Über jede Grenze hinweggehen

Fitnessexperte und Osteopath Hans-Otto Wöhrle über die Herausforderung „Marathon“

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„Einen Marathon kann man sich nicht kaufen, den muss man sich erlaufen“, sagt Hans-Otto Wöhrle. „Ein richtig durchgeführtes Marathon-Training optimiert die biologischen Systeme, Herz-Kreislauf-Lunge, den Stoffwechsel und die Skelettmuskulatur.“ Foto: Privat

„Wenn wir Lehren aus der Geschichte ziehen wollen, scheint der Marathon keine kluge Distanz für Sportler zu sein“, stellt der Autor Dennis Sandig* fest. „Grund zur Sorge gibt der Lauf des legendären Boten Pheidippides, brach er doch tot zusammen, nachdem er die Kunde vom Sieg über den Gegner aus Persien von Marathon nach Athen trug.“

Die historische Anstrengung scheint heute für so manchen Sportler vergessen, denn, so Sandig weiter, jährlich starten „etwa 130.000 Menschen bei einer der fast 200 Marathonveranstaltungen in Deutschland“. Auf der anderen Seite wird weiterhin heftig diskutiert: Ist ein solches Rennen förderlich für die Gesundheit oder schadet es gar? Hans-Otto Wöhrle, Osteopath und Trainer für Fitness und Gesundheit in Würzburg, beantwortet diese Frage mit einem klaren „Jein“.

„Die Vorbereitung auf einen Marathon ist prinzipiell gesund“, sagt er. Und er muss es wissen, hat er doch als Finisher am New-York-Marathon und mehrmals erfolgreich am Ironman in Roth teilgenommen. Aber: „Viele, die den Marathon laufen, laufen ihn für ihr Ego. Meist sind es Menschen über 40, die sich noch einmal etwas beweisen wollen. Oft ist deren Vorbereitungszeit zu kurz und zu intensiv. Sie laufen zu schnell, zu lange und geben dem Körper nicht die benötigte Zeit zur Regeneration.“

Der Sportheilpraktiker rät, sich mindestens drei Jahre Zeit zu nehmen und nicht, wie vielfach praktiziert, nur wenige Monate. Auch eine sportärztliche Untersuchung sei zu Beginn des Trainings von Bedeutung, um mögliche Risiken aufgrund der außergewöhnlichen Belastung auszuschließen. Seiner Erfahrung nach ist der disziplinierte Trainings-Mix entscheidend. Ausdauer allein reiche nicht. Ein ganzheitliches Krafttraining müsse her. „Denn wer keine Kraft hat, der stolpert über seine eigenen Beine und überlastet seine Strukturen.“ Da nütze auch eine sonst perfekte Ausrüstung nichts.

Darüber hinaus gilt: „Moderat laufen – etwa 30 bis 40 Kilometer in der Woche, jeweils in Trainingseinheiten von rund 45 Minuten.“ Der Grund: Ab 45 Minuten sei ein positiver Effekt auf das Herz-Kreislauf-System zu verbuchen, erklärt Hans-Otto Wöhrle. Aus dem Rahmen fielen die letzten drei Mo- nate vor dem Marathon, sobald jede Woche ein 30-Kilometer-Lauf zu drei Stunden angezeigt wäre. Hat sich das Laufen vorher noch grundsätzlich positiv auf Bänder, Sehnen, Herz und Immunsystem ausgewirkt, weht jetzt, als auch beim eigentlichen Marathon, ein sprichwörtlich anderer Wind. Der Marathonlauf an sich sei mit einer „schweren Grippe“ vergleichbar.

Auf den letzten Metern, das macht der zeitlebens sehr gut trainierte Sportler deutlich, halte nur noch der eigene Wille aufrecht. Der Körper befinde sich im „fight-or-flight-Modus“. „Es braucht drei bis vier Monate, bis sich das System wieder erholt hat. Die Infektanfälligkeit in dieser Zeit steigt. Es können Symptome zum Vorschein kommen, die das Immunsystem zuvor kompensiert hat“, mahnt Wöhrle. Ganz zu schweigen von unangenehmen Begleiterscheinungen wie starken Muskel-, Knochen- und Gelenkschmerzen.

Kritisch betrachtet Wöhrle etwa auch die Einnahme von Medikamenten, um Schmerzen vorzubeugen, die aber unter anderem die Nieren belasten. Am Ende gilt es, achtsam zu sein, in den Körper hinein zu horchen, ihn herauszufordern, jedoch seine Grenzen zu akzeptieren.

Quelle: *https://www.achim-achilles.de/lauf-tipps/ marathon/20047-ist-marathonlaufen-schaedlich.html

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