Achtsam Ausbalancieren

Weinbergsmeister Lothar Flößer über ökologische Bewirtschaftung der Weinlage „Vogelsburger Pforte“ in Volkach

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„Beim Ökoweinbau befasst man sich noch intensiver mit den Rebstöcken, da man ja auf jede Möglichkeit des systemischen
Pflanzenschutzes verzichtet“, sagt Lothar Flößer, Weinbergsmeister des Weinguts der
Stiftung Juliusspital Würzburg. Foto: Lothar Flößer ©Martina Schneider/Stiftung Juliusspital Würzburg

„Ich bin gerne Ökowinzer“, sagt Lothar Flößer und lacht. Seit 2011 die Augustinusschwestern die Vogelsburg auf die Stiftung Juliusspital Würzburg übertragen haben, bewirtschaftet der Weinbergsmeister des juliusspitälischen Weinguts mit seinem 15-köpfigen Team der Weinbergsgruppe Iphofen auch die zweieinhalb Hektar großen Ökoweinberge unterhalb der Vogelsburg. Der Unterschied zum konventionellen Weinbau liegt hier in der Bearbeitung des Weinbergs mit dem Ziel, ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg zu erhalten.

„Dies erfolgt ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Substanzen“, erklärt Flößer. Das beginne bei der Düngung, bei der statt Mineraldünger Humus, Kompost oder andere organischen Nährstofflieferanten eingesetzt würden, und setze sich beim Pflanzenschutz fort. „Hier werden nur reiner Schwefel und Kupfer gegen den echten und falschen Mehltau eingesetzt und statt Schwefel in letzter Zeit häufig erfolgreich Backpulver (Natriumbikarbonat)“, so der Fachmann. „Außerdem müssen wir achtsam sein und mit Pflanzenstärkungsmitteln – unter anderem Tonerde und verschiedene Gesteinsmehle – die Widerstandsfähigkeit der Reben verbessern.“

Unkräuter im Weinberg werden ausgegrast, das heißt ohne chemische Herbizide entfernt. Zwischen den Rebzeilen säen die Fachleute Blühmischungen aus, um das Bodenleben und die Artenvielfalt in den Weinbergen so aktiv wie möglich zu erhalten. „Das zieht Nützlinge an, die die Schädlinge bekämpfen“, verdeutlicht Flößer. Natürlich sei ökologische Bewirtschaftung zeitaufwendiger als herkömmliche. Aber die „Vogelsburger Pforte“, so heißt die Weinlage unterhalb und um die Vogelsburg herum, sei auch ein Ort, an dem Ökoweinbau gut funktioniere.

Warum? „Das Gebiet ist windoffen, dadurch trocknen Laub und Trauben schnell ab, was es wiederum den Pilzsporen schwierig macht, sich dort anzusiedeln“, so der Weinbergsmeister. Viele Erfahrungen aus dem Ökoweinbau fließen heutzutage schon in den konventionellen Weinbau ein.

„Wir profitieren aus den Erfahrungen, die wir auf der Vogelsburg machen, und haben einige auch auf unsere anderen Lagen an der Mainschleife übertragen“, ist Flößer zufrieden. In der Weinlage „Vogelsburger Pforte“ werden Silvaner, Müller-Thurgau und Traminer angebaut. Diese Weine schenkt Christoph Tacke, Pächter von Hotel-, Restaurant- und Tagungszentrum Vogelsburg selbstredend zu frischen, regionalen, nachhaltigen und saisonalen Produkten aus, die er seinen Gästen im Restaurant und Weingarten serviert.

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