Stadt Würzburg fördert seit Mai die Begrünung von Fassaden und Dächern

Die grüne Klimaanlage

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Bei der LWG in Veitshöchheim rankt diese Pflanze wie ein Baum. Foto: Philipp Mähler

Es zwitschert, es flattert, es summt, es sirrt und – sieht gut aus: Begrünte Fassaden bieten Insekten und Vögeln Lebensraum, sie verschönern das Bauwerk, verbessern das Klima im Gebäude, sorgen für Kühlung, Luftverbesserung und Energieeinsparungen. Begrünte Fassaden schützen das darunterliegende Gebäude, indem sie einen Großteil der eintreffenden Wärmestrahlung reflektieren und durch Verdunstung reduzieren.

Weniger als ein Drittel der Wärmestrahlung erreicht das Gebäude unter einer Begrünung. Auch auf Gründächern ist eine deutliche Abkühlung erkennbar. Damit wirken sich grüne Fassaden und Dächer effektiv auf den thermischen Komfort aus: Der Heiz- und Kühlbedarf des Gebäudes sinkt. Außerdem helfen sie dabei, die innerstädtische Überwärmung zu verringern. „Jede, schon die kleinste, begrünte Fläche wirkt sich positiv auf das lokale Mikroklima aus. In Summe ergibt sich auch daraus ein positiver Effekt auf das Stadtklima. Besonders in hochverdichteten Quartieren, die nur wenig Raum für Grünflächen bieten, ist es deshalb wichtig auch die Potenziale von Fassaden- und Dächern zu nutzen“, weiß Philipp Mähler, Klimaschutzmanager der Stadt Würzburg.

Die Stadt Würzburg unterstützt daher seit 1. Mai 2017 Fassaden- und Dachbegrünungen im Stadtgebiet mit 50 % der förderfähigen Kosten bis zu einem Höchstförderbetrag von 5.000 Euro. Seit Anfang Mai sind über 20 Anfragen ein-gegangen, bewilligen konnte Philipp Mähler schon zwei davon.

Potenziale von Dach- und Fassadenbegrünungen
Neben den positiven Auswirkungen auf das Stadtklima und den Wärmehaushalt gehen von begrünten Gebäuden eine Reihe weiterer positiver Effekte aus: Sie filtern Staub und Luftschadstoffe, sparen Energie, schützen die darunter liegende Gebäudehülle vor UV-Strahlung und weiteren Umwelteinflüssen, bieten Lärmschutz und Lebensraum für Tiere. Auch aus ästhetischer Sicht werten Gebäudebegrünungen das Wohnumfeld auf und steigern somit auch den Wert der Immobilie.

Was gilt es zu beachten?
Von einer fachgerecht ausgeführten Dach oder Fassadenbegrünung profitiert die Bausubstanz: Beispielsweise hält die Dachabdichtung unter einer Begrünung dank der schützenden Vegetation nahezu doppelt so lange wie bei Folien- oder Kiesdächern. Auch begrünte Fassaden schützen das Gebäude und erhöhen deren Lebensdauer. Allerdings ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Dazu gehört bei einer Dachbegrünung beispielsweise das Entfernen von unerwünschtem Bewuchs und bei Fassadenbegrünungen ein Pflegeschnitt.

Ohne diese Maßnahmen oder bei unsachgemäßer Ausführung, etwa durch eine ungeeignete Kombination aus Pflanzen und Rankhilfen kann es mitunter zu Problemen kommen. Insbesondere bei Selbstklimmern, wie dem Efeu oder Wilden Wein ist darauf zu achten, dass die Pflanzen nicht auf das Dach wachsen, die Fassade intakt ist und keine Risse aufweist, um Schäden durch die Vegetation zu vermeiden. In der Summe lässt sich jedoch feststellen: Begrünte Fassaden und Dächer sind aufgrund der Kombination von bauphysikalischen als auch ökologischen Funktionen kaum mit anderen Systemen vergleichbar. Sie bieten einen hohen Mehrwert für Gebäude und Wohnumfeld, verbinden Haus und Garten zu einer grünen Einheit.

