Keine Angst vor der Narkose

Der Facharzt für Anästhesie Dr. Sven Klöhr erklärt, was moderne Anästhesie so sicher macht

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©Christian Horn

Der 16. Oktober ist Weltanästhesietag. Er erinnert an die erste öffentlich vorgeführte Äthernarkose im Jahr 1846 und lenkt den Blick auf ein medizinisches Fachgebiet, das vielen Menschen bis heute Unbehagen bereitet. Denn die Vorstellung, während einer Operation die Kontrolle abzugeben, löst vielfach Angst aus. Dabei ist Narkose nicht gleich Narkose. „Es gibt verschiedene Formen: von der Allgemeinanästhesie über die Regionalanästhesie bis hin zur Lokalanästhesie“, erklärt der Leitende Oberarzt an der GKG Bamberg, Dr. Sven Klöhr. Bei regionalen Verfahren werden gezielt Nerven oder Körperregionen betäubt. „Heutzutage kann man die Nerven mit Ultraschall sehr gut darstellen und das Lokalanästhetikum entsprechend sicher an die richtige Stelle bringen“, so Dr. Klöhr. Die klassische Vollnarkose hingegen setze sich meist aus drei Komponenten zusammen: Schlaf, Schmerzausschaltung und, abhängig vom Eingriff, Muskelentspannung. „Das sind die drei Hauptbestandteile einer Vollnarkose“, fasst der Facharzt für Anästhesie mit Schwerpunkt Intensivmedizin zusammen und verweist auf die Vorteile moderner Präparate: „Heutzutage haben wir Medikamente, die extrem kurz wirksam und gut verträglich sind“, betont er. Auch die lückenlose Überwachung mache eine Anästhesie heute sehr sicher. „Jede Patientin und jeder Patient wird überwacht. Unter anderem werden Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung gemessen“, erklärt Klöhr. Auch das Kohlendioxid in der Ausatemluft werde fortlaufend kontrolliert. In der Juraklinik wird außerdem die Narkosetiefe gemessen. „Der Patient wird engmaschig von uns überwacht“, betont der Arzt. Das Risiko, während einer Operation bewusst aufzuwachen, sei äußerst gering. Die hierzu existierenden aktuellen Daten des „Royal College of Anaesthetists“ nennen ungefähr fünf Fälle von Wachheit auf 100.000 Allgemeinanästhesien.1 Sicherheit beginnt jedoch lange vor dem Eingriff. Im Aufklärungsgespräch fragt die Anästhesistin oder der Anästhesist Vorerkrankungen, frühere Narkoseerfahrungen, Allergien und Medikamente ab. „Am Tag des Narkosegesprächs lieber mal ein bisschen mehr Papier mitnehmen“, rät der Anästhesist. Dazu gehören Arztberichte, Befunde und ein vollständiger Medikationsplan, auch mit pflanzlichen Präparaten. Denn auch vermeintlich harmlose Mittel können die Anästhesie beeinflussen. „Ist doch pflanzlich, macht ja nichts. Das stimmt eben nicht immer“, stellt der erfahrene Mediziner klar. Ebenso wichtig sei es, „das zu befolgen, was die Narkoseärztin oder der Narkosearzt sagt“, etwa die Vorgaben zur Nüchternheit. Ebenso sollten ärztliche Hinweise zu Rauchen und Alkoholkonsum vor dem Eingriff beachtet werden. Ganz ohne mögliche Begleiterscheinungen kommt aber auch die moderne Narkose nicht aus. „Postoperative Übelkeit ist relativ häufig“, so der Arzt mit über 20-jähriger Berufserfahrung. Außerdem können nach einer Intubation Halsschmerzen oder Heiserkeit entstehen. Auch Schüttelfrost wegen intraoperativer Auskühlung sei möglich. All diese Nebenwirkungen gingen aber in der Regel schnell vorüber. Bei älteren Menschen kann nach einer Operation ein Delir auftreten. „Das ist nicht nur die Narkose“, betont der Anästhesist. Vielmehr handle es sich um „eine multifaktorielle Angelegenheit“: Die fremde Umgebung, unbekannte Menschen, der chirurgische Eingriff und bestehende Erkrankungen könnten in der Summe dazu beitragen. Wichtig sei hier die Reorientierung: „Man spricht mit der Patientin oder dem Patienten, erzählt ihr oder ihm, wo sie oder er ist, welcher Tag heute ist und was operiert wurde.“ Auch Angehörige und vertraute Bilder könnten helfen. Übrigens: Mehrere Narkosen in kurzen Abständen seien mit den heutigen kurzwirksamen Medikamenten in der Regel kein Anlass zur Sorge. Entscheidend sei jedoch stets die individuelle medizinische Beurteilung. Die Anästhesistin oder der Anästhesist seien ständiger Begleiter. Sie oder er beurteile das individuelle Risiko, plane das passende Verfahren, überwache die Patientin oder den Patienten während der Operation, leite die Narkose aus und begleite im Aufwachraum. Dr. Klöhrs wichtigste Botschaft zum Weltanästhesietag lautet deshalb: „Vor einer Narkose muss man keine Angst haben.“  

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