Berührende Kinderbilder

Kolping-Center Mainfranken zeigt Linoldrucke israelischer Schüler zum Thema „Frieden“

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Eröffnung der Sonderausstellung „Der andere Weg“ (von links): Kolping-Präses Jens Johanni, Johanna Falk (Nagelkreuzinitiative Würzburg) sowie Peter Langer (Kolping-Akademie). Foto: Kolping Mainfranken

Für die Würzburger Kolping-Akademie hat das Thema „Frieden“ eine besondere Bedeutung, lernen hier doch Menschen Deutsch, die aus höchst unfriedlichen Ländern flohen. „Diese Menschen haben Gewalt, Krieg, Terror und Verfolgung erlebt“, so Peter Langer von der Kolping-Akademie bei der Vernissage der Ausstellung „Der andere Weg“ mit Linoldrucken israelischer Schüler, die von Friedensvisionen erzählen. Die Werke, die bis 15. September zu sehen sind, spiegeln die Friedenssehnsucht der Geflüchteten.

Die meisten Linoldrucke, die zwischen 1960 und 1970 entstanden sind, behandeln Alltagsthemen. „Zwei Freunde“ ist etwa ein Kunstwerk betitelt, das ein Mädchen mit weißer Hautfarbe und einen dunkelhäutigen Jungen zeigt, die, eng umschlungen, über ein Feld wandern. „Das Bild stammt von einem Jugendlichen namens Mordecai Cohen, der damals 15 Jahre alt war und ursprünglich aus Rumänien stammte“, erläuterte Johanna Falk, die die Kunstblätter seit 2003 für die Ökumenische Nagelkreuzinitiative Würzburg betreut. Im Kolping-Center Mainfranken sind die Drucke aktuell zu sehen, weil Kolping-Mainfranken in diesem Jahr das Wandernagelkreuz beherbergt.

Mit ihrem Kunstprojekt wollte die Pädagogin Puah Menczel Schülern die Möglichkeit eröffnen, sich auf kreative Weise mit sie bewegenden Themen wie „Frieden“, „Toleranz“ und „Gegenseitige Wertschätzung“ auseinanderzusetzen. „Die Drucke entstanden in Beersheba, der ersten israelischen Gesamtschule“, erläuterte Falk. Diese Bildungseinrichtung wurde zu jener Zeit von zugewanderten Schülern ganz unterschiedlicher Nationalitäten besucht: „Hier lernten jüdische, arabische und russische Kinder zusammen.“ Schulleiterin Puah Menczel versuchte, der Vielfältigkeit der Kinder gerade in den kreativen Unterrichtsfächern gerecht zu werden.

Die Schüler erzählen in ihren Bildern davon, dass es völlig egal ist, wie Menschen aussehen. Ob sie eine helle oder dunkle Hautfarbe haben. Ob sie exotisch gekleidet sind oder nicht. Letztlich zählt jenseits des Körperlichen allein das, was die Menschen auf seelischer Ebene miteinander verbindet. Besonders gut wird dieser Gedanke von der 15 Jahre alten Ravutal Weinberg mit ihrem Bild „Gemeinsame Zukunft für Jerusalem“ zum Ausdruck gebracht.

Noch immer ist es nicht friedlich in Israel. Die Sehnsüchte der Kinder bleiben bis heute unerfüllt. „So trennt nach wie vor eine Mauer Israelis und Palästinenser“, erinnerte Falk. Seit 2002 verläuft diese Mauer 700 Kilometer entlang der Grenzlinie zum Westjordanland. Die aggressive Siedlungspolitik Israels stürzt laut Falk viele Palästinenser in Armut. Einem Weltbank-Bericht von 2015 zufolge leben 39 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen und 16 Prozent der Palästinenser im Westjordanland unterhalb der Armutsgrenze. Falk: „Das Heilige Land ist in vielerlei Hinsicht sehr unheilig.“

Dank des Ökumenischen Nagelkreuzzentrums Würzburg wird die Sehnsucht der Kinder nach einem „anderen Weg“ auch fast 60 Jahre nach der Entstehung der ersten Friedensbilder in Beersheba wachgehalten. Seit 2003 sind die Schwarz-Weiß-Drucke an wechselnden Orten zu sehen. Meist in Würzburg, aber auch darüber hinaus. So zeigte Johanna Falk den ihr anvertrauten Bilderschatz im Jahr 2004 anlässlich der Weltversammlung aller Nagelkreuzzentren in der englischen Kathedrale von Coventry.

Die Sonderausstellung „Der andere Weg“ ist noch bis 15. September 2018 im Foyer sowie im fünften Obergeschoß des Kolping-Centers Mainfranken (Kolpingplatz 1) zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Samstag von 8 bis 17 Uhr und in den bayerischen Schulferien werktags von 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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