Welche Pflanzen eignen sich für eine Fassadenbegrünung?
Je nach Pflanzenart schwankt die maximale Wuchshöhe. Langsam wachsende Arten legen im Jahr etwa 25 bis 50 cm zu, mittelstark wachsende 50 bis 100 cm und stark wachsende Arten 1 bis 2 Meter. Der Knöterich schafft 6 Meter im Jahr. Es gibt Selbstklimmer wie Efeu, Wilder Wein und Kletterhortensie. Sie halten sich mit Haft-wurzeln oder Haftscheiben am Untergrund fest. In der Regel brauchen sie keine Kletterhilfen.

Gerüst-Kletterpflanzen hingegen sind Schlinger wie Geißblatt, Blauregen oder Knöterich, sie benötigen dünne, senkrecht geführte Kletterhilfen. Zu dieser Gruppe gehören auch die Ranker wie Clematis und Weinrebe, die an gitterartigen Kletterhilfen wachsen.
Spreizklimmer sind Kletterrosen und Winterjasmin, sie klammern sich mit Seitentrieben an der Unterlage an und benötigen waagrecht angeordnete Stäbe oder Latten. Neu gebildete Triebe müssen immer wieder in die gewünschte Richtung geleitet und angebunden werden.

Idealer Pflanzzeitpunkt ist Frühling oder Herbst, das Pflanzloch sollte locker, die Erde mit reifem Kompost gemischt, doppelt so groß wie der Wurzelballen sein und einen Wandabstand von mindestens 20 cm haben, vor Staunässe schützt Kies. Möglich ist auch die Bepflanzung in konventionellen Pflanztrögen, dann ist aber häufiges Gießen in den Sommermonaten oder ein Bewässerungssystem nötig.

Wer grüne Fassaden ausprobieren möchte oder die Abwechslung liebt, kann zu einjährigen Kletterpflanzen greifen. Mit Glockenrebe, Zierkürbis, Prunkwinde, Edelwicke, Schwarzäugiger Susanne und Kapuzinerkresse lässt sich mit blühenden Pflanzen ein immer neues Bild an der Hauswand gestalten.

Alternative für ambitionierte Begrünungsprojekte: Neben der klassischen bodenge-bundenen Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen werden auch zunehmend wandgebundene Systeme verwendet. Das bedeutet, dass Pflanzen wie ein vertikaler Garten samt Wurzeln und Substrat flächig an der Fassade wachsen. Dies geht mit einem erhöhten technischen Aufwand und intensivem Pflegebedarf einher. Diese Form der Begrünung ist technisch aufwändiger und damit kostenintensiver. Dennoch werden vertikale Begrünungen in der moderne Architektur immer häufiger als gezielte Gestaltungselemente eingesetzt. Ein Paradebeispiel dafür sind die beiden Hochhäuser des „Bosco-Verticale“ in Mailand, wo selbst in 100 Metern Höhe noch Pflanzen an der Fassade wachsen.

Warum fördert die Stadt Würzburg Fassaden- und Dachbegrünungen?
„Aufgrund des Wärmeinseleffektes sind Städte besonders vom Klimawandel betrof-fen. Auch die Menschen in Würzburg müssen in den kommenden Jahren vermehrt mit Hitzetagen und Tropennächten rechnen. Gebäudebegrünung leistet hier einen wichtigen und bereits spürbaren Beitrag, um die lokale Hitzebelastung und den Hitzestress möglichst gering zu halten“, hält der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Christian Göpfert, fest.

Bei einem Eigenanteil von 50 % der Gesamtkosten mit bis zu 5.000 Euro pro Maß-nahme fördert die Stadt Würzburg bodengebundene Begrünungen und vertikale Begrünungssysteme, Materialkosten wie Pflanzen, Rankhilfen, Bewässe-rungssysteme, Arbeitsleistungen von Fachbetrieben, extensive und intensive Dach-begrünungen. Die Richtlinie für die Gewährung von Zuschüssen zur Begrünung und der Antrag können auf
www.wuerzburg.de/de/themen/umwelt-verkehr/oeffentliches-gruen–stadtwald/414953.Foerderprogramm-Urbanes-Gruen.html heruntergeladen werden. Hier gibt es darüber hinaus weiteres Informationsmaterial für das grüne Haus.

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