Eine tatkräftige Frau

Klara Oppenheimer: erste Kinderärztin in Würzburg

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Mitten in Würzburgs Innenstadt, und zwar am Kürschnerhof, eröffnete Klara Oppenheimer am 3. Juni 1918 eine „Spezialpraxis für Säuglings- und Kinderkrankheiten“. Das war zu jener Zeit mehr als ungewöhnlich. „Klara Oppenheimer war damit die erste niedergelassene Ärztin in Würzburg“, weiß Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle. Kinderärzte an sich waren in Würzburg rar: „Nur drei praktische Ärzte führten damals die zusätzliche Berufsbezeichnung ‚Kinderarzt‘.“

Mit der Praxis hatte Klara Oppenheimer die letzte Hürde zu ihrem Traumberuf genommen. 50 Jahre war sie zu diesem Zeitpunkt alt. Hinter der Jüdin lag ein verschlungener Weg. Oppenheimer war ausgebildete Lehrerin. Im Verein „Frauenheil“, der laut Steidle ersten feministischen Organisation in Würzburg, kämpfte sie von 1898 an für höhere Frauenbildung. Zwei Jahre später wurde sie Gasthörerin an der Uni Würzburg. 1903 begannen die ersten beiden Frauen, in Würzburg Medizin zu studieren. Klara Oppenheimer war nicht unter ihnen, da sie zunächst das Abitur nachmachen musste. Im Jahr 1906 immatrikulierte sie sich als Medizinstudentin. Dass sie Jüdin war, wurde Oppenheimer von 1933 an zum Verhängnis. Kurz nachdem Hitler an die Macht gekommen war, schloss die promovierte Ärztin aus gesundheitlichen Gründen ihre Praxis: Klara Oppenheimer war zu diesem Zeitpunkt 66 Jahre alt. „Am 14. November 1933 wurde sie Opfer einer Denunziation“, berichtet der Würzburger Stadtheimatpfleger.

Die staatsfeindlichen Aktivitäten, die ihr vorgeworfen wurden, konnten nicht nachgewiesen werden. Doch die Schikanen und Repressalien seien weitergegangen. Vergeblich beantragte Oppenheimer im Oktober 1934 einen Pass für die Ausreise in die Schweiz. 1943 wurde sie im Holocaust im KZ Theresienstadt ermordet. In Gedenken an Klara Oppenheimer wurde 2007 beschlossen, die Würzburger Berufsschule für kaufmännische, soziale und Ernährungsberufe in „Klara-Oppenheimer-Schule“ umzubenennen. In der „Sozialen Frauenschule“ der im Jahr 1900 gegründeten Sophienschule unterrichtete sie neben ihrem Beruf als Kinderärztin während der Weimarer Republik das Fach „Gesundheitslehre“. Was Klara Oppenheimer aus eigener Kraft geschaffen habe, sei bewundernswert. „Dennoch wäre diese tapfere, tatkräftige Demokratin und Frauenrechtlerin fast aus dem Gedächtnis Würzburgs verschwunden“, so Steidle bei der Namensgebungsfeier 2007. Dass das früher Kaufmännische Berufsbildungszentrum nach Klara Oppenheimer benannt wurde, setzt laut dem Stadtheimatpfleger einen wichtigen Akzent in Würzburgs Erinnerungskultur.

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