Welt-Osteoporose-Tag

Wie Titan bei Wirbelbrüchen helfen kann

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Prof. Dr. med. Alexander Beck zeigt Hanne Dietrich wo die Cages in ihren Wirbeln sitzen. Foto: Inline Internet & Werbeagentur

Hanne Dietrich wurden im Juliusspital in fünf OPs 14 Titan-Cages in die Wirbelsäule implantiert. Anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20.10. haben wir sie und Prof. Dr. med. Alexander Beck, Chefarzt Orthophädie, Unfall- & Wiederherstellungschirurgie im Juliusspital interviewt.

Osteoporose heißt Knochenschwund. Das ist eine chronische Erkrankung, die Knochen brüchig macht. Grund: Ein gestörter Stoffwechsel. Bei Osteoporose verringert sich die Knochenmasse viel schneller als normal. Knochenbrüche, vor allem an Wirbelsäule und Oberschenkel, sind die schmerzhafte Folge.

Die Krankheit betrifft besonders häufig Frauen: Hanne Dietrich, 79, wurde im Juliusspital von Prof. Dr. med. Alexander Beck an der Wirbelsäule operiert – dabei kam eine moderne Operationsmethode zum Einsatz, die sehr viele Vorteile hat. Bereits seit 2009 werden Titan-Implantate (Cages; zu deutsch „Käfige“) im Juliusspital eingesetzt. Wir sprachen mit Patientin und Operateur.

Fragen an Prof. Dr. med. Alexander Beck:

Welche Folgen können Wirbelbrüche haben?
Die schlimmste Folge eines Wirbelbruchs kann eine Querschnittslähmung sein. Diese und neurologische Ausfälle sind bei den Wirbelbrüchen durch Osteoporose allerdings selten. Hier sind die meisten Folgen eine Verformung der Wirbelsäule, chronische Schmerzen, ein Rundrücken und eine Verschlechterung der Beweglichkeit.

Was ist der Hauptvorteil der Titan-Implanate, was wäre die Alternative?
Man kann mit den Cages den Wirbel nicht nur stabilisieren, sondern ihn auch wieder aufrichten. Das Titan fördert die Knochenregeneration. Ein weiterer Vorteil ist die minimale Beweglichkeit des Titankörbchens. So ist der Druck auf die benachbarten Wirbel nicht so groß, was das Risiko einer Anschlussfraktur minimiert. Eine alternative Methode ist die sogenannte Kyphoplastie. Hier wird der Wirbel mit einem Ballon aufgerichtet und mit Zement stabilisiert.

Wie häufig wird die Methode mit den Titan-Cages im Juliusspital angewandt?
2009 haben wir mit den Titan-Implantaten begonnen – das war echte Pionierleistung. Bei uns ist sie die erste Wahl. Wir behandeln damit nicht nur Osteoporose-Patienten, sondern auch traumatische Wirbelbrüche (z.B. in Folge eines Unfalls).

Sind die Patienten danach schmerzfrei?
Die Patienten sind nicht sofort beschwerdefrei. Der Knochenbruch muss noch heilen. Aber die Beschwerden nehmen nach der OP ab.

Wie lange halten die Implantate?
Unbegrenzt! Eine Erneuerung ist nicht nötig.

Ist die Methode für jeden Patienten geeignet?
Sie ist nicht für jeden Patienten geeignet. Der Bruch sollte nicht zu alt sein (max. 2 Monate). Ob es geeignet ist, hängt ganz individuell von Patient und Krankheitsbild ab. Das entscheiden wir dann im persönlichen Gespräch mit dem Patienten.

Fragen an Hanne Dietrich:

Wie passiert es, dass man sich Wirbel bricht?
Durch die Osteoporose werden die Knochen brüchig. Durch einen leichten Sturz sind bei mir die ersten Wirbel gebrochen. In schlimmen Fällen genügt oft nur ein Nieser oder kräftiges Husten.

Wie fühlt man sich mit 14 Implantaten in der Wirbelsäule?
Eigentlich gut! Ich habe kein Fremdkörpergefühl und die Schmerzen werden auch weniger. Komplett schmerzfrei werde ich nicht werden – aber meine Wirbelsäule ist ja auch nicht mehr die Jüngste.

Wieviele Operationen waren nötig?
Insgesamt hatte ich 7 gebrochene Wirbel, die in 5 Operationen operiert wurden. Von Brust- bis zum Lendenwirbel war alles vertreten. Vor 2 Jahren waren es sogar 3 OPs in einem Vierteljahr.

Wie lange dauert es, bis man wieder fit ist?
Nach den ersten beiden Operationen war ich nach drei Tagen schon wieder zuhause. Durch die kleinen Schnitte hatte ich auch überhaupt keine Probleme mit den Narben. Nach den späteren Operationen waren es vier Tage, bis ich wieder zuhause war. Im Juliusspital wurde ich sehr gut versorgt. Prof. Beck und sein Team kümmern sich sehr gut und haben immer ein offenes Ohr für Fragen und Sorgen. Und die kleinen Scherze bei der Visite heben dann auch die Stimmung. Nach dem Krankenhaus hat mir dann die Reha sehr gut getan.

Können Sie die Operation anderen Patienten empfehlen?
Aus meiner Sicht auf jeden Fall! Jetzt freue ich mich, dass es mir besser geht, ich mobiler bin und meinen 80. Geburtstag Ende Oktober mit meiner Familie mit einer kleinen Reise feiern kann.

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