Wenn Jugendliche Hart am Limit Alkohol konsumieren

Zehnjähriges HaLT-Jubiläum Standort Würzburg

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Eine Geburtstagstorte durfte zum zehnjährigen Jubiläum des HaLT-Projekts zur Prävention gegen jugendlichen Alkoholmissbrauch nicht fehlen. Über die erfolgreiche Zusammenarbeit bei HaLT freuen sich (v.l.) Christina Bender (BRK), Prof. Dr. Christina Kohlhauser-Vollmuth (Missio-Klinik), Landrat Eberhard Nuß, Stephan Junghans (Kreisjugendamt), Prof. Dr. Johannes Wirbelauer (Uni-Kinderklinik), Dr. Joachim Stenzel (Main-Klinik Ochsenfurt), Dr. Markus Schubring (Juliusspital) und Magdalena Schlereth (Gesundheitsamt).
Foto: Eva Schorno

Mehr als 100 Kinder und Jugendliche werden pro Jahr mit einer Alkoholvergiftung in Würzburger Kliniken eingeliefert. Seit zehn Jahren kümmern sich die Berater des Projektes „HaLT – Hart am Limit“ um eine pädagogische Nachsorge der Betroffenen – wenn diese und ihre Eltern dies wünschen.

HaLT – Hart am Limit – steht für ein bundesweites Projekt zum Thema Alkoholprävention. Es geht dabei um die unmittelbare sozialpädagogische Nachbetreuung von komatös eingelieferten Kindern und Jugendlichen in die Kliniken in Stadt und Landkreis Würzburg. Das heißt, die Minderjährigen werden zunächst medizinisch versorgt, danach informiert das Klinikpersonal das Bayerische Rote Kreuz, dessen Mitarbeiter wiederum einen der derzeit zehn Berater des HaLT-Projekts über die eingelieferten Jugendlichen. Die HaLT-Berater führen in der Klinik ein Erstgespräch mit den betroffenen Minderjährigen und den Eltern. „Unmittelbar zur Entlassung aus dem Krankenhaus ist die Bereitschaft meist noch da, über den Alkoholmissbrauch zu sprechen“, weiß Magdalena Schlereth, die gemeinsam mit Stephan Junghans das Projekt am Landratsamt Würzburg verantwortet.

In zehn Jahren 478 Kinder und Jugendliche betreut
Im Mai 2018 feierte der Würzburger HaLT-Standort sein zehnjähriges Jubiläum.
Das Projekt wurde im Jahr 2002 in Lörrach ins Leben gerufen und 2008 in Bayern gestartet. Der Standort Würzburg war also einer der ersten in Bayern. Insgesamt wurden in den zehn Jahren HaLT am Standort Würzburg 478 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren erreicht. Neben der Erstintervention noch in der Klinik gibt es einen eintägigen Risiko-Check, bei dem der Vorfall der Alkoholintoxikation nochmals beleuchtet und eine Zielvereinbarung mit dem Jugendlichen getroffen wird.

Zum zehnjährigen Jubiläum folgte auf eine Arbeitssitzung, bei der mit den Vertretern der beteiligten Kliniken in Stadt und Landkreis Würzburg sowie dem Bayerischen Roten Kreuz und den Projektverantwortlichen Magdalena Schlereth und Stephan Junghans fachliche Themen und zukünftige Möglichkeiten der Zusammenarbeit erörtert wurden, ein kleiner Festakt. Landrat Eberhard Nuß lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und den Erfolg des Projektes. Das HaLT-Projekt sei ein wertvoller Baustein in der Palette der präventiven Maßnahmen gegen jugendlichen Alkoholmissbrauch, die Gesundheitsamt und Jugendamt seit mehr als 25 Jahren ergreifen, so der Landrat.

Jugendliche mit bis zu 2,6 Promille Blutalkohol
Kreisjugendpfleger Stephan Junghans führte mit einem Vortrag durch zehn Jahre HaLT in Würzburg. Danach leitete Magdalena Schlereth ein moderiertes Pressegespräch, bei dem die Klinikvertreter über ihre Erfahrungen mit dem Projekt berichteten. Auffällig waren die teils sehr hohen Promillewerte der Kinder und Jugendlichen, Tendenz steigend. Teilweise mussten die Jugendlichen wegen aggressiven Verhaltens arretiert und in manchen Fällen in Windeln gelegt werden. Betroffen sind rund 61 Prozent Jungen und 39 Prozent Mädchen. Ein Wunsch der Klinikvertreter ist, dass HaLT auch auf die Zielgruppe junger Erwachsener bis 21 Jahre ausgedehnt wird, da hier eigentlich noch größerer Handlungsbedarf besteht.

Dr. Joachim Stenzel, Leiter der Abteilung Innere Medizin der Main-Klinik Ochsenfurt, betonte: „Ich bin sehr dankbar für das HaLT-Projekt, um Jugendliche auch nach der Entlassung aus der Klinik noch gut betreut zu wissen. Sonst bliebe bei uns Ärzten manchmal ein ungutes Gefühl.“ Die Reaktion der Eltern reiche vom Herunterspielen als Bagatelle bis zur Bestürzung, erklärten die Vertreter der kooperierenden Kliniken (Kinderklinik des Universitätsklinikum Würzburg, Klinikum Würzburg-Mitte – Standort Missio Kinderklinik und Juliusspital).

Was hat sich verändert in zehn Jahren HaLT-Projekt?
Der Altersdurchschnitt geht klar nach unten, von den früher 14- bis 16-Jährigen zu den zwölf- bis 14-Jährigen, so Prof. Dr. Christina Kohlhauser-Vollmuth vom Klinikum Würzburg-Mitte, Standort Missio Kinderklinik. Auch die Art des konsumierten Alkohols habe sich von Bier hin zu Alcopops und Wodka verschoben, kombiniert mit „neuen Drogen“ wie beispielsweise Cristal Meth. Auch die festgestellte Promillezahl steigt stetig nach oben: 1,4 bis 1,7 Promille sind die Regel, oft liege sie aber auch über 2 Promille. Dabei seien Fasching und Kiliani die Hochzeiten für den jugendlichen Alkoholmissbrauch. Insgesamt werden derzeit pro Jahr etwas mehr als 100 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert, davon rund 60 in die Kinderklinik des Universitätsklinikum Würzburg und 40 in das Klinikum Würzburg Mitte, Standort Missio Kinderklinik.

Wie kann man Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen?
Dr. Joachim Stenzel von der Main-Klinik Ochsenfurt sieht in einem erschwerten Zugang zu Alkohol einen Weg – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern: Es sollten Alkoholmindestpreise gelten, dazu ein Verkauf erst ab 18 Jahren. Wichtig sei auch der maßvolle Umgang der Eltern, Trainer und weiterer Vorbilder mit Alkohol.

Alkoholfreie Tage sammeln
„Voll am Abgehen – ohne Alkohol“ hieß eine Postkartenaktion, bei der Schüler aufgefordert wurden, im Februar und März 2018 möglichst viele Tage ganz ohne Alkohol zu verbringen. Wer mindestens 30 Tage erreichte, nahm an einem Gewinnspiel teil. Maria Kilian (Gymnasium Veitshöchheim) und Linus Bauer (Franz-Oberthür-Schule Würzburg) erhielten als Preise Gutscheine fürs Bouldern und E Kart-Fahren.

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