Das richtige Gericht zur richtigen Zeit!

CCC bietet Reiser-Kochkurse für onkologische Patienten an

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„Dinge, die ich jeden Tag tue, etwa essen oder sich bewegen, haben immensen Einfluss auf die Krebs-Erkrankung. Im Umkehrschluss heißt das, dass jeder es selbst in der Hand hat, zu seiner Gesundung aktiv beizutragen“, betonen Onkologin Dr. Claudia Löffler und Ernährungswissenschaftlerin Lisa Schiffmann vom CCC. Foto: Susanna Khoury

Vorspeise: regionale Antipasti aus dem Ofen mit Blattpetersilienpesto und Kräutersalat. 2. Gang: Saiblingsnockerl mit Kokos-Gemüsecurry und Vollkornreis. 3. Gang: Soufflé vom Perlhuhn mit Lupinen-Kartoffelstampf. Dessert: Mangosalat mit Minze und selbstgemachtem Vanilleeis.

Die Teilnehmer des ersten Reiser-Kochkurses für Krebspatienten waren begeistert und vor allem überrascht, dass Kost, die für ihre Gesundung angeraten ist, so lecker sein kann.

Soulfood statt Superfood (wir berichteten in der Oktober-Ausgabe 2017) ist das Konzept des Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC) mit Onkologin und Ernährungsmedizinerin Dr. Claudia Löffler und Ernährungswissenschaftlerin Lisa Schiffmann, die sich in Kooperation mit Foodcoach Bernhard Reiser Kochkurse für onkologische Patienten und deren Angehörige ausgedacht haben.

Die Teilnehmer des ersten Kurses kamen nicht nur in den Genuss von vollwertigen Tipps bei der Zubereitung von gesundem Essen, sondern kochten, probierten aus, lachten und aßen am Schluss das selbstgekochte Vier-Gänge-Menü gemeinsam mit ihren Mitstreitern – im Kurs und gegen die Krankheit.

Auch Sternekoch Bernhard Reiser betrat mit diesem Kochkurs Neuland: Pflanzenbasiert soll Ernährung in der Onkologie sein, wenig Zucker enthalten, eiweißreich sein und nach Möglichkeit mit Trinknahrung angereichert werden können (Stichwort: Mangelernährung) und als Variante auch für Patienten mit Schluckstörungen genießbar sein.

„Ähnlich wie bei der Profisport-Ernährung muss man durch Wissen und Kreativität Rezepte entwickeln, die sich so runterbrechen lassen, dass jeder Teilnehmer zuhause etwas damit anfangen kann“, erzählt Reiser von der Herausforderung dieses Kurses. „Es kommt auf den Fokus an: Sollen etwa Schluckbeschwerden gemildert oder muss Gewicht zugelegt, also der Patient gefestigt und aufgebaut werden. Zusammen mit dem Anspruch, in angenehmer Atmosphäre schmackhaft zu kochen, sodass Liebe und Geborgenheit im Vordergrund stehen, da sind wir beim klassischen Soulfood“, so der leidenschaftliche Koch.

Foodcoach Bernhard Reiser. Foto: ©Schmelz Fotodesign

„Essen für die Seele“, ganz wichtig, wenn es einem nicht so gut geht … die Teilnehmer waren eine gemischte Truppe, berichtet die Fachärztin für Innere Medizin Claudia Löffler: „Es sind Patienten dabei gewesen, bei denen das Therapieende schon eine Weile her war, welche, die sich just am Ende der Therapie befanden, aber auch welche, die gerade noch Chemo bekommen haben.“

Es gebe Krebspatienten während der Chemo, die sich fit genug fühlten, zwei bis drei Stunden an so einem Event teilzunehmen, so Dr. Löffler. Mit den Kursen ist es wie mit Essen im Allgemeinen: Es muss das richtige Gericht zur richtigen Zeit sein! Und das ist eine höchst persönliche Geschichte, da kann keiner reinreden.

Die Kurse, die vorerst bis Mai 2019 angeboten werden, sollen Inspiration für onkologische Patienten sein, mit Zutaten aus der Region frisch, gesund und lecker zu kochen. Ausgewogenheit ist ebenso ein Stichwort: „Im ersten Kochkurs fanden sich neben dem ‚Star des Tages‘, dem Gemüse, auch, Eier, Fleisch, Fisch, Kräuter, Algen, Obst und Eis“, schwärmt Ernährungsberaterin im CCC, Lisa Schiffmann.

Onkologische Ernährung solle zur Hälfte aus Gemüse, und je zu einem Viertel aus Eiweiß und Kohlehydraten bestehen, empfiehlt Ernährungsmedizinerin Dr. Löffler.

Hingegen betont sie ebenso: „Auch wenn Ernährung eine Wissenschaft ist, Krebspatienten sollten im Alltag keine daraus machen!“ Wenn einem gerade nicht nach Grünkohl ist, dann müsse der auch nicht auf den Speiseplan, nur weil er vielleicht anempfohlen sei.

„Wir können nicht auf der einen Seite onkologischen Patienten raten, Stress zu vermeiden und andererseits über die Ernährung wieder Stress aufbauen“, so die Onkologin.

Achtsam sein und auf die Stimme des Körpers hören, seien neben Freude und Genuss wichtige Bausteine auf dem Weg in ein gesundes Leben.

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