Nicht nur Blut & Blaulicht

Helfer Simeon Wohlleber über Sanitätsdienste bei Veranstaltungen

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Simeon Wohlleber vom Bevölkerungsschutz bezeichnet die rund 140 ehrenamtlichen Sanitäter der Johanniter als große Familie, die trotz Ernsthaftigkeit und Sicherheitsstreben
im Dienst immer sehr viel Spaß zusammen haben. Er sage auch immer zu den Patienten, die er behandle: „Solange wir noch Scherze machen, ist alles halb so schlimm. Erst wenn es ernst wird, ist Schluss mit lustig!“. Foto: ©Michel Mauro/Johanniter

Simeon Wohlleber ist seit 2010 ehrenamtlicher Helfer bei den Johannitern in Würzburg und seit einem Jahr Bereitschaftsleiter für den Bevölkerungsschutz. Hier verantwortet er das ganze Jahr über die Sanitätsdienste der Johanniter auf Veranstaltungen – im Schnitt etwa 150 an der Zahl. „Sanitätsdienste gib es in allen Größen, Farben und Formen“, sagt der 28-Jährige. Den Sanitätsdienst gebe es nicht, da jede Veranstaltung einen anderen Charakter habe. Man könne auch nicht nur nach Größe oder anvisierter Besucherzahl gehen, so Wohlleber.

Da würden viele andere Kriterien greifen: „Eine Rolle spielt beispielsweise, ob es sich um eine Sportveranstaltung oder ein Musikfestival handelt, ob es Sommer oder Winter ist, ob VIPs anwesend sind oder wie hoch das Gewaltpotenzial einzuschätzen ist“, so der Sachgebietsleiter für den Bevölkerungsschutz. Der Sanitätsdienst selbst ist eine privatwirtschaftliche Leistung, die vom Veranstalter gebucht und bezahlt wird. Kosten können hier von 50 bis 10.000 Euro oder auch mehr entstehen – je nach Dienstleistungsaufwand.

Aufgabe des Sanitätsdienstes bei einer Veranstaltung ist es, qualifizierte Erste Hilfe zu leisten. Er ist die „Vorhut“ und soll den möglichen Run auf die Notaufnahmen der Kliniken durch Bagatellverletzungen, die bei Großveranstaltungen immer entstehen, abfedern. Ob ein Sanitätsdienst bei einer öffentlichen Veranstaltung vor Ort sein muss, entscheidet meist eine Behörde, etwa das Ordnungsamt der Stadt. Mit wie vielen Helfern, Transport- und Behandlungseinheiten, wann, wo und wie lange die Sanitäter mit oder ohne Notarzt vor Ort sind, das fällt in der Regel wiederum in den Aufgabenbereich von Simeon Wohlleber. „Auch wenn es Algorithmen wie den ‚Maurer‘, ‚Münchner‘ oder ‚Kölner‘ gibt, nach denen man seine Veranstaltungsplanung mit verschiedenen Sanitätseinheiten ausrichtet, das Nachdenken des Verantwortlichen über den Einsatz ersetzen diese Checklisten nicht“, betont der zuständige Koordinator bei den Johannitern. Da komme auch die Erfahrung mit ins Spiel, so Wohlleber.

„Wer beim ‚iWelt Marathon‘ in Würzburg schon eine Reanimation eines verunfallten Läufers miterlebt hat, positioniert die Notärzte und Sanitäter (Sanitätshelfer, Rettungssanitäter und Notfallsanitäter) vor Ort so, dass alle Streckenabschnitte schnell von diesen am besten mit Auto erreichbar sind. Beim ‚South-Side-Festival‘, wo die Johanniter fünf Tage, rund um die Uhr mit etwa 200 Sanitätern präsent sind, plant man neben den acht Zelten mit Unfallhilfestellen eher Fußtrupps ein, die zügig in der Menschenmenge vorwärtskommen“, erklärt Wohlleber das Prozedere einer Einsatzplanung. Während man sich beim Dreikönigsschwimmen etwa auf Unterkühlung der Teilnehmer einstelle, sei beim „Maintal Ultratrail“, einem Ultramarathon über 64,5 Kilometer im Hochsommer in Veitshöchheim, das Gegenteil der Fall.

„Hier wappnen sich die Helfer gegen Hitzeschäden wie Dehydrierung, Sonnenstich oder Kreislaufkollaps.“ Generell gehe man bei Veranstaltungen mit Tausenden von Besuchern auch vom Bevölkerungsquerschnitt aus, will heißen, hier bestehe genau wie in einer kleinen Gemeinde immer die Möglichkeit, dass eine Person einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Ähnliches erleide. „Aber 99 Prozent unserer Einsätze sind entspannt“, berichtet Simeon Wohlleber vom Johanniter-Bevölkerungsschutz. „Wirklich schlimme Dinge passieren selten. Aber wir sind immer vorbereitet, dass etwas passieren könnte“, konstatiert er.

Zum Glück gehe es bei den meisten Diensten nicht um Blut und Blaulicht, sondern um Verstauchungen, Prellungen, Kreislaufprobleme oder im Sommer vielfach um einen Wespenstich.

Die Johanniter in Würzburg freuen sich immer über interessierte ehrenamtliche Helfer. Laut Simeon Wohlleber müsse man, um zu helfen, auch nicht an vorderster Front „kämpfen“, es gebe beispielsweise auch eine technische Einheit, eine Drohneneinheit oder einen Führungsunterstützungsdienst. Auch alterstechnisch seien alle willkommen! Es gebe sogar eine Kinder- und Jugendabteilung, die den Nachwuchs an Erste Hilfe heranführe. Weitere Infos unter Telefon 0931.7962899, www.johanniter.de/ehrenamt/als-jugendlicher/johanniter-jugend/johanniter-jugend-in-wuerzburg/ oder unter www.johanniter.de.

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