Eine Kirsche als Grab

In Greußenheim befindet sich der erste Ruhewald im Landkreis Würzburg

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Angela Stegerwald mit einer Birkenstamm-Urne. Foto: Pat Christ

Bäume haben ganz unterschiedliche Charaktere. Da ist die knorrige Eiche. Die schlanke Elsbeere. Und die Wildkirsche, die im Frühjahr so wunderschön blüht. Im Greußenheimer Ruhewald suchen sich Hinterbliebene den Baum aus, der am besten zu ihrem verstorbenen Freund oder Verwandten passt.

„Wir sind oft lange mit den Angehörigen im Wald unterwegs, bis sie einen passenden Baum gefunden haben“, sagt Angela Stegerwald, Ideengeberin für den im November 2016 gegründeten Ruhewald. Bestattet wird in biologisch abbaubaren Naturstoffurnen. „Es dauert drei bis fünf Jahre, dann sind die Urnen komplett abgebaut“, so die Bestatterin.

Hergestellt werden sie aus einem Biowerkstoff, der auf Holz aus dem Greußenheimer Wald basiert. Außerdem sind Baumstamm-Urnen zugelassen. Die Urnen werden im Abstand von 2,5 bis 3 Metern vom Baum in die Erde gelassen. Kränze dürfen nicht abgelegt ­werden. Stegerwald: „Doch seit Anfang 2019 ist es möglich, dort, wo die Urne in der Erde liegt, einen Ginkgo-Baum zu pflanzen.“

Der erste Ruhewald im Landkreis Würzburg kann eine gute Bilanz ziehen: An 270 Bäumen wurden bisher Menschen bestattet. Teilweise befinden sich an den Wurzeln eines Baumes gleich mehrere Urnengräber. Es gibt „Partnerbäume“ für Paare oder Freunde, kleine „Familienbiotope“ für acht und große Biotope für zwölf Verstorbene. Die meisten Bäume werden für 99 Jahre verkauft. Dadurch, dass der Greußenheimer Wald ein Ruhewald wurde, änderte sich sein Zustand nicht.

„Die Wege waren bereits vorhanden, wir haben sie nur ausgebaut“, berichtet Stegerwald. Gute Wege sind wichtig für Ruhe- und Friedwälder, werden diese doch häufig von betagten, mobilitätseingeschränkten Hinterbliebenen besucht. Im Greußenheimer Ruhewald, der von der Gemeinde getragen und betrieben wird, ist es möglich, auf Schotterwegen an einzelne Bäume mit dem Auto heranzufahren.

Beisetzungen finden auf ähnliche Weise wie auf einem konventionellen Friedhof statt. „Nur wirken sie im Ruhewald nicht so traurig und bedrückend“, sagt Stegerwald. Vor allem im Frühjahr und im Sommer spendet die Waldatmosphäre Trost.

Dann zwitschern die Vögel. Schmetterlinge flattern umher. „Es kam sogar schon vor, dass sich ein Reh blicken ließ“, so Stegerwalds Kollege Richard Schwander.

www.ruhewald-naturbestattung.de

Naturfriedhöfe in Unterfranken
In Unterfranken gibt es inzwischen zehn alternative Friedhöfe – so viele wie kaum in einem anderen bayerischen Regierungsbezirk. Ruheforste existieren in Heigenbrücken bei Aschaffenburg, Zeitlofs bei Bad Kissingen sowie in Theres im Kreis Haßberge. In Nüdlingen (Kreis Bad Kissingen) sowie in Trappstadt (Rhön-Grabfeld) wurden Naturfriedhöfe eingerichtet, am Schwanberg bei Kitzingen gibt es einen Evangelisch-Lutherischen Friedwald. Ein weiterer Friedwald besteht in Rieneck (Main-Spessart). Im Kreis Würzburg existiert in Greußenheim ein Ruhewald, in Stadtprozelten bei Miltenberg ein Ruheforst. Vor Kurzem wurde außerdem Bayerns erster Friedweinberg in Nordheim bei Kitzingen seiner Bestimmung übergeben.

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