Wenn der Schluck stockt

Therapieleiter Fabian Klenk über Sprech- und Schluckprobleme im Alter

0

©Christof Herdt

Mal verschluckt, mal leiser gesprochen, mal weniger Appetit. Was im Alter zunächst harmlos wirkt, kann ein medizinisch relevantes Warnsignal sein. Für Fabian Klenk, Therapieleiter in der Therapiepraxis des Bürgerspitals Würzburg, ist klar: „Wenn Essen, Trinken, Sprechen oder Alltagshandlungen plötzlich schwerfallen, sollte das immer ärztlich kontrolliert und therapeutisch diagnostiziert werden.“ Denn häufiges Verschlucken, undeutliches Sprechen oder eine spürbare Gewichtsabnahme könnten Hinweise auf Schlaganfall, Parkinson, Demenz oder neurologische Erkrankungen sein. Bei Schluckstörungen gehe es nicht nur um das Verschlucken am Esstisch, erklärt Klenk. Wenn Kraft, Wahrnehmung oder Koordination fehlen, könne Nahrung oder Flüssigkeit in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung verursachen. Im Bürgerspital kann die Therapiepraxis in den eigenen Heimen für Seniorinnen und Senioren hinzugezogen werden, wenn Schwierigkeiten beim Essen oder Trinken bemerkt werden. Dann wird ein Schluckbefund durch die Logopädinnen und Logopäden erhoben und eine Essensempfehlung an die Küche weitergegeben. So kann etwa empfohlen werden, Wasser anzudicken oder bestimmte Kostformen anzupassen. „Es folgen logopädische funktionelle Übungen, Reizsetzung, Muskelaktivierung und Training in echten Esssituationen.“ Zugleich betont der Ergotherapeut den interdisziplinären Blick. Eine Schlucktherapie sei nur begrenzt wirksam, wenn Haltung, Rumpfstabilität oder Griffposition nicht mitbeachtet werden. Viele Patientinnen und Patienten sowie Angehörige wünschen sich schnelle Erfolge. Diese Erwartung muss Klenk oft einordnen. „Das soll ja am besten alles vorgestern schon passiert sein“, sagt er. In der Therapie gehe es jedoch nicht immer um rasche Wiederherstellung, sondern nicht selten um Erhalt, Stabilisierung oder das möglichst lange Bewahren bestehender Fähigkeiten. Hoffnung macht er dennoch. Nach leichten Schlaganfällen lasse sich aus seiner Erfahrung bei frühem Beginn oft viel erreichen. Gleichzeitig bleibt er realistisch: „Nicht alle Beschwerden lassen sich vollständig zurückbilden.“ Bei chronischen neurologischen Prozessen gehe es häufig darum, den Verlauf möglichst lange aufzuhalten, neue Ziele zu finden und Selbstbestimmung zu erhalten. „Dranzubleiben ist schon sehr, sehr wichtig“, betont er. Genau hier setzt das Zusammenspiel der Therapieberufe an. Im Bürgerspital arbeiten Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie unter einem Dach, ambulant auf Rezept und häufig kombiniert. Für Klenk ist das besonders bei älteren Menschen zentral: „Sie profitieren enorm von einer interdisziplinären Zusammenarbeit.“ Denn es gehe um viel – um Mobilität, Essen, Kommunikation, Teilhabe, Selbstversorgung und Selbstbestimmtheit im Alltag. Die allgemeine Entwicklung „ambulant vor stationär“ mache solche Angebote noch wichtiger.

Share.