Coronavirus: Spezialist für Tropenmedizin im Interview

Angesichts steigender Infektionszahlen wächst nicht nur in China die Sorge vor dem neuen Coronavirus

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Prof. Dr. med. August Stich, Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Missioklinik. Foto: Inline Internet & Werbeagentur

Angesichts steigender Infektionszahlen wächst nicht nur in China die Sorge vor dem neuen Coronavirus. Im Interview informiert Prof. Dr. med. August Stich, Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin am Klinikum Würzburg Mitte (KWM), Standort Missioklinik, über das Virus und mahnt zu einem besonnenen Umgang mit der Problematik.

Prof. Stich, wie gefährlich ist das Coronavirus?
Die Infektion mit dem im Dezember 2019 neu entdeckten Coronavirus, das den wissenschaftlichen Namen „2019-nCoV“ trägt, kann zu einer schweren Atemwegsinfektion mit Fieber und Lungenentzündung führen. Zwar gab es bereits Todesfälle, doch bisher deuten die Informationen darauf hin, dass das Virus weniger gefährlich zu sein scheint, als der SARS-Erreger vor 17 Jahren.

Ist denn eine Ausbreitung des Virus nach Deutschland denkbar?
Wie sich das Virus ausbreiten wird und welche Gefahren für Deutschland entstehen könnten, lässt sich aktuell noch nicht wirklich abschätzen. Derzeit ist das Auftreten eines echten Falles in Deutschland oder gar in Würzburg aber noch unwahrscheinlich. Dennoch sind gerade jetzt in der Grippe-Saison die Menschen natürlich besorgt, weshalb Mediziner umfassend, aber auch unaufgeregt informieren sollten.

Wie steht es um Reisen nach Asien? Sollte man diese lieber nicht antreten?
Nein, von Reisen nach Fernost ist aktuell nicht abzuraten. Man muss jedoch damit rechnen, dass es durch Maßnahmen der lokalen Behörden, beispielsweise Temperaturmessungen an Flughäfen oder lokalen Reisebeschränkungen, durchaus zu Störungen im Reiseablauf kommen kann.

Wie kann man sich vor einer Infektion mit dem Virus schützen?
Da das Virus als Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird, kann man sich durch einfache Basishygienemaßnahmen, wie zum Beispiel eine regelmäßige Händehygiene, und generell Abstand zu Personen schützen. Beim Umgang mit infizierten Patienten sind außerdem erweiterte Schutzmaßnahmen wie Mundschutz, Brille, Kittel und Handschuhe erforderlich, vor allem bei einem engen Kontakt.

Wie konnte das Virus überhaupt ausbrechen?
Das Auftreten neuer Infektionserreger ist nichts Ungewöhnliches in einer globalisierten Welt. Sie sind der Preis unserer Lebensform, der intensiven Reise- und Migrationsbewegungen von Menschen, dem Transport von Tieren und Waren. Je weniger emotional wir uns den neuen Herausforderungen stellen, desto effektiver und effizienter sind wir in der Beherrschung echter Gefahrenlagen. Deutschland ist diesbezüglich gut aufgestellt, und das KWM ist in das nationale System eng eingebunden.

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