Die stille Gefahr

Dr. Walter Kestel über geronnenes Blut in einem Gefäß, eine Thrombose

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„Immobilisation ist der Hauptgrund für venöse Thrombosen“, sagt Dr. Walter Kestel. Foto: © Klinikum Main-Spessart

„Eine Thrombose kann jeden treffen – und führt im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen
Lungenembolie“, schreibt das Aktionsbündnis Thrombose¹. Jedes Jahr würden in Deutschland mehr als 40.000 Menschen an einer Lungenembolie sterben. Das seien mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Brust-, Prostatakrebs und HIV zusammen.

Dr. Walter Kestel, Chefarzt der Inneren am Klinikum Main-Spessart in Lohr am Main, erklärt: „Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, also geronnenes Blut in einem Gefäß.“ Man müsse zwischen venösen und arteriellen Thrombosen unterscheiden. Grundsätzlich fließe das Blut in den Venen langsam. In den Arterien pulsiere es und sei schnell unterwegs. Schnell fließendes Blut gerinne nicht so leicht im Gegensatz zu stockendem Blut. Das, was man landläufig als Thrombose bezeichne, sei fast immer eine venöse Thrombose, so der Mediziner. Arterielle Thrombosen seien meist verknüpft mit anderen Erkrankungen.

So könne etwa ein Gerinnsel aus dem Herzen kommend – typischerweise bei einer Rhythmusstörung, bei der das Blut zu langsam fließe – bis ins Gehirn wandern. Die Folge wäre im schlimmsten Fall ein ischämischer Schlaganfall, der Hirninfarkt². Problematisch wird es auch bei einem durch Einlagerungen vorgeschädigtem Gefäß, einer sogenannten Arteriosklerose. Hier könnten schon kleine innere Verletzungen an einer Engstelle, die eine weitere Anlagerungmvon Blutplättchen bewirken, binnen kürzester Zeit eine Thrombose auslösen. Zu den gefürchteten Folgen zählt hier etwa der Herzinfarkt.

„Das ist etwas grundsätzlich anderes, als die Entstehung von Thrombosen in Venen, wo es kein Problem mit den Gefäßen gibt, dafür aber mit stockendem oder stehendem Blut, das dann gerinnt“, so Kestel. Wann entsteht eine solche Situation? „Wenn wir durch Krankheit länger ans Bett gebunden sind, stundenlange Autofahrten oder Flugreisen absolvieren, die Beine abgeknickt sind und nicht bewegt werden und dazu noch wenig getrunken wird“, zählt der Fachmann Beispiele auf, bei denen das Blut durch eine „mechanische Komponente“ in den körperabknickenden Bereichen ist Stocken gerät und so eine Thrombose vorzugsweise in den Beinen auslösen könne. Entstehen könnten solche Thrombosen übrigens auch durch stumpfe Verletzungen, die innere Wunden verursachten. Rauchen sowie die Kombination Rauchen und Antibabypille gelten ebenso als Risikofaktoren wie genetische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente.

„Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei Patienten, die gerade eine Operation hinter sich gebracht oder eine bösartige Erkrankung haben.“ Die Thrombose-Gefahr sei meist still. „Es gibt schon Anzeichen, manchmal aber auch nicht“, sagt der Arzt, der hier an eine schmerzhafte Wade oder die einseitige Schwellung des Beines bei einer tiefen Beinvenen-Thrombose denkt. Hierbei bildet sich das Blutgerinnsel in einer der größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Vene. Das Blut staut sich und muss andere Wege zum Herzen zurückfinden. Solche tiefen Thrombosen, so Dr. Kestel, seien gefährlich. Das Gerinnsel kann bis in die Lunge gelangen und steckenbleiben.

„Dann sprechen wir von einer Lungenembolie, die aber nicht automatisch mit Symptomen wie plötzlicher Luftnot, Engegefühl oder Schmerzen im Brustkorb verhaftet sein muss“, sagt der Experte und weist gleichzeitig daraufhin: „Löst sich ein langes und großes Gerinnsel, kann das einen Menschen töten.“ Doch wie vor einer Thrombose schützen? „Was jeder machen kann, ist bei langem Sitzen die Muskelpumpe in den Beinen benutzen, indem ich alle halbe Stunde für eine Minute die Füße vor und zurück kippe. Natürlich hilft auch aufstehen und hin- und herlaufen. Jede Form der Muskelbewegung ist förderlich“, sagt der Arzt.

Eine Änderung des Lebensstils mit Blick auf das eigene Gewicht oder die Aufgabe des Glimmstängels sei ebenfalls dienlich. Gehören Patienten zu bestimmten Risikogruppen, müssten sie in bestimmten Situationen vorsichtig sein, rät Dr. Kestel etwa zu regelmäßigen Pausen während langer Autofahrten, dem prophylaktischen Tragen von Kompressionsstrümpfen oder der Gabe von Heparin-Spritzen vor einem längeren Flug.

Quellen: ¹www.idw-online.de/de/attachmentdata58771.pdf, ²Der ischämische Schlaganfall ist in der Regel durch eine Embolie aus dem Herzen bei Vorhofflimmern ausgelöst. Das Gerinnsel verschließt eine gehirnversorgende Arterie, ist also ein Hirninfarkt. Es gibt auch einen Schlaganfall durch Hirnblutung. Hierbei platzt ein Gefäß im Gehirn. Es kommt zur Blutung. Die Symptome unterscheiden sich meist nicht vom ischämischen Schlaganfall. Auch ein ischämischer Schlaganfall kann sekundär (durch Gewebsuntergang) zu einer Blutung führen.

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