Was Tatev alles erreicht hat

Zonta Club Würzburg Electra unterstützt neun Frauen mit Fluchthintergrund

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Bildrechte: Zonta Club Würzburg Electra – Yvonne Pechar

Ein Kloster im Süden Armeniens stand Pate für ihren Namen: Tatev. „Meine Eltern fanden, er klingt so schön“, lacht die junge Armenierin, die seit vier Jahren in Würzburg lebt. Inzwischen heißt ein ambitioniertes Projekt für Flüchtlingsfrauen des Zonta Clubs Würzburg Electra nach ihr.

Tatev war die erste Projektteilnehmerin. Ihr Werdegang und Erfolg ist bisher beeindruckend. Die 22-Jährige spricht inzwischen perfekt Deutsch. Und steht kurz vor ihrem Ausbildungsabschluss als Speditionskauffrau.

Dass ein Zonta-Club Frauen unterstützt, die von weit her geflohen sind, ist nicht allzu erstaunlich. „Das passt zu unserer Philosophie“, sagt Elisabeth Jentschke, Psychoonkologin aus Würzburg und amtierende Präsidentin des Zonta Club Würzburg Electra. Zonta-Frauen verstehen ihre Arbeit prinzipiell als international. Sie wollen nicht nur Geschlechtsgenossinnen aus dem eigenen Land unterstützen, sondern haben vor allem auch jene Frauen aus anderen Ländern im Blick, denen es politisch, sozial, gesundheitlich und materiell nicht gut geht.

Inzwischen sind neun Frauen in das Projekt „Tatev“ integriert. „Sie stammen aus Armenien, Afghanistan, Somalia, Äthiopien, Syrien und dem Iran“, erläutert Edith Raab, Orthopädin aus Würzburg, unter deren Zonta-Präsidentschaft „Tatev“ startete. Mehr als 23.000 Euro aus Benefizveranstaltungen wurde bisher für die Frauen ausgegeben. Der größte Teil des Geldes fließt in Deutschkurse. Denn die werden nur unter bestimmten Voraussetzungen aus öffentlichen Mitteln finanziert. Tatev zum Beispiel durfte im März 2015, als sie durch Zufall in Kontakt mit den Würzburger Zonta-Frauen kam, keinen Deutschkurs absolvieren, weil sie noch nicht als asylberechtigt anerkennt war.

Was aus ihr geworden wäre, wenn es die Zonta-Frauen nicht gegeben hätte – Tatev mag es sich gar nicht vorstellen. Durch das Projekt gelang es ihr, eine Vielzahl von Hürden aus dem Weg zu räumen. Die ehrgeizige junge Frau, deren Traum es ist, Marketing zu studieren, erhielt die Chance, sich bis zur Niveaustufe C1 zu qualifizieren. Sehr viel höher geht es nicht: Tatev versteht nach nur vier Jahren in Deutschland anspruchsvolle Texte, sie drückt sich fließend aus und muss während einer Unterhaltung kein einziges Mal länger nach einem Wort suchen.

Unterstützt vom Zonta Club Würzburg Electra, absolvierte sie mehrere Deutsch-Kurse an verschiedenen Würzburger Bildungseinrichtungen. Doch die Zonta-Frauen taten noch mehr für sie. „Wir verhalfen Tatev zur Anerkennung“, erläutert Edith Raab. Zwar hatte Tatev einen Anwalt. Doch der erstickte in „Fällen“. Ihre Sache ging nur sehr schleppend voran. Da nahm sich eine Juristin aus den Reihen der Zonta-Frauen
dem Asylverfahren der jungen Armenierin an. Wodurch es gelang, das Damoklesschwert „Abschiebung“, das Tatev so oft die Ruhe geraubt hatte, aus dem Weg zu räumen.

Auch ihren Ausbildungsplatz in einem Speditionsunternehmen hat Tatev dem Zonta-Projekt zu verdanken. „Eine unserer Frauen arbeitet in dieser Firma und fragte an, ob man Tatev nicht nehmen würde“, so Raab. Der Betrieb sagte „Ja“ – was sich für alle Beteiligten als Glücksfall herausstellte. Denn Tatev engagiert sich in ihrer Lehre ebenso zielstrebig wie vorher in den Deutschkursen. Und das, obwohl sie sich zunächst gar nicht hatte vorstellen können, was eine Speditionskauffrau eigentlich macht. Das weiß sie nun: „Und mir macht der Beruf wirklich Spaß.“

Vor allem kann Tatev ihr sprachliches Talent einbringen. Die junge Frau spricht fließend Armenisch, Russisch, Deutsch und Englisch. Das kommt ihr täglich zugute, wenn Im- oder Exporte zu organisieren sind. Etwa aus irgendeiner russischen oder polnischen Stadt nach Würzburg. Oder von Würzburg aus nach Italien.

An der Uni zu studieren, ist nach wie vor Tatevs Traum. Diesen Traum werden die Zonta-Frauen auch weiterhin unterstützen. Für Tatev, die ohne ihre Mutter aus ihrem Heimatort in Bergkarabach fliehen musste, bedeutet diese Unterstützung ein unschätzbares Glück. Denn nach wie vor hat sie es nicht leicht, ihren Weg zu gehen. So wird ihr armenisches Abitur in Deutschland nicht anerkannt. Aus diesem Grund schaltete sie eine Lehre vor das Studium. Aber selbst nach dem Abschluss wird sie womöglich noch nicht an die Uni wechseln können: „Es kann sein, dass ich ein halbes Jahr nach München gehen muss, um ein Studienkolleg zu besuchen.“

Die Zonta-Frauen stehen ihr und allen anderen Teilnehmerinnen aus dem Projekt „Tatev“ bei jedem einzelnen Schritt zur Seite. Getragen wird das Projekt von einem eigenen Arbeitskreis, den die Initiatorin Ingrid Schnug leitet, wobei sich sämtliche Zonta-Mitglieder mit „Tatev“ identifizieren. Das zeigte sich kürzlich beim Sommertreffen im Café Vue, zu dem die Frauen mit Fluchthintergrund selbstverständlich eingeladen waren.

Spenden nehmen wir gerne unter dem Stichwort „Tatev“ auf folgendes Konto entgegen:
Zonta Club Würzburg Electra,
IBAN DE82 7902 0076 0304 5557 00,
BIC HYVEDEMM455. 

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