Appetizer

Bernhard Reiser über Essen, das Lust macht bei Appetitlosigkeit und Libido-Verlust

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Während Hunger sich körperlich bemerkbar mache, sei Appetit eine psychische Geschichte, meint Foodcoach Bernhard Reiser. Die Laune verhageln und so den Appetit verderben, könne da schon ein Streit mit dem Partner. Foto: ©Norbert Schmelz Fotodesign

„Auf dem Teller muss es knallen“, sagt Bernhard Reiser, der sich mit Appetitlosigkeit (Inappetenz) intensiv befasst hat, vor allem bei den Kochkursen für onkologische Patienten, die er zusammen mit dem Würzburger Universitätsklinikum anbietet (Lebenslinie berichtete). Es müsse mit Farbe, Frische und Fantasie sowie einer großen Portion Liebe gekocht und angerichtet werden, so der Foodcoach, der weiß, dass Appetitlosigkeit oft ein psychisches Problem ist.

Appetit wird voranging von zwei Organen gesteuert, einmal vom Gehirn, das bei farbenfrohen und lecker duftenden Speisen Botenstoffe aussendet, und zum anderen vom Magen, der vermehrt Speichel, Darm- und Magensäfte produziert, um sich so auf die Nahrungsaufnahme vorzubereiten. Beide Organe bereiten dem Hunger den Weg.

Appetit bedeutet Lust auf Essen und Genuss. Wenn der Appetit streikt, sei das zwar oft eine Begleiterscheinung von Krankheiten wie Krebs, Gastritis, Depression, oder Unterfunktion der Schilddrüse, könne aber auch bei Stress, Trauer oder im Alter auftreten. Daher sollte man nicht nur auf den „Inhalt“ des Essens, sondern ebenso auf die „Verpackung“ schauen. Wenn das Drumherum passt und der Appetit sich dennoch nicht einstellen mag, rät Reiser zu Kräutertees aus Ingwer, Schafgarbe, Löwen- zahn, Enzianwurzel oder Pfefferminze. Appetizer in Form von Kräutern und Gewürzen sind für den Sternekoch Chili, Paprika, Curry, Dill, Pfeffer, Basilikum, Korian- der oder Estragon.

„Bremswirkungen, was den Appetit anbelangt, haben Fett und Alkohol“, so Bernhard Reiser. Ausnahme seien bittere Aperitifs wie Aperol, Campari oder Cynar auf Artischoken-Basis als Starter oder auch Bier, wegen der Bitterstoffe im Hopfen. Appetitanregende Pflanzen seien Zwiebeln, Knoblauch, Chicorée, Petersilie oder etwa Rettich. Ebenso könne Bewegung an der frischen Luft oder autogenes Training etwa progressive Muskelentspannung nach Jakobsen mangelndem Appetit entgegenwirken.

Appetithemmend in Bezug auf die Libido sei der Kopf, so Reiser. Klar gebe es aphrodisierende Speisen und das schon seit der Antike. Doch seiner Meinung nach, sei da viel Placebo-Wirkung dabei: „Wenn ich so gar keine Lust auf Lust habe, kann ich essen, was ich will …!“ Lust entstehe im Gehirn, besser gesagt im Hypothalamus, der Hirnregion, die eine Verbindung zwischen Nervensystem und Hormonen herstellt. Auch Libido-Verlust geht oft mit physischen Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder bestimmten Lebensabschnitten einher.

Die Liste der möglichen Ursachen ist genauso lang wie bei Appetitlosigkeit. Aber auch hier empfiehlt Bernhard Reiser, das Auge für das Drumherum zu schärfen: Lust auf mehr, mache ein schönes Ambiente, tolle Gesellschaft und anregende Gespräche. Wenn man dann noch mit Champagner und Austern startet, mit Hähnchenbrust auf Brennnessel-Sellerie-Salat und Kaviar weitermacht und in einem Traum aus Erdbeeren- und Safran-Schokoladen-Eis gipfelt, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen …!

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