Uniklinikum Würzburg: Parkinson-Früherkennung durch Hauttest möglich

Neurologinnen des Uniklinikums Würzburg hatten maßgeblichen Anteil an der wegweisenden Studie

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Zwei der Autoren der wegweisenden Studie zur Parkinson-Frühdiagnostik per Hauttest: Prof. Jens Volkmann und Dr. Kathrin Doppler von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg. Foto: Neurologische Klinik / Uniklinikum Würzburg

Einer deutschen Forschungsgruppe ist es erstmals gelungen, die Parkinson-Erkrankung im Frühstadium zu erkennen – und zwar über eine kleine, einfach zu gewinnende Hautprobe. Neurologinnen des Uniklinikums Würzburg hatten maßgeblichen Anteil an der wegweisenden Studie.

Weltweit wird an Wegen geforscht, wie man die Parkinsonkrankheit möglichst früh und sicher diagnostizieren kann. Übergeordnetes Ziel ist es, neue Medikamente zu erproben, die die Nervenzellen vor dem Krankheitsprozess schützen sollen.

„Das große Dilemma in der Entwicklung solcher neuroprotektiver Medikamente liegt darin, dass zum Zeitpunkt der ersten charakteristischen Krankheitssymptome – wie Zittern, Muskelsteifigkeit und verlangsamten Bewegungen – die zu schützenden Nervenzellen bereits in großer Zahl unwiederbringlich abgestorben sind und die Behandlung damit zu spät käme“, schildert Prof. Dr. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW). Laut dem Parkinson-Experten sind die Frühsymptome der Krankheit, die oft Jahre zuvor auftreten, so unspezifisch, dass die Betroffenen keinen Arzt aufsuchen. Meist würden die Riech-, Schlaf- und Verdauungsstörungen sowie Depressionen und Ängste anderweitig erklärt.

Nachweis über den Biomarker Alpha-Synuclein
„Ein zuverlässiger Labortest, der die Erkrankung unabhängig von den Symptomen früh erkennen kann, ist daher von größter Wichtigkeit“, unterstreicht Prof. Volkmann. Neurowissenschaftlern um Dr. Kathrin Doppler und Prof. Dr. Claudia Sommer von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW sowie um Prof. Dr. Wolfgang Oertel, dem ehemaligen Direktor der Klinik für Neurologie der Uni Marburg, gelang dies über einen neuen Hauttest. Sie konnten bei Risikopatienten mit REM-Schlafverhaltensstörung den Biomarker Alpha-Synuclein in der Haut identifizieren, der Parkinson nachweist, Jahre bevor der Patient sichtbar erkrankt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Parkinson Gesellschaft bezeichnen die Arbeit als Meilenstein, der die Entwicklung von neuen Therapien gegen die schwer behandelbare Erkrankung vorantreiben wird.

Bekanntes Kennzeichen an neuer Stelle gefunden
„Wir kennen Alpha-Synuclein zwar als neuropathologisches Kennzeichen von Morbus Parkinson, und der Nachweis dieser Proteinablagerungen war bereits der Goldstandard der Diagnose“, erklärt Prof. Volkmann, der als Co-Autor an der Studie mitwirkte, und fährt fort: „Allerdings haben wir im Gehirn gesucht, und das war erst nach dem Tod möglich.“

Dass sich Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn ablagert, sondern auch in der Haut, konnten die Würzburger Forscherinnen und Forscher schon im Jahr 2014 zeigen. Sie fanden bei rund der Hälfte der untersuchten Parkinson-Patienten pathologische Proteinaggregate in den kleinen Nervenfasern der Haut. In ihrer jetzigen Studie ging die Arbeitsgruppe einen Schritt weiter: Um herauszufinden, ob Alpha-Synuclein auch in der Frühphase der Erkrankung als Biomarker herangezogen werden kann, untersuchten sie Patienten mit REM‐Schlafverhaltensstörung. Die Schlafstörung gilt als wichtiger Risikofaktor für die Parkinson-Krankheit. Sie äußert sich in lebhaften Träumen und auffälligen Bewegungen im Traumschlaf. Etwa 85 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren eine Parkinson‐Erkrankung.

Einfache Probengewinnung, hohe Aussagefähigkeit
Für die Untersuchung reicht eine fünf Millimeter große Gewebeprobe aus, die mit einer minimalinvasiven Hautbiopsie gewonnen wird. „In Anbetracht dieses einfachen Zugangs zum Probenmaterial und der hohen Spezifität der Untersuchung sehen wir in der Methode hohes Potenzial, um Parkinson-Patienten schon im Frühstadium zu identifizieren und für klinische Studien zum Test von krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu gewinnen“, kommentiert Studien-Erstautorin Dr. Kathrin Doppler.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Februar 2017 in der renommierten Fachzeitschrift „Acta Neuropathologica“ publiziert: Doppler K et al. Dermal phospho-alpha-synuclein deposits confirm REM sleep behaviour disorder as prodromal Parkinson’s disease. Acta Neuropathologica 2017; DOI: 10.1007/s00401-017-1684-z

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