Ist Forschung neben der Tätigkeit als Arzt noch zu leisten?

Erstes Symposium zum interdisziplinären und überregionalen Austausch von jungen Forscherinnen und Forschern aus der Medizin

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten interdisziplinären Networking Symposiums für Clinician Scientists.
Foto: Jörg Fuchs

Mehr als 70 junge Medizinerinnen und Mediziner aus 20 deutschen Universitätskliniken trafen sich in Würzburg zum interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch. Die Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fach- und Forschungsrichtungen kamen vom 21. – 23. Februar 2019 in erster Linie zusammen, um ihre aktuelle und zukünftige berufliche Situation als Forscherinnen und Forscher an den Kliniken zu diskutieren.

Ärztinnen und Ärzte, die neben ihrer Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt auch Forschung betreiben, werden als „Clinician Scientists“ bezeichnet. „Sie sind das Bindeglied zwischen Klinik und Forschung und sorgen dafür, dass in der Forschung das Wohl des Patienten im Mittelpunkt steht“, so Prof. Stefanie Hahner, Prodekanin für Nachwuchsförderung an der Medizinischen Fakultät Würzburg und wissenschaftliche Leiterin des Clinician Scientist-Programms des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung Würzburg (IZKF).

Trotz im Lehrplan verankerter Programme für eine geschützte Forschungszeit neben der Klinik gibt es immer weniger Medizinerinnen und Mediziner, die den Weg eines Clinician Scientists einschlagen möchten, da die Arbeitsbelastung in einer Klinik schon ohne Forschungstätigkeit überdurchschnittlich hoch ist. Das Symposium bot den Nachwuchsforschenden eine Plattform, sich interdisziplinär zur Herausforderung von Klinik und Forschung und auch über die eigene Universitätsklinik hinaus auszutauschen.

Organisation
Angeregt und ausgerichtet wurde das erste Interdisziplinäre Networking-Symposium von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Würzburger IZKF-Clinician Scientist-Programms. In diesem dreijährigen strukturierten Ausbildungsprogramm erhalten die Ärztinnen und Ärzte neben ihrer klinischen Weiterbildung auch eine 18-monatige Freistellung, um sich ausschließlich ihrer Forschung widmen zu können.

Karriere als Clinician Scientist
Clinician Scientist-Programme gibt es inzwischen an vielen Universitätsstandorten. Auch wenn die Ärztinnen und Ärzte durch diese Programme mehr Zeit für ihre Forschung bekommen, verbleibt beim Einschlagen dieses Weges die Herausforderung, Klinik, Forschung, Lehre und Familie langfristig unter einen Hut zu bringen. Hier stoßen viele an ihre Grenzen. Wie dieser und andere Konflikte in der beruflichen Laufbahn eines Clinician Scientists zukünftig entschärft bzw. gelöst werden könnten, war ein häufig diskutiertes Thema auf dem Symposium.

Die Keynote-Vorträge hielten drei erfahrene, sehr erfolgreiche Clinician Scientists: Prof. Marion Subklewe aus München, Prof. Annette Grüters-Kieslich aus Heidelberg und Prof. Wiebke Arlt, die aus Birmingham angereist war. Anhand ihrer eigenen Lebensläufe machten sie den Teilnehmenden Mut, die Herausforderung einer Karriere in der Universitätsmedizin anzunehmen.

Austausch und Vernetzung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Vorstellung der Ergebnisse aus den Themenbereichen des World Cafés. Foto: Jörg Fuchs

Neben den Keynote-Vorträgen und den wissenschaftlichen Vorträgen der jungen Ärztinnen und Ärzte gab es viel Zeit zum individuellen Austausch. In einem Worldcafé diskutierten die Teilnehmenden über Arbeitsmodelle der Zukunft sowie die Vereinbarkeit von Klinik, Forschung und Familie. Ein wichtiger Punkt war die Möglichkeit der Anerkennung von Forschungszeit für die Facharztweiterbildung, die in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird. Außerdem wurde diskutiert, welche Kriterien ein gutes Clinician Scientist-Programm erfüllen sollte und welche Perspektiven Clinician Scientists nach ihrer Ausbildung an den Universitätskliniken haben sollten. Johannes Völker, Clinician Scientist des IZKF-Programms: „Nur wenn genügend Stellen für forschende Fachärzte zur Verfügung stehen, lohnt sich der anspruchsvolle Weg als Clinician Scientist.“ Gut angenommen wurde auch das abendliche Rahmenprogramm in Form von „Get togethers“.

Resümee
Das durchweg positive Feedback zu der Veranstaltung bestätigte die Organisatorinnen und Organisatoren. Die Ärztinnen und Ärzte waren in erste Linie wegen des interdisziplinären Austauschs mit ihren Kolleginnen und Kollegen und zum Netzwerken angereist In den abschließenden Evaluationen des Kongresses hoben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die mitreißenden Vorträge der Keynote-Sprecherinnen und die gute Organisation des Symposiums hervor. Die Teilnehmenden betrachteten das Würzburger Symposium als Startschuss für eine zukünftige enge Vernetzung untereinander.

Konsens bestand auch darin, dass Clinician Scientists durch ihre klinische Erfahrung optimal translationale Forschung betreiben und steuern können. Das bedeutet, dass Ergebnisse aus der Grundlagenforschung rasch ihren Weg an das Patientenbett finden. Das Berufsmodell stelle dadurch eine unschätzbare Bereicherung für die Medizin. Ärztinnen und Ärzte, die sich mit der akribischen, systematischen Arbeit in der Grundlagenforschung und dem kritischen Hinterfragen feststehender Dogmen beschäftigen, seien für die moderne Medizin unverzichtbar.

Im Austausch waren sich die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer einig, dass die Vernetzung und ein gemeinschaftliches Auftreten essenziell für die Durchsetzung übergeordneter Ziele der Programme und zukunftsfähiger Arbeitsmodelle seien. Nur durch eine nachhaltige Stärkung des Berufsstandes der klinischen Forscherin bzw. des klinischen Forschers könne dessen Zukunft und eine internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Universitätsmedizin gesichert werden.

Der Wunsch der Würzburger, den Staffelstab für die Organisation und Veranstaltung des Symposiums im nächsten Jahr weiterzugeben, wurde positiv aufgenommen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus fünf weiteren Unikliniken haben bereits ihr Interesse bekundet, dieses wichtige und wegweisende Netzwerktreffen im nächsten Jahr fortzuführen.

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