„Lepra –nicht das, was du denkst!“

Hunderttausende Betroffene weltweit verdienen verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen Lepra

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Weltweit existieren noch 132 Gesetze in 23 verschiedenen Ländern, die von Lepra betroffene Menschen diskriminieren. Quelle: Mario Schmitt / DAHW

(Würzburg, 16.01.2020) – Sie ist wenig ansteckend, relativ einfach zu diagnostizieren, seit den 1980er-Jahren heilbar und Medikamente gibt es für Betroffene umsonst. Eigentlich dürfte es diese Krankheit gar nicht mehr geben. Doch Lepra lebt! Laut WHO wurden 2018 wieder rund 210.000 neue Fälle weltweit registriert. Über 11.000 der betroffenen Menschen haben bereits leprabedingte, eigentlich vermeidbare Behinderungen. Aber warum „eigentlich“? „Wie bei vielen anderen vernachlässigten Tropenkrankheiten fehlt es auch bei Lepra vor allem an Aufmerksamkeit und in der Folge an finanziellen Mitteln – für eine intensive Forschung, den Aufbau einer adäquaten und für alle zugänglichen Gesundheitsversorgung sowie für die Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse besonders gefährdeter Personengruppen“, stellt Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, anlässlich des 66. Welt-Lepra-Tages am 26. Januar 2020 fest. Aber es gebe Grund zur Hoffnung: „Sektorübergreifende Kooperationen verschiedenster Lepra-Akteure, Fortschritte in der Forschung und weiterentwickelte inklusive Ansätze in der Projekt-Arbeit bringen uns dem Ziel einer leprafreien Welt deutlich näher.“

Vor 20 Jahren erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Lepra als eliminiert. Mit kontraproduktiven Folgen: Da sie damit kein globales Gesundheitsproblem mehr darstellte, wurden mühsam aufgebaute Infrastrukturen zur Lepra-Kontrolle in den Ländern wieder abgebaut, Investitionen in die Lepra-Forschung reduziert und in der medizinischen Ausbildung Lepra kaum noch Bedeutung eingeräumt. In der Bevölkerung sanken Wissen und Bewusstsein, Vorurteile nahmen wieder zu und mit ihr die Stigmatisierung von Betroffenen. Aus Angst vor Ausgrenzung suchen sie sich oft zu spät Hilfe, was wiederum die Häufigkeit von Behinderungen infolge einer Lepra-Infektion erhöht. „Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass die älteste bekannte Krankheit der Menschheit sich nicht nur in Geschichtsbüchern findet, sondern immer noch in aktuellen Statistiken der WHO“, fasst Burkard Kömm zusammen. Seit zehn Jahren ist er Geschäftsführer des ältesten Lepra-Hilfswerks in Deutschland, das heute Spezialist in der Bekämpfung dieser und vieler weiterer armutsbedingter und vernachlässigter Krankheiten ist.

„Auch die WHO hat erkannt, dass es zunehmender Anstrengungen bedarf, wenn wir Lepra wirklich ausrotten wollen“, so Kömm. „Man dachte damals, dass eine Quote von weniger als einem Fall pro 10.000 Einwohner*innen niedrig genug wäre, um die Ansteckung zu unterbrechen – doch das hat sich nicht bewahrheitet.“ In manchen Staaten der Erde lägen die Lepra-Fallzahlen im Landesdurchschnitt zwar unter der WHO-Grenze, doch in Subregionen der Länder sei Lepra zum Teil extrem stark verbreitet. Deshalb sollen nun länderspezifische Kriterien definiert werden. Künftig soll erst dann von Elimination gesprochen werden, wenn es faktisch keine einzige Lepra-Neuerkrankung mehr gibt. Eine Forderung, die auch die „Global Partnership Zero Leprosy“ unterstützt: Das junge internationale Bündnis hat sich das gemeinsame Ziel „Null Lepra-Fälle“ gesetzt, aber auch „Null Behinderung“ und „Null Diskriminierung“ aufgrund einer Lepra-Erkrankung.

Lepra gilt nicht als globales Gesundheitsproblem, obwohl hunderttausende Menschen an ihr erkranken. Lepra wird von Bakterien verursacht, gilt in vielen Ländern aber noch immer als Fluch Gottes. Lepra ist eine uralte Krankheit, aber die Übertragungswege sind noch immer nicht vollständig erforscht.

Statistisch erkranken mehr Männer als Frauen an Lepra, obwohl Frauen aufgrund ihrer meist schlechteren Grundkonstitution gefährdeter sein müssten. Es gibt immer mehr nationale Unterstützungsprogramme für Menschen mit Behinderung, aber leprabedingte Behinderungen gelten in einigen Ländern als Krankheit, weshalb Betroffene diese Hilfen nicht erhalten.

„Lepra – nicht das, was du denkst“ lautet das Motto der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke zum diesjährigen Welt-Lepra-Tag am 26. Januar 2020. Damit wollen die DAHW und zwölf weitere Mitgliedsorganisationen auf die vielen Mythen, Unbekannten und Ungerechtigkeiten rund um die Krankheit Lepra hinweisen.

Infokasten zum Welt-Lepra-Tag
Der Welt-Lepra-Tag wurde 1954 von Raoul Follereau, einem französischen Schriftsteller und Journalisten, eingeführt, um auf die Not der von Lepra betroffenen Menschen weltweit aufmerksam zu machen. Follereau widmete sein Leben der Bekämpfung der Krankheit, weshalb er als „Apostel der Leprakranken“ gilt. Der internationale Gedenk-und Aktionstag wird jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar begangen -in Erinnerung an den Todestag von Mahatma Gandhi, der sich unter anderem für an Lepra Erkrankte engagierte. Heute ist der Gedenktag eine feste Institution in rund 130 Ländern der Welt: Viele religiöse und weltliche Organisationen starten Aktionen, um über Lepra aufzuklären und Spendengelder zu sammeln. In Deutschland nimmt die DAHW Deutsche Lepra-und Tuberkulosehilfee.V. ihn traditionell zum Anlass, um zur Unterstützung aufzurufen.

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