Landbau betreiben und auf unbelastete Lebensmittel ohne Glyphosat und Co. zurückgreifen können.

Die Mitglieder setzen auf einen pragmatischen Wandel hin zu einer Landwirtschaft ohne Ackergifte. Dafür nutzen sie den Dialog, fundierte Argumente und bauen auf unabhängige Forschung. Mit dabei ist auch ebl-naturkost, eine Bio-Fachmarkt-Kette mit Sitz in Fürth, die 28 Filialen in Franken betreibt.

Inhaber und Geschäftsführer Gerhard Bickel, der seit 1994 Lebensmittel und Produkte aus kontrolliert ökologischer Erzeugung und Verarbeitung anbietet, steht von Beginn an hinter dem Bündnis. Denn „Gifte haben weder auf den Äckern noch im Essen etwas zu suchen“. Der Zusammenschluss kommt seiner Ansicht nach genau zur richtigen Zeit.

„Wir sind davon überzeugt, dass die ökologische Landwirtschaft weltweit die einzige zukunftsfähige Methode für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung ist. Wir müssen gemeinsam etwas unternehmen, um den immer deutlicher werdenden Auswirkungen der konventionellen industriellen Landwirtschaft etwas entgegenzusetzen“, so der Fachmann. Dass auch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt für Glyphosat votierte, in den Augen von Gerhard Bickel und seinen Mitstreitern ein Unding.

Immerhin habe man festgestellt, dass sich eine Anzahl der verwendeten Ackergifte nicht auf die behandelten Flächen beschränken, sondern über das Land ausbreiten würden. Bickel zufolge würde das die privat finanzierte Feldstudie² „Urinale 2015“ eindrucksvoll belegen.

Im Rahmen der Studie hatten 2011 Bürger im Zeitraum von Oktober 2015 bis Januar 2016 von einem unabhängigen und akkreditierten Labor ihren Urin untersuchen lassen. Das Ergebnis: „In 2001 Proben war Glyphosat nachweisbar, das sind 99,6 Prozent.“

Bei 79 Prozent der Studienteilnehmer sei die Belastung fünf- bis zweiundvierzigfach höher als der Rückstandshöchstwert für Pestizide in Trinkwasser gewesen. Dieser beträgt 0,1 Nanogramm pro Milliliter. Die Urinproben von Kindern und Jugendlichen hätten dabei die höchsten Messwerte ergeben. Dass sich jedoch mehr als die Hälfte der Probanden vorwiegend „bio“, also von Produkten ernährte, die kaum Pestizidrückstände aufweisen, sei in diesem Zusammenhang ein bemerkenswerter Umstand.

Für Bickel und seine Bündnis-Partner liegt der Verdacht auf der Hand: „Es liegt in der Luft.“ Eine Pilotstudie 2017 habe bereits gezeigt: „Selbst an städtischen Standorten, wie dem Englischen Garten in München, waren Pestizide nachweisbar“, so die Mitglieder. Um diese Ergebnisse zu manifestieren, haben sie 2018 eine umfangreiche Studie zur Analyse von Baumrinden in Auftrag gegeben.

Der Grund: Baumrinden speichern Substanzen aus der Umwelt. Mit „Baumrinde 2018“ soll nun also ein Beitrag für eine belastbare Grundlage für die Abschätzung der Luftverfrachtung von Ackergiften geschaffen werden. In seinen Filialen versucht der Unternehmer die Belastung so gering wie möglich zu halten. Das ebl-Sortiment ist zu 100 Prozent nach den „Sortimentsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel“ zertifiziert.

Zu den Grundsätzen seiner Kette, die seit Anfang Juni auch in Würzburg, in der Rottendorferstraße 65 am Hubland zu finden ist, gehört es, bevorzugt Bio-Produkte anzubieten, die nach den Richtlinien anerkannter Bio-Verbände – wie Naturland, Bioland oder Demeter – erzeugt und verarbeitet werden.

Dort, wo dies nicht möglich ist, greift das Unternehmen auf Waren mit dem EU-Bio-Siegel zurück.

¹https://ackergifte-nein-danke.de/news/378-eu-ausschuss-verbietet-drei-neonicotinoide.html, ²http://www.urinale.org

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