Die Kraft der Blüten

Apotheker Michael Dickmeis über Kamille und ihre Wirkungen

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So sieht ein richtiger Arzneitee aus. Michael Dickmeis mit echten Kamillenblüten. Foto: Nicole Oppelt

Zu finden ist sie heute in fast jedem Küchenschrank. Sie dient nicht nur als Genussmittel, sondern auch als Grundlage für allerlei Hausmittel. Apotheker Michael Dickmeis weist jedoch darauf hin: „Als Arzneimittel wird ausschließlich die echte Kamille (Matricaria recutita) verwendet.“

Nur sie ist für Anwendungen zugelassen. „Alles andere, was nach Kamille aussieht, riecht oder schmeckt, muss nicht unbedingt die gleiche Wirkzusammensetzung und auch nicht die gleiche Wirkung haben.“ Genau das sei auch der Unterschied zum Kamillentee, den man im Lebensmittelgeschäft bekomme. Dabei handle es sich entweder um „ältere Ware“, die nicht mehr den nötigen Ölgehalt habe, oder nicht ausschließlich aus echter Kamille bestehe. Beim Arzneitee sei jeder Beutel einzeln versiegelt, damit der vom Arzneibuch verordnete ätherische Ölgehalt bis Ende der Haltbarkeit erhalten bleibt.

„Wer gerne Kamillentee trinkt, der ist auch beim herkömmlichen Produkt aus dem Supermarkt gut aufgehoben. Die arzneiliche Wirkung ist jedoch bei Weitem nicht so“, sagt der Apotheker.

Schon 1987 wurde die echte Kamille vom Verband Deutscher Drogisten (VDD) zur „Arzneipflanze des Jahres“ gekürt. 2002 war sie obendrein „Heilpflanze des Jahres“. Nachgewiesen sind ihre anti-entzündliche, anti-bakterielle und krampflösende Wirkung. „Ursprünglich kommt sie aus Süd- und Südost-Europa.

Mittlerweile wird sie in ganz Europa, Bulgarien, Ägypten und Argentinien angebaut“, sagt Dickmeis. Für die arzneiliche Anwendung würden ausschließlich die Blüten benutzt, da hier der höchste Ölgehalt zu finden sei. Dieser macht etwa 0,3 bis 1,5 Prozent der Pflanzenmasse aus.

„Wichtig sind die beiden Wirkbestandteile Chamazulen und α-Bisabolol.“ Studien wiesen nach, dass Chamazulen, welches nach Destillation durch eine blau-violette Färbung besticht, eine entzündungshemmende Wirkung entfacht. Auch Bisabolol wirkt entzündungshemmend auf Haut und Schleimhäute. Verwendet wird es etwa zur Hautregeneration und Wundheilung beispielsweise nach einer Verbrennung oder bei Sonnenbrand.

„In einigen Fällen wird ein Kamillenblüten-Extrakt in Form von Cremes verwendet. Meistens macht man aber eine frische Abkochung“, so der Fachmann. Getrunken werde der Tee wiederum bei Magen-Darm-Beschwerden oder Blähungen.

Eine kurzfristige Inhalation kann bei Erkältungen helfen. Man wisse aber, dass eine langfristige Anwendung nicht angeraten sei. Da die Kamille dann wahrscheinlich eher austrocknend und kontraproduktiv wirke. Über einen längeren Zeitraum sollten besser Thymian oder entsprechende Cremes zum Einreiben zum Einsatz kommen.

„Kamillentee sollte niemals am Auge verwendet werden“, warnt Dickmeis. Der Grund: Das getrocknete Biomaterial ist nie zu 100 Prozent keimfrei. Hier gäbe es bessere Alternativen wie Euphrasia-Augentropfen. Augentrost (Euphrasia officinalis) wird seit Jahrhunderten zur Augenbehandlung eingesetzt. Zu beachten sei auch das allergische Potenzial der Kamille, die aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) stammt.

Eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten sei hingegen nicht bekannt. „Grundsätzlich kann man mit Kamille nichts falsch machen. Eine Überdosierung gibt es nicht.“

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