Achtung keine Arznei!

Apotheker Michael Dickmeis rät zum bedachten Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln

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Der „Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst jährlich um sechs Prozent“, titelte das Ärzteblatt¹ im April. 2018 habe er einen Wert von 2,1 Milliarden Euro erreicht. Die Anwendungsbereiche „reichen von klassischen Mineralstoffen und Vitaminen über spezielle Präparate, die der Herz- und Kreislaufgesundheit oder der Schönheitspflege von innen dienen sollen.“

Apotheker Michael Dickmeis hört das und mahnt zum besonnenen Umgang. „Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Rechtlich gesehen sind es keine Arzneimittel.“ Sie unterlägen nicht den Regularien von Arzneien und müssten deshalb auch nicht zugelassen werden. Der Inhaber der Sonnen-Apotheke in Würzburg rät, sich die Hersteller genau anzusehen. Vertrauenswürdige Hersteller stammten aus dem pharmazeutischen Markt und stellten nach entsprechenden Qualitätskriterien her. Produzenten aus dem Lebensmittelbereich würden diese Qualität nicht zwangsläufig bieten.

Besondere Vorsicht sei geboten beim Kauf von ausländischen Produkten im Internet. „Wenn es aufgrund von Mangelzuständen zu Krankheiten oder aufgrund von Krankheiten zu Mangelzuständen kommt, dann kann ein Nahrungsergänzungsmittel gezielt für diese Situation sinnvoll sein“, sagt Dickmeis.

Beachtet werden müssten aber immer die empfohlenen Verzehrmengen, die Wechselwirkungen mit Medikamenten, etwa für die Schilddrüse, und Therapien, die im Bereich des Immunsystems angesiedelt seien. Hier sei immer eine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich. Von breit aufgestellten Multi-Vitamin-Präparaten rät er generell ab. Die Aufnahme dieser sollte auch über eine ausgewogene und gesunde Ernährung möglich sein, so der Experte. „Es gibt aber Ernährungsformen, wie vegetarisch oder vegan, die Mangelerscheinungen begünstigen“, weißt Dickmeis etwa auf einen B12-Mangel hin, der auftreten kann.

Hier müsse substituiert werden – auch, wenn derjenige gesund sei. Und wann ist der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln darüber hinaus sinnvoll? „In der Schwangerschaft“, so Dickmeis, der hier an einen erhöhten Bedarf unter anderem an Folsäure und Jod, aber auch an B-Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren denkt. „Und immer dann, wenn ich mit meinem Körper Raubbau betreibe“, sagt Dickmeis und verweist auf Suchtmittel wie Alkohol oder Nikotin, aber auch auf Stress. Bei Stress könne etwa Magnesium mit auf die Entspannung wirken, ebenso bei Sportlern, die unter Krämpfen leiden.

„Bei den sogenannten Raucher-Vitaminen weiß man mittlerweile, dass Carotine und Vitamin- A in diesem Zusammenhang das Krebsrisiko sogar erhöhen.“ Gefährlich werde es auch bei Vitamin-E, das einst bei entzündlichen Gelenkserkrankungen sehr hoch dosiert geschluckt wurde. „Heute ist klar: Vitamin-E ist zwar wichtig, aber eingenommen über einen langen Zeitraum und in höherer Dosierung, steigt statistisch gesehen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Auch die Calcium-Einnahme zur Osteoporose-Vorbeugung werde heute hinterfragt.

Mittlerweile sei klar: „Das größere Problem ist der Vitamin-D-Mangel. Dessen Spiegel muss stimmen.“ Hier sei es auch sinnvoll, in unseren Breitengraden zu substituieren.

Quellen: ¹https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102188/Markt-fuer-Nahrungsergaenzungsmittel-waechst-jaehrlich-um-sechs-Prozent

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