Bewegung, die Freiheit schenkt

Physiotherapeutin Renée Sielemann erklärt, warum Mobilität Lebensqualität bedeutet

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„Es ist oft erst der Moment, in dem Bewegungen schwerfallen, der uns zeigt, wie wertvoll Mobilität eigentlich ist“, sagt Renée Sielemann, Physiotherapeutin mit eigener Praxis in Oberdürrbach. Bewegungsfreiheit entscheide maßgeblich darüber, wie selbstständig und aktiv wir unseren Alltag gestalten können. Besonders mit zunehmendem Alter werde sie zu einem „zentralen Faktor für Lebensqualität“. Physiotherapie könne dabei helfen, Beweglichkeit zu erhalten oder verloren gegangene Funktionen zurückzugewinnen. Denn moderne Konzepte setzten früher an: „präventiv, ganzheitlich und individuell abgestimmt auf Beschwerden, Lebensstil und körperliche Voraussetzungen.“ Doch welche Therapieform hilft wann? Bei Rückenschmerzen, einer eingeschränkten Schulter oder einem „steifen“ Nacken entstünden Beschwerden häufig durch Fehlbelastungen, Muskelspannungen oder eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit. Genau hier setze die Manuelle Therapie an. „Mit gezielten Mobilisations- und Grifftechniken kann man Bewegungseinschränkungen lösen, das Zusammenspiel von Gelenken, Muskeln und Nerven verbessern und Schmerzen reduzieren.“ Bewährt habe sich die Methode besonders bei Beschwerden der Wirbelsäule, Arthrose, Kieferproblemen oder Bewegungseinschränkungen nach Operationen. Nachhaltige Verbesserungen zeigten sich vor allem dann, wenn die Therapie mit aktiven Übungen kombiniert wird. Denn: „Muskeln, Gelenke und Faszien brauchen regelmäßige Bewegung, um funktionell zu bleiben.“ Auch die klassische Krankengymnastik gehört für Sielemann zu den wichtigen Säulen moderner Physiotherapie. „Muskulatur werde gestärkt, Haltung verbessert und Bewegungsmuster trainiert. „Wer stabiler steht, sicherer geht und seinen Körper besser kontrollieren kann, gewinnt Selbstständigkeit zurück.“ Gerade im Alter helfe Krankengymnastik, Muskelabbau entgegenzuwirken, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern, Stürze zu vermeiden und Mobilität möglichst lange zu erhalten. Wenn Bewegung nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder Multipler Sklerose neu erlernt werden muss, kommt neurologische Physiotherapie ins Spiel. Diese Therapieform „nutzt gezielte Bewegungsmuster und sensorische Reize, um das Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur zu fördern.“ Trainiert werde alltagsnah: greifen, drehen, aufstehen, gehen. „Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern Funktionalität“, stellt Sielemann klar. Vielen Betroffenen helfe die Therapie, verlorene Bewegungsabläufe teilweise zurückzugewinnen oder neue Strategien für den Alltag zu entwickeln. Auch Atmung und Bewegung hängen eng zusammen. „Wer schlecht Luft bekommt, bewegt sich automatisch weniger – aus Unsicherheit, Erschöpfung oder Angst vor Belastung.“ Atemtherapie unterstütze Menschen mit COPD oder Asthma, aber auch nach Operationen, Infekten oder Long Covid. Durch Atemübungen, Mobilisation des Brustkorbs und Training der Atemmuskulatur verbesserten sich häufig Sauerstoffversorgung und Belastbarkeit.

Lymphdrainage wiederum könne helfen, wenn Schwellungen Bewegung einschränken, etwa nach Operationen, Verletzungen oder bei chronischem Lymphödem. „Die Behandlung erfolgt mit sanften, rhythmischen Griffen und kann Spannungsgefühle, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen deutlich reduzieren.“ So unterschiedlich die Methoden auch sind, ein Faktor bleibt für Renée Sielemann entscheidend: „regelmäßige Bewegung im Alltag.“ Spaziergänge, leichtes Kraft- und Faszientraining, Schwimmen, Radfahren, Gleichgewichtsübungen, Yoga oder Pilates helfen, beweglich zu bleiben. Entscheidend sei weniger die Trainingsform als die Regelmäßigkeit.  

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