Sich einen Kopf um den Kopf machen

Professor Mathias Mäurer, Facharzt für Neurologie, über Hilfe bei Demenz und die neue Gedächtnis-Sprechstunde

0

©Inline Internet– und Webeagentur

„Was man vergisst, hat man im Grunde nie erlebt“, sagte der deutsche Bibliothekar und Lyriker Ernst R. Hauschka. Gefühlt ist das so! In Deutschland leiden derzeit rund 1,8 Millionen Menschen über 65 Jahren an einer demenziellen Erkrankung. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schätzt, dass die Anzahl an Demenzkranken bis 2050 aufgrund des demografischen Wandels auf 2,7 Millionen ansteigen wird1. Das Gedächtnis lässt nach und Erinnerungen schwinden. Dem Vergessen den Kampf anzusagen, das hat sich das Team um Professor Mathias Mäurer, Chefarzt der Neurologie und Neurologischen Frührehabilitation am Klinikum Würzburg Mitte (KWM), auf die Fahnen geschrieben. Demenz ist der Abbau und Verlust kognitiver Fähigkeiten. Zu den möglichen betroffenen Bereichen gehören Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Orientierung, Urteilsvermögen und planendes Handeln, Sprache, Motorik und Fähigkeiten zum sozialen Austausch mit anderen. Es gibt verschiedene Formen von Demenz. Am häufigsten sei die Alzheimer-Demenz, gefolgt von der vaskulären Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen, der Lewy-Körper-Demenz und der Frontotemporalen Demenz, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Grundsätzlich kann eine demenzielle Erkrankung auch schon in jüngeren Jahren auftreten, weiß der Facharzt für Neurologie und Geriatrie Mathias Mäurer, allerdings steige das Risiko mit höherem Alter stark an. „Ab 90 Jahren sind 30 bis 40 Prozent der Hochbetagten von einem kognitiven Abbau betroffen. Frauen häufiger als Männer.“ Die junge Generation setze daher ein bewusstes Zeichen für gesunden Lebensstil und Hirngesundheit, so Mäurer. Und die Generation Z (Jahrgänge 1997 bis 2007) und die Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) seien es vornehmlich auch, die sich darüber Gedanken machen, an Demenz zu erkranken. Das bestätigt auch Professor Mäurer aus seiner Praxis. Die neuetablierte Gedächtnis-Sprechstunde soll daher nicht nur älteren Personen als Anlaufstelle zur Diagnostik demenzieller Erkrankungen dienen, sondern auch Jüngeren zur Früherkennung. Die Vorstellung sein Gedächtnis zu verlieren und damit auch seine Persönlichkeit, sei extrem angstbesetzt. Bereits Mittfünziger, die in den Keller gehen und dort angekommen nicht mehr wissen, was sie da eigentlich wollten, machen sich Sorgen. In den meisten Fällen seien diese unbegründet, so der Mediziner. Dass das Gedächtnis mit zunehmendem Alter abnimmt, ist Teil des normalen Alterungsprozesses. Alarmglocken sollten läuten, wenn die Orientierung generell leide, Alltags-Routinen nicht mehr bewältigt  werden können, Kommunikationsinhalte verflachen, Wortfindungsstörungen auftreten oder Halluzinationen. Eine Demenz sei zwar nicht heilbar, aber durch eine sinnvolle soziale und ärztliche Begleitung kann vielfach noch lange ein guter Lebensabend möglich sein, so der Ärztliche Direktor des KWM. Eine wichtige Neuerung sei die Verfügbarkeit von sogenannten Anti-Amyloid-Antikörpern mit denen direkt in die pathologischen Vorgänge der Alzheimer-Demenz eingegriffen werden kann. „Allerdings wirken diese neuen Medikamente wahrscheinlich insbesondere in den ganz frühen Phasen der Erkrankung – also in Phasen, in denen sich die Erkrankung noch gar nicht relevant im Alltag bemerkbar macht.“ Daher plant das Team der Neurologie am KWM, ab 1. Januar 2027 zusätzlich zu dem bereits vorhandenen Angebot eine Gedächtnis-Sprechstunde im Neurologie-MVZ auf dem Gelände der Missio-Klinik zu etablieren. „Mit der Gedächtnis-Sprechstunde möchten wir mit Labordiagnostik und Gedächtnistests verstärkt auf Früherkennung setzen, um diejenigen zu identifizieren, die von modernen Antikörper-Therapien profitieren können“, so Mäurer. Diese Früherkennung werde von den gesetzlichen Kassen noch nicht übernommen,  kann aber zu günstigen Konditionen für Selbstzahlerinnen und Selbstzahler angeboten werden, so der Facharzt für Neurologie. Sie soll damit ein niederschwelliges Angebot an junge und ältere Menschen sein, die sich einen Kopf um ihren Kopf machen!  Quelle: 1 www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf

 

Die Gedächtnis-Sprechstunde findet ab Januar 2027 täglich statt. Terminvereinbarung unter mvz-missioklinik.de/unsere-leistungen/neurologie.html

Share.