Am Ende schmerzfrei

Dr. Karin Greiner-Simank über Enddarmprobleme

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Dr. Karin Greiner-Simank bemüht sich seit vielen Jahren Enddarmprobleme aus der Tabuzone zu holen. „Die proktologischen Sprechstunden sind übervoll, die Nachfrage riesig“, so die Chirurgin. Leider werde oft viel zu lange gewartet, bis man sich „traut“ mit Analfissuren oder Hämorrhoiden zum Arzt zu gehen. Foto: © Dita Vollmond

„Wenn ein Patient zu mir sagt: ‚Ich sehe hellrotes Blut im Stuhl‘, atme ich als Ärztin erst einmal durch“, erzählt die Chirurgin Dr. Greiner-Simank. „Patienten denken bei sichtbarem Blut im Stuhl fast immer zuerst an einen Tumor“. Frisches Blut, gepaart mit brennenden oder stechenden Schmerzen im Endarmbereich, deute aber oft auf harmlose, aber lästige Enddarmbeschwerden wie Analfissuren (schmerzhafter Einriss der Haut am After) oder Hämorrhoiden (vergrößerte und oft auch tiefer getretene Blutgefäße im Bereich des Enddarms, die in der Regel Nässen, Bluten und Juckreiz verursachen) hin, weiß Dr. Greiner-Simank.

Sie praktiziert vorwiegend als Proktologin. Sie habe sich das Fach nicht ausgesucht, sondern das Fach habe sich sie ausgesucht, antwortet die Vollblutmedizinerin auf meine Frage, warum sie eine Spezialistin für Enddarmbeschwerden geworden ist. Die engagierte 53-Jährige mit Zusatzausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) reagierte auf die hohe Frequentierung der proktologischen Sprechstunde und versucht durch ihre Fokussierung nun schon seit 13 Jahren, Enddarmproblematiken aus der Tabuzone zu holen.

Es falle Betroffenen nach wie vor schwer, über die Intimzone „After“ zu sprechen, was zur Konsequenz habe, dass Beschwerden bis zum Geht-nicht-mehr ausgehalten werden, so Greiner-Simank. „Die psychogene Komponente spielt bei Enddarmproblematiken eine große Rolle“, so die Ärztin, „sowohl bei der Entstehung als auch bei der Diagnose und Therapie!“ Beispielsweise habe sie viele Studenten mit Analfissuren, die sich im Prüfungsstress befinden, also von früh bis spät auf dem Hosenboden sitzen und lernen.

Sowohl das pausenlose Sitzen als auch die psychische Anspannung wegen des bevorstehenden Examens, begünstige Fissuren und Hämorrhoidalleiden. Fehlende Bewegung, „falsche“, sprich ballaststoffarme Ernährung sowie zu wenig Flüssigkeitszufuhr tun ihr Übriges. Von der TCM kommend schaut sich Dr. Greiner-Simank ihre Patienten dahingehend noch mal genauer an, und spricht oft individuelle Ernährungsempfehlungen aus. Gerade bei Darmproblemen könne man über die Ernährung viel erreichen etwa eine Regulierung des Stuhlgangs, die in sehr hohem Maße für die dauerhafte Heilung verantwortlich sei, betont Karin Greiner-Simank.

„Alles, was nicht von selbst geht, ist schon eine Entleerungsstörung“, so die Expertin. Normalerweise trete der Stuhl ohne Probleme ans Tageslicht, sei geformt und geschmeidig und komme ohne Bauchpresse oder andere Hilfestellungen am Ende raus. Das müsse bei Weitem nicht täglich, solle aber kurz und schmerzlos sein! Zu harter Stuhl sei „Gift“ für den Schließmuskel und verursache auf Dauer Enddarmprobleme. Einmal zugezogen bekomme man einen großen Anteil der Beschwerden durch Salben und Zäpfchen (aus der Schulmedizin oder aus der Naturheilkunde) sowie der Gabe von Magnesium als Globuli und/oder Pulver auch wieder los, erzählt die Proktologin.

Ihre Therapieempfehlungen zielen immer darauf ab, am Ende schmerzfrei zu sein. Bei milderen Beschwerdebildern schwört die Medizinerin etwa auf Präparate mit Quercus-Anteilen (Eichenrinde). Als Salbe oder Zäpfchen wirkten diese entzündungshemmend und juckreizlindernd. Sowohl bei Analfissuren als auch bei Hämorrhoiden bedürfe es nicht selten dennoch einer Operation, so die Ärztin.

Bei Hämorrhoiden müsse in der Regel erst ab Stufe 3 oder 4 zum Skalpell gegriffen werden. Stufe 1 könne man meist konservativ oder durch eine kleine Unterspritzung behandeln. Stufe 2 verarzte man ambulant, indem man die Hämorrhoide mit einem Gummiband abbinde. Der Rest ist in der Regel Geschichte und verschwinde beim nächsten Toilettengang in den Untiefen der Kanalisation.

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