Aktiv üben, passiv unterstützen!

Reha-Facharzt Thomas Löb über zeitgemäße Rehabilitationsmedizin

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Foto: Thomas Löb ©flownet Claus Speier (www.flownet.de) | CAO Photograhie (www.
carolinvolk.com)

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation umfasst Rehabilitation (Reha) „den koordinierten Einsatz medizinischer, sozialer, beruflicher, pädagogischer und technischer Maßnahmen sowie Einflussnahmen auf das physische und soziale Umfeld zur Funktionsverbesserung, zum Erreichen einer größtmöglichen Eigenaktivität, zur weitestgehend unabhängigen Partizipation in allen Lebensbereichen, damit der Betroffene in seiner Lebensgestaltung so frei wie möglich sein wird.“

Diesen durchaus ambitionierten Anspruch zeitgemäßer Rehabilitationsmedizin an umfassende Diagnostik, Therapie und Gesundheitsbildung versuche die Klinik Frankenwarte in Bad Steben täglich in ihrer orthopädischen Reha-Praxis umzusetzen, sagt Thomas Löb, Oberarzt und Ärztlicher Leiter der orthopädischen Rehabilitation der Einrichtung der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern. Doch wie läuft eine orthopädische Reha in Bad Steben konkret ab, das wollte die Lebenslinie-Redaktion wissen.

Lebenslinie (LL): Bad Steben ist eines der wenigen Bäder in Europa mit gleichzeitigem Vorkommen von Radon, Kohlensäure und Moor. Welchen Vorteil hat das für orthopädische Reha-Patienten?
Thomas Löb (TL): „Diese drei klassischen in Bad Steben ortsständigen Naturheilmittel stellen seit den Anfängen des Kurbetriebs tragende Säulen im Behandlungsangebot dar und sind sämtlich in unserer Klinik Frankenwarte verfügbar. Regelmäßig nachgefragt ist die serielle Anwendung von Radonquellen-Wannenbädern. Diese sind bei Patienten mit chronisch entzündlichen (rheumatischen) oder verschleißbedingten (degenerativen) Erkrankungen von Gelenken wissenschaftlich erforscht. Das im Badewasser gelöste Edelgas Radon wirkt aufgrund seiner physikalischen Wirkung (Alpha-Strahlung) modulierend auf das Immunsystem des Organismus ein und beeinflusst dadurch den Verlauf von Entzündungen in positiver Weise. Die Ausschüttung entzündungshemmender Substanzen wird angeregt, entzündungsfördernde Botenstoffe werden gehemmt.“

LL: Welche Bereiche umfasst eine orthopädische Reha?
TL: „Bei muskuloskeletaler (orthopädischer, unfallchirurgischer und rheumatologischer) Reha steht zu Beginn der diagnostischen und therapeutischen Überlegungen üblicherweise ein körperbezogener Krankheits- respektive Schädigungsbefund des Stütz- und Bewegungssystems. Dieser ist oft durchaus komplex. Entsprechend ist das Erstellen eines individuellen Therapieplans mit aktiv übenden und unterstützenden passiv physikalischen Elementen zur Behandlung einer Polyarthrose oder einer Polyarthritis (also einer chronischen verschleiß- oder entzündungsbedingten Mehrgelenkerkrankung) keineswegs etwas Triviales. „Wenn sich eine Schmerzkrankheit chronifiziert hat und damit der Schmerz seine schützende physiologische Funktion verloren hat, ist ein rein körperbezogener Behandlungsansatz allein nicht erfolgversprechend.“ Erforderlich ist dann die koordinierte Therapie durch ein interdisziplinäres Reha-Team unter ärztlicher Leitung (bedarfsweise auch geeigneter Arzneiverordnung). Zudem die Einbeziehung von Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sport- und Bewegungstherapie (auch gerätebasiert), physikalischen Anwendungen, schmerzbezogener Reha-Pflege (Pain nurse) und bei Bedarf auch klinischer Sozialarbeit.“

LL: Wie unterscheiden sich eine Reha von Knie, Hüfte, Schulter oder Fuß?
TL: „Obwohl Konstruktion und Biomechanik unserer Gliedmaßengelenke enorme Unterschiede aufweisen, vollziehen sich Verschleißprozesse oder Entzündungsfolgen an großen und kleinen, an tragenden und nicht gewichtbelasteten Gelenken nach jeweils vergleichbaren Mustern. So werden etwa in der Anschlussheilbehandlung nach der operativen Versorgung von Patienten mit künstlichem Hüftgelenk einerseits oder künstlichem Kniegelenk andererseits in beiden Fällen die Methoden physikalischer Therapie genutzt mit dem gleichen Ziel einer Stoffwechselberuhigung und Entstauung des betroffenen Gelenks respektive Beines. Es werden also für beide Patientengruppen beispielsweise kühlende Lokalbehandlung und Lymphdrainagen verordnet (und eben nicht Wärme oder Massagen). Auch die Kleingruppenbehandlung, welche etwa Bewegungsbad, Ergotherapie, Gehschule oder etwa Alltagstraining umfasst, kann teilweise diagnoseübergreifend durchgeführt werden. Dem gegenüber kann in Einzeltherapien gezielt auf Besonderheiten des jeweils betroffenen Gelenks eingegangen werden. Schonungsbedingten Fehlhaltungen, unphysiologischen Bewegungsabläufen, Dysbalancen im System von Muskulatur, Faszienapparat, Sehnen und Bändern wird durch ein individuell abgestimmtes Übungsprogramm so gezielt entgegengewirkt.“

LL: Wie lange ist der Aufenthalt für welches Reha-Ziel geplant?
TL: „Standard sind drei Wochen. Gelegentlich kann eine Verlängerungswoche begründet sein. Wichtig ist mir zur Verstetigung eines nachhaltigen Reha-Erfolgs die konsequente Nachsorge. Will heißen, das Weiterführen der in der Reha erlernten krankengymnastischen Übungen und Entspannungstechniken, sowie geeignete sportliche Betätigung und eine im ganzheitlichen Sinn gesundheitsorientierte Lebensführung.“

Das Interview mit Thomas Löb, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sozialmedizin, Manuelle Medizin und Chirotherapie in der Klinik Frankenwarte in Bad Steben, führte Lebenslinie-Chefredakteurin Susanna Khoury.

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