Die Zukunft in 3D-Druck?

Am „Muskuloskelettalen Centrum Würzburg“ arbeiten Wissenschaftler in rund 50 Projekten. Im Gespräch mit dessen Leiter Professor Dr. Franz Jakob.

0

Professor Dr. Franz Jakob ist Internist, Endokrinologe, Diabetologe und Osteologe. Er ist auch Sprecher des Muskuloskelettalen Centrums Würzburg (MCW). Foto: ©Michaela Schneider

Sie untersuchen das Phänomen „schlafender Tumorzellen“ oder tüfteln an Gewebeersatz aus dem 3D-Drucker: Wissenschaftler am interdisziplinären „Muskuloskelettalen Centrum Würzburg“ (MCW). Die Forschungseinrichtung ist ein gemeinsamer Verbund der Universität, des Universitätsklinikums und des Bezirks Unterfranken.

MCW-Sprecher ist Dr. Franz Jakob, Universitätsprofessor an der Orthopädischen Universitätsklinik König-Ludwig-Haus. Geschätzte 2.500 Quadratmeter Forschungsfläche stehen insgesamt zur Verfügung, mehr als fünfzig Forschungsprojekte zu muskuloskelettalen Erkrankungen werden bearbeitet. 2007 hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die „Roadmap“ veröffentlicht – eine „Straßenkarte“ als Forschungswegweiser für die kommenden Jahre. Erstmals wurden Gelenk- und Knochenerkrankungen als eigenes Segment in die öffentliche Forschungsförderung aufgenommen.

In Würzburg wurde die neue Gewichtung ab 2009 am MCW sichtbar. Orthopäden, Unfallchirurgen sowie Zahn-, Mund- und Kieferchirurgen kooperieren interdisziplinär mit weiteren Disziplinen wie Rheumatologie, Endokrinologie, Neurologie, physikalischer Medizin, Kinderheilkunde bis zur Geriatrie. Woran aber arbeiten Würzburgs Forscher zum Beispiel?

Im Forschungsverbund „Muskelschwund (Sarkopenie) und Osteoporose – Folgen eingeschränkter Regeneration im Alter“, kurz FORMOsA etwa bündelten sich Forschungsprojekte zum altersassoziierten Muskelschwund, gefördert wurde der Zusammenschluss von der Bayerischen Forschungsstiftung. Diese Forschung wurde jetzt überführt in ein EU-gefördertes Projekt mit dem Auftrag ans MCW, ein Zentrum für Bewegungsforschung zu etablieren.

Erforscht werden neue Vorsorge- und Therapiestrategien, die ein Risiko, an Muskelschwund oder Osteoporose zu erkranken, schon in jüngeren Jahren erkennen lassen sowie durch frühes Eingreifen die Vitalität erhalten und ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglichen. Andere Projekte am MCW beschäftigen sich etwa mit der Regeneration von Knochen und Knorpel nach dem Motto „regenerieren statt reparieren“.

Der Sonderforschungsbereich (TRR 225 gemeinsam mit den Universitäten Bayreuth und Erlangen) hat den automatisierten 3D-Druck im Blick, der die gleichzeitige Verarbeitung von lebenden Zellen und Biomaterialien zur Herstellung von Gewebeersatz ermöglichen soll. Ein weiteres großes Forschungsgebiet: Knochenmetastasen. Aus der DFG-Forschergruppe „SkelMet“ ging das bundesweite Schwerpunkt-Programm µBone (SPP 2084) der DFG hervor. Es untersucht die Mechanismen der Ausbildung von Metastasen bei Tumorleiden sowie das Phänomen „schlafender Tumorzellen“, die mit Verzögerung einen Rückfall bewirken können.

Aus Würzburg sind Forscher aus der Orthopädie, der Unfallchirurgie und der Inneren Medizin beteiligt.

Teile.