Zerstörte Straßen, verzweifelte Menschen

Instituts-Mitarbeiterin Hanne Fleischmann aus Mosambik zurück – Einsatz im Feldkrankenhaus des Roten Kreuzes – Menschen auf Cholera und Malaria getestet und Blutbank wieder aufgebaut

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Hanne Fleischmann in Nhamatanda im Labor des Feldkrankenhauses. Foto: Wolfgang Pentz/RK

Nhamatanda/Würzburg (MI) Die Regenzeit ist zu Ende, Überschwemmungen gibt es keine mehr. Aber der Zustand der Straßen erinnere noch an die Katastrophennacht, als vom 14. auf den 15. März Wirbelsturm Idai mit bis zu 190 Kilometern in der Stunde auf die Küste von Mosambik traf, erzählt Hanne Fleischmann. Die Lehr-MTA aus dem Missionsärztlichen Institut ist gerade von ihrem Einsatz in der Stadt Nhamatanda zurückgekommen.

In dem drei Autostunden von Beira entfernt liegenden Ort mit seinen etwa 40.000 Einwohnern und einem Einzugsgebiet von rund 300.000 Menschen hat sie vier Wochen lang in einem Feldhospital des Roten Kreuzes gearbeitet, in einem internationalen Team aus Ärzten, Krankenschwestern, Technikern, IT-Experten und Epidemiologen. Nhamatanda hat der Wirbelsturm zwar nicht so schwer getroffen wie die Hafenstadt Beira. Aber auch hier sei die Katastrophe noch gut sichtbar. „Die Hauptverkehrsstraße Richtung Simbabwe und Sambia war an mehreren Stellen einfach weggebrochen“, so Fleischmann.

Das Feldkrankenhaus war einige Wochen vor ihrer Ankunft vom Roten Kreuz nach Nhamatanda gebracht und auf dem Gelände der örtlichen Klinik aufgebaut worden. Fleischmann war im Cholera-Behandlungszentrum eingesetzt. Sie sorgte dafür, dass die Menschen fachgerecht auf Cholera und Malaria getestet wurden. Diejenigen, bei denen die Tests positiv waren, wurden auf der Cholera-Station mit ihren 36 Betten aufgenommen.

Bis zu Fleischmanns Abreise wurden nach deren Angaben 200 Cholerafälle identifiziert. Hauptinfektionsherd ist verschmutztes Wasser. Die Gemeinde und Rotkreuzhelfer desinfizierten Brunnen und verteilten Chlortabletten.

Klinik seit 20 Jahren ohne fließendes Wasser

Die örtliche Klinik funktioniert unter in Deutschland kaum vorstellbaren Bedingungen. Nicht erst seit dem Sturm, sondern bereits seit 20 Jahren habe das Krankenhaus kein fließendes Wasser, berichtet Fleischmann. Zum einen fehle das nötige Geld, zum anderen wüssten die Techniker nicht, wie sie eine funktionierende Wasserversorgung aufbauen können. Wenig optimistisch ist die Instituts-Mitarbeiterin, dass sich das Wasserproblem schnell in den Griff bekommen lässt. „20 Jahre ohne Wasser, das lässt sich nicht in vier bis sechs Wochen reparieren.“

Wassermangel im Labor

Vom Wassermangel war auch die Arbeit des Labors beeinträchtigt. „Dort stand ein großer Bottich, aus dem das Wasser über einen Wasserhahn entnommen wurde. Je länger es in dem Behälter stand, desto fauliger wurde es.“

Probleme gab es auch mit den Blutkonserven. Eigentlich sei die Blutbank gut aufgestellt gewesen. Durch den Wirbelsturm sei der Strom ausgefallen. Bei mehr als 30 Grad Celsius habe es nicht lange gedauert, bis sämtliche Blutkonserven ohne die notwendige Kühlung verdorben waren, sagt Fleischmann. Sie und ihr Team haben die Blutbank wieder aufgebaut. Mit Hilfe einer Kampagne an einem Gymnasium gewannen sie 26 Spenderinnen und Spender. Mit Saft, Keksen und einem Mittagessen wurden die Freiwilligen belohnt.

Nun gilt es laut Fleischmann, die zerstörten Häuser so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Die einfachen Holzhütten mit ihren Wellblechdächern habe der Sturm wie Streichholzschachteln weggefegt. Die Menschen seien traumatisiert, viele hätten alles verloren, Hab und Gut, ihre Felder und viele auch Angehörige. „Es hat wieder einmal die Ärmsten der Armen getroffen“, stellt sie fest. Zurück in Würzburg, habe sie dieselben Gedanken wie nach jedem ihrer Katastropheneinsätze: „Dann bin ich dankbar, dass ich in Deutschland leben darf – mit Licht, das auf Knopfdruck funktioniert, und mit Wasser aus dem Wasserhahn.“

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