Die Alleskönnerin

Am 20. November ist Lebertag in Deutschland. Anlass, sich zusammen mit Dr. Bayerdörffer über das zentrale Organ des Stoffwechsels Gedanken zu machen

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Dr. Bayerdörffer plädiert dafür, einmal im Jahr die Leberwerte und Blutfette kontrollieren zu lassen.
Foto: ©Klinikum Main-Spessart

„Wenn die Leber ein modernes High-Tech-Gerät wäre, hätte sie vermutlich ein hervorragendes Image als zuverlässige Alleskönnerin und einen hohen Bekanntheitsgrad“, so die Deutsche Leberhilfe e.V. Denn, sie ist „das wichtigste Organ für Stoffwechsel und Entgiftung im Körper“ und bewältige Aufgaben in den Bereichen Ausscheidung, Abwehrfunktion und bei der Regulierung des Blutvolumens. Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung setzen ihr jedoch zu. Sie lagert Fett ein. Die Folge: „Aus dem leistungsfähigen Organ wird eine kranke Fettleber, die sich entzünden und eine Fibrose entwickeln kann.“

Fettleber auf dem Vormarsch

Die Mit-Ausrichter des Deutschen Lebertags warnen: Jeder dritte Bundesbürger über 40 sei bereits betroffen, sogar Kinder könnten eine sogenannte nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) haben.
„Die Leber hat mehrere Tausend Stoffwechselvorgänge“, informiert Dr. Ekkehard Bayerdörffer, Arzt für Innere Medizin und Gastroenterologe am Klinikum Main-Spessart in Lohr am Main. Auch der erfahrene Oberarzt kann eine Zunahme der NAFL bestätigen. „Nahezu jeder Mitteleuropäer mit Übergewicht hat auch eine Fettleber.“ Sie alleine sei jedoch nicht tödlich, stellt er klar. Ernst werde es erst, wenn sich das Organ entzünde und aus der Fettleber etwa eine Fettleber-Hepatitis (NASH) werde und das dann in eine Leberzirrhose übergehe. Diese Rate sei jedoch klein. Auch das Deutsche Ärzteblatt spricht hier von zehn Prozent der NAFL-Patienten, die in eine NASH übergehen und wiederum zehn Prozent, die eine Zirrhose entwickeln.

Chronische Lebererkrankungen

Gefährlich seien Dr. Bayerdörffer zufolge in erster Linie chronische Entzündungen der Leber, wie zum Beispiel Hepatitis B (HBV) und Hepatitis C (HCV). Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert seit einiger Zeit, die Überprüfung der Leberwerte als festen Bestandteil in den „Check-up 35 plus“ aufzunehmen.

Der Mediziner aus Lohr hält diesem Präventionsgedanken entgegen: „Wenn der Hausarzt Blut nimmt, sind in der Regel alle wichtigen Leberwerte mit enthalten.“ Das Problem bestehe darin, dass aus erhöhten Leberwerten häufig keine Konsequenzen gezogen würden, außer dem Patienten zu raten, nicht so viel Alkohol zu trinken. Das gehe am Problem vorbei, da es sich beim alkoholbedingten Leberschaden um eine Ausschlussdiagnose handle. Dabei seien alle, auch die seltenen Lebererkrankungen, behandelbar. Zudem könne eine Entzündung, wie chronische Hepatitis B oder chronische Hepatitis C in jedem Lebensalter auftreten.

Der Arzt hält daher einen Stufenplan für sinnvoller. Zu beachten seien hier vor allem folgende Werte des Hausarztlabors: Zum einen die zwei Transaminasen, die sogenannte Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT) und die Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT), die bei gleichzeitiger Erhöhung einen Leberzellschaden, wie eine Leberentzündung anzeigen. Zum anderen die Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT) und die alkalische Phosphatase (AP), die, wenn zusammen erhöht, eine Behinderung des Gallenflusses und damit eine mögliche Lebererkrankung anzeigen.

Die Beurteilung erstmals erhöhter Leberwerte müsse natürlich stets auch im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten beurteilt werden und nach einer eventuellen Nachjustierung sollte im Abstand von vier bis sechs Wochen eine weitere Kontrolle erfolgen.

„Wenn die Leberwerte dann immer noch erhöht sind, gilt es in der nächsten Stufe das zu untersuchen, was häufig ist, nämlich die Serologie bezüglich Hepatitis B und C.“ Könne auch das ausgeschlossen werden, wird nach seltenen, chronischen Leberentzündungen gefahndet. Im Einzelnen: Primär Biliäre Cholangitis (PBC), Autoimmunhepatitis (AIH), Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC), Hämochromatose, Morbus Wilson und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.

Präventive Maßnahmen

Zum präventiven Blick auf die Leber gehöre laut Dr. Bayerdörffer aber auch die Beachtung der Richtwerte für Blutfette, wie Cholesterin und Triglyceride, die auch im Hausarzt-Labor enthalten seien. Hier könnte der Arzt ebenfalls entsprechende Konsequenzen für die Ernährung ableiten. Denkbar wäre daneben eine LDL-Senkung mittels Cholesterin-Synthese-Hemmern.

„Man muss heute davon ausgehen, dass eine frühzeitige Gegensteuerung gegen zu hohes Cholesterin eine sinnvolle Maßnahme ist, um einer Erkrankung der Gefäße und Organe wie der Leber vorzubeugen“, so der Mediziner. Wichtig: Es gibt auch angeborene Fettstoffwechselstörungen, bei denen „ab einer gewissen Ausprägung“ medikamentös eingegriffen werden muss.

„Der Hausarzt sollte also immer beachten, worin bei jedem Patienten das individuelle Problem besteht.“

